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Kardiologie 16. September 2013

Hinweis auf Infarktgröße

Copeptin ist wichtiger Biomarker für das Krankheits- und Sterblichkeitsrisiko nach Herzinfarkt.

Der Spiegel des Biomarkers Copeptin im Blut nach einem Herzinfarkt liefert wichtige Hinweise auf die Infarktgröße und für die Prognose, ob Patienten im weiteren Verlauf ein besonders hohes Krankheits- oder Sterblichkeitsrisiko haben. Das zeigt eine Studie einer Innsbrucker Forschergruppen um Doz. Dr. Bernhard Metzler von der Universitätsklinik Innsbruck, Innere Medizin III, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurde.

„Herzinfarkt-Patienten haben trotz aller Behandlungsfortschritte ein deutlich erhöhtes Risiko, weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität zu erleiden, oder daran zu versterben. Nach der erfolgreichen Erstversorgung ist daher eine möglichst rasche Risikoeinstufung der Patienten für die Intensität der weiteren Therapie und Überwachung von entscheidender Bedeutung“, sagte Studien-Erstautor Dr. Sebastian Reinstadler. „Die Ergebnisse unserer Untersuchung unterstreichen die mögliche Rolle von Copeptin bei einer solchen Risikoeinstufung.“

Umso höher, desto größer die Herzinfarktnarbe

Für die aktuelle Studie wurden 54 Patienten mit einem akuten Herzinfarkt untersucht. Es zeigte sich, dass die Copeptinspiegel, gemessen zwei Tage nach einem akuten Herzinfarkt, umso höher sind, je größer die Herzinfarktnarbe ist. „Zudem konnten wir nachweisen, dass Patienten mit erhöhten Copeptinwerten sowohl unmittelbar nach dem Herzinfarkt als auch vier Monate danach eine signifikant schlechtere Herzfunktion hatten“, so Reinstadler.

Nach einem akuten Herzinfarkt kommt es in vielen Fällen zu chronischen Umbauvorgängen am Herzen, die mit einer höheren Sterblichkeit verbunden sind. Patienten mit hohen Copeptinspiegeln, so zeigte die Studie, entwickelten während der Beobachtungsphase von vier Monaten deutlich häufiger solche Umbauvorgänge. Reinstadler: „Interessanterweise erbrachte die Kombination von Copeptin-Werten und dem BNP-Spiegel, einem bekannten Biomarker für die Risikoeinstufung nach akutem Herzinfarkt, einen zusätzlichen Nutzen, um Patienten mit chronischen Umbauvorgängen zu identifizieren.“ Diese Einsichten sind schon deshalb von Bedeutung, weil sie die Risikoeinschätzung nach einem Herzinfarkt vereinfachen könnten.

Entscheidende Parameter, die auf ein erhöhtes Erkrankungs- und Mortalitätsrisiko nach einem Herzinfarkt hinweisen, sind unter anderem Herzinfarktgröße und Herzfunktion. Mittels einer MRT des Herzens ist es heute möglich, diese Parameter mit hoher Genauigkeit und ohne Belastung für Patienten zu bestimmen. „Allerdings ist diese Untersuchungsmethode derzeit nur an speziellen Zentren verfügbar und mit hohen Kosten verbunden“, so Reinstadler. „Biomarker können relativ einfach mittels einer einmaligen Blutentnahme bestimmt werden, die Messung kann prinzipiell in allen Krankenhäusern mit einem relativ geringen Kostenaufwand erfolgen.“

Trotz der vielversprechenden Ergebnisse steht die Copeptin-Testung allerdings noch nicht unmittelbar vor einem flächendeckenden Einsatz. Reinstadler: „Aufgrund der relativ kleinen Fallzahl unserer Studie sind weitere Untersuchungen notwendig, um die Bestimmung von Copeptin in den klinischen Alltag einzuführen. Einige wichtige Fragen wie der optimale Zeitpunkt der Bestimmung oder mögliche geschlechtsspezifische Unterschiede müssen noch im Detail geklärt werden. Es wird also noch mehrere Jahre dauern, bis sich ein möglicher praktischer Nutzen für Ärztinnen und Ärzte sowie Patientinnen und Patienten ergeben.“

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September 2013, Amsterdam. ESC Abstract P2044 – The association of copeptin with myocardial infarct size and myocardial function after ST-segment elevation myocardial infarction.

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