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Kardiologie 30. September 2013

Herzinfarkt: Frauen leiden anders

Zonta Golden Heart fordert Rehabilitationsprogramme, die auf Frauen abgestimmt sind.

Frauen werden in der Akutbehandlung und der Rehabilitation nach wie vor gleich behandelt wie Männer, obwohl geschlechtsspezifische Unterschiede wissenschaftlich längst erwiesen sind. Die Mortalität nach einem Herzinfarkt ist bei Frauen höher als bei Männern, in Rehabilitationsprogrammen sind Frauen aber deutlich unterrepräsentiert.

Etwa zwei Drittel aller Frauen, die einen plötzlichen Herzinfarkt erleiden, bemerken vor dem Ereignis keinerlei typische Herzbeschwerden wie Brust- oder Armschmerzen, Atemnot und Schweißausbrüche. Viel häufiger treten bei ihnen atypische Thoraxbeschwerden, Übelkeit und Erbrechen sowie atypische Schmerzlokalisationen auf.

„Die Diagnose eines Herzinfarkts ist bei Frauen deutlich schwieriger als bei Männern. Dadurch kommt es häufiger zu Fehldiagnosen mit verspäteter Spitalseinweisung“, sagt Prof. Dr. Jeanette Strametz-Juranek, Fachärztin für Innere Medizin und Kardiologie an der Medizinischen Universität Wien und Vorsitzende des Wissenschaftlichen Beirates der Informationsinitiative Zonta Golden Heart.

Andere Bedürfnisse in der Reha

In der kardiologischen Rehabilitation werden in der Regel keine Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Patienten gemacht. Die Bedürfnisse der beiden Geschlechter sind jedoch sehr unterschiedlich, erläutert Dr. Christiane Marko, Ärztliche Leiterin des Rehabzentrums SKA Felbring: „Frauen leiden viel häufiger unter krankheitsbedingten Sorgen und ausgeprägter körperlicher Erschöpfung. Sie zeigen oft eine depressive Verarbeitung der Krankheit durch Grübeleien und Hadern sowie Ablenkungsmechanismen wie z. B. Galgenhumor. All das legt nahe, dass die psychologische Betreuung gerade in der Rehabilitation bei Frauen in Zukunft einen größeren Stellenwert einnehmen muss.“

Viele Frauen wünschen sich außerdem getrenntgeschlechtliche Bewegungstherapien, in denen frauenspezifische Körperthemen wie Beckenboden, Venen und Osteoporose stärker berücksichtigt werden.

Best Practice an deutscher Klinik

An der deutschen Klinik Höhenried ist ein speziell auf Frauen abgestimmtes Therapieprogramm bereits seit 2005 erfolgreich im Einsatz. Die Basis bilden Bewegungs- und Ernährungstherapie sowie psychologische Betreuung. Abgestimmt auf frauenspezifische Mehrfacherkrankungen und geringere physische Belastbarkeit wird in der Bewegungstherapie gezielt das körperliche Selbstvertrauen gestärkt. Das Programm enthält Schulungen der Körperwahrnehmung, um körperliche Signale sensibler wahrnehmen zu können, sowie spezielle Anleitungen für die Umsetzung im Alltagsleben der Frau.

Auch die Maßnahmen der psychologischen Betreuung und die Ernährungsberatung gehen speziell auf die Bedürfnisse von Frauen ein: Frauenspezifische psychosoziale Belastungen und Ängste werden aufgearbeitet, Strategien zur Stressbewältigung und zur Änderung des Lebensstil erlernt. Ein besonderes Augenmerk gilt frauenspezifischen Gewichts- und Ernährungsproblemen (v. a. nach der Menopause) sowie dem Essverhalten unter Stress. Zu allen Maßnahmen gibt es konkrete Praxis-Tipps für die Umsetzung in Familie und Berufsalltag.

Das Frauen-Therapieprogramm in Höhenried wird generell sehr gut angenommen: Die Zahl der Abbrecherinnen liegt deutlich unter dem bei herkömmlichen Rehabilitationen.

Spezielle Reha für ältere Frauen

Herzinfarkte betreffen Frauen häufig erst in einem höheren Alter als Männer, da bis zur Menopause Östrogene als hormonelle Schutzfaktoren fungieren. Das im Alter gehäufte Auftreten von Zusatzerkrankungen, insbesondere chronische Erkrankungen, führt jedoch vermehrt zu Komplikationen im Krankheitsverlauf. Auch die stärkere Ausprägung der typischen koronaren Risikofaktoren wie Diabetes mellitus und Nikotinabusus machen sekundärpräventive Maßnahmen und gezielte Rehabilitation umso notwendiger. „Im Rehabilitationsprogramm ist es daher auch wichtig, auf die besonderen Bedürfnisse der älteren Frauen stärker einzugehen. Geringere Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit im Bewegungsprogramm müssen ebenso berücksichtigt werden wie Gewichtsprobleme nach der Menopause“, so Marko.

Martschin & Partner, Ärzte Woche 40/2013

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