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Kardiologie 16. September 2013

Widersprüchliche Assoziation

Kardiovaskuläre Sterblichkeit in ärmeren Ländern am höchsten.

In ärmeren Regionen der Welt sterben mehr Menschen an Schlaganfall, Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz als in wohlhabenderen. Das kardiovaskuläre Risiko von Einwohnern einkommensschwacher Länder ist allerdings am geringsten.

Bedeutet ein höheres kardiovaskuläres Risiko in der Bevölkerung auch eine höhere Rate an kardiovaskulären Erkrankungen (CVD)? Global gesehen kann man diesen Rückschluss offenbar nicht so ohne Weiteres ziehen. Denn wenn man die Inzidenzraten der Länder weltweit betrachtet, ergibt sich eine paradoxe Situation: Die Länder, deren Bewohner am wenigsten kardiovaskuläre Risikofaktoren aufweisen, haben nicht etwa die geringsten Ereignisraten an schweren CVD, sondern die höchsten – und umgekehrt. Diese Ergebnisse der „The Prospective Urban Rural Epidemiology“ (PURE-) Studie präsentierte Dr. Koon Teo, Faculty of Health Science, McMaster University Hamilton auf dem ESC-Kongress 2013 in Amsterdam.

Um den Einfluss kardiovaskulärer Risikofaktoren auf die kardiovaskuläre Erkrankungsrate und Mortalität abschätzen zu können, wurden in der groß angelegten, prospektiven PURE-Studie 155.245 Menschen aus insgesamt 17 Ländern auf ihr kardiovaskuläres Risikoprofil untersucht. 16.110 kamen aus einkommensstarken Ländern wie Kanada, Schweden oder den Arabischen Emiraten, 104.260 stammten aus Ländern mit mittleren und 34.875 aus Ländern mit niedrigen Einkommen wie Indien, Bangladesch, Pakistan oder Zimbabwe.

Das Risiko ist niedriger

Das Risiko jeden Teilnehmers schätzten die Studienautoren mithilfe des INTERHEART Risc Scores (IHRS), der Faktoren wie Alter, Geschlecht, Rauchen, Diabetes, Blutdruck usw. mit einbezieht. Das Risiko der Bewohner reicher Länder war am höchsten, das jener aus armen Regionen am niedrigsten. Auch die Hospitalisierungsrate ist in den einkommensstarken Ländern am höchsten.

Die Inzidenzrate aber höher

Die Inzidenz schwerer kardiovaskulärer Ereignisse (tödliche CVD, Schlaganfall, Herzinsuffizienz) zeigt allerdings exakt die umgekehrte Situation: In reichen Ländern kommen solche Ereignisse am seltensten vor, mit 4,3 Ereignissen pro 1.000 Personenjahre, in armen mit 6,4 Ereignissen pro 1000 Personenjahre am häufigsten (p=0,0001). Schaue man auf die Inzidenz der Gesamt-CVD sei diese, so Teo, in den reichen ähnlich wie die in den ärmeren Ländern.

„In ärmeren Ländern sterben also mehr Menschen aufgrund einer CVD“, sagt Teo. „Die Sterblichkeit nach einem Herzinfarkt, einer Herzinsuffizienz oder einem Schlaganfall ist in solchen Regionen trotz des niedrigeren Risikos fast drei bis vier Mal höher als die in wohlhabenden Ländern.“

Die Gesundheitsvorsorge in den Fokus rücken

Die vermeintlichen Gründe sind für Teo ein besseres Krankheitsmanagement und die effiziente Risikokontrolle in den einkommensstarken Ländern. Ein Bluthochdruck wird frühzeitig behandelt. „Man muss also auch die Gesundheitsvorsorge ins Blickfeld rücken“, so das Resümee Teos. Auch in einkommensschwachen Regionen der Welt sollten die wichtigen Aspekte einer guten Gesundheitsvorsorge am besten möglichst kostengünstig etabliert werden.

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC) vom 31. August – 4. September 2013, Amsterdam. Dr. Koon Teo. PURE: Contrasting associations between risc factor burden, CVD incidence in high, middle and low income countries. Vorgestellt in der Hotline-Session III: Late breaking trials on risc factores and diabetes..

springermedizin.de, Ärzte Woche 38/2013

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