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Kardiologie 11. Oktober 2013

Der Ruf nach Präventivprogrammen wird lauter

Der Trend zu einem ungesünderen Lebensstil konterkariert die Fortschritte in der Therapie von Herzpatienten, wie eine Auswertung des internationalen Registers EUROASPIRE zeigt.

 

Die Ermittlung des Langzeittrends beruht auf Daten, die einen Zeitraum von über 10 Jahren überblicken, von 1999 bis 2013. Eingeschlossen in die Analyse waren Patienten unter 70 Jahren mit koronarer Herzerkrankung (Z. n. ACBP, PCI oder akutem Koronarsyndrom) aus neun europäischen Ländern. Ziel war es, zu evaluieren, wie sich das Risikoprofil dieser KHK-Patienten im Laufe der Jahre geändert hat. Die Ergebnisse sind alarmierend. So zeigte sich, dass der Anteil von Rauchern im Beobachtungszeitraum mit 21% im Jahr 1999 bzw. 18,2% im Jahr 2013 kaum zurückgegangen ist.

Besonders problematisch erscheint, dass sich der höchste Raucheranteil nach wie vor bei Personen unter 50 Jahren findet. Genau jene Personen, die am stärksten vom Aufhören profitieren würden, rauchen noch immer am meisten. Trotzdem kamen medikamentöse Therapien, die den Nikotinausstieg unterstützen, während des gesamten Beobachtungszeitraums nur in geringem Maß zum Einsatz.

Besorgniserregend ist außerdem die Entwicklung des Körpergewichts der Patienten. Der Anteil Übergewichtiger ist im Untersuchungszeitraum laufend gestiegen, von 31,9% im Jahr 1999 auf beachtliche 38,5% im Jahr 2013. Der Anteil körperlich aktiver Patienten blieb konstant. Auch die Diabetes-Häufigkeit nahm deutlich zu, von 18,5% auf 27,3%. Die Glykämiekontrolle blieb etwa gleich; zu allen Untersuchungszeitpunkten erreichten nur 30% der Patienten beim Nüchtern-Blutzucker den empfohlenen Zielwert. Positive Trends waren im Kollektiv der Patienten mit erhöhtem Blutdruck zu beobachten. Deren Anteil sank im Beobachtungszeitraum von 21,9% auf 12,8%. Auch seitens der Lipidwerte gab es Fortschritte. Der Anteil von Personen mit überhöhtem Gesamtcholesterin sank von 77% auf 32,8%, der Anteil jener mit zu hohen LDL-Werten sank von 42,9% auf 33,5 %.

Diese Entwicklung ist wahrscheinlich Folge eines vermehrten Einsatzes von Statinen. Generell nahm die Verwendung kardioprotektiver Therapien bis 2006/2007 zu, ist jedoch seither weitgehend konstant geblieben. Insgesamt legen die vorliegenden Ergebnisse folgenden Schluss nahe. „Die meisten Patienten bekommen eine sehr gute Therapie, aber sie können wegen ihres ungesunden Lebensstils nicht in vollem Ausmaß davon profitieren“ , brachte Prim. Univ.-Prof. Dr. Franz Weidinger, Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft die aktuellen Untersuchungsergebnisse auf den Punkt. Das relativiere die Erfolge, da die Lebensstil-Trends bei Herzpatienten in die falsche Richtung gehen. Prof. Weidinger: „Was wir dringend brauchen, sind Programme, die die Patienten bei der Änderung ihres Lebensstils unterstützen. Medikamente allein sind sichtlich nicht ausreichend, wie die Entwicklungen bezüglich Gewicht, Rauchverhalten und Glykämiekontrolle zeigen.

 

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