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Kardiologie 16. September 2013

CHAMPION Trials Metaanalyse

Intravenöses Cangrelor scheint Clopidogrel bei PCI überlegen.

Mit dem intravenösen P2Y12-Rezeptor-Antagonisten Cangrelor wird demnächst eine weitere Alternative für die Thrombozytenhemmung im Rahmen akuter Koronareingriffe verfügbar sein.

Cangrelor ist ein intravenöser, direkter P2Y12-Rezeptor Agonist, der schnell, potent und reversibel mit einer Halbwertszeit von 3 – 6 Minuten die Plättchenaktivierung und -aggregation inhibiert. Wirksamkeit und Sicherheit wurden in drei großen Studien (CHAMPION-PCI, CHAMPION-PLATFORM, CHAMPION-PHOENIX) bei nahezu 25.000 Patienten mit dem ganzen Spektrum akuter Koronarkomplikationen untersucht (STEMI: 11,6 Prozent der Patienten, NSTEMI: 57,4 Prozent, stabile KHK: 31 Prozent).

Die Substanz wurde dabei zunächst in einer Dosierung von 30 µg/kg als Bolus appliziert, gefolgt von 4 µg/kg pro Minute als Infusion für 2 – 4 Stunden.

Anschließend wurde mit Clopidogrel weiterbehandelt. Die Studien verglichen Cangrelor mit Clopidogrel, welches jedoch ungewöhnlich spät im Rahmen der PCI zum Einsatz kam.

Zulassung wird bald erwartet

Aufgrund der Daten wird die Zulassung demnächst erwartet, so Prof. Dr. Christian Hamm, Direktor des Herzzentrums an der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim. Auf dem ESC-Kongress präsentierte Hamm die Ergebnisse einer gepoolten Analyse der drei Studien, die zeitgleich in THE LANCET online publiziert wurde.

Signifikant weniger Akutkomplikationen

Primärer Wirksamkeitsendpunkt der Studie war die Kombination aus Tod, Infarkt, Revaskularisation und Stentthrombosen innerhalb von 48 Stunden nach der PCI. Primärer Sicherheitsendpunkt waren schwere und lebensbedrohliche Blutungen.

Cangrelor reduzierte gegenüber Clopidogrel das relative Risiko für den primären Endpunkt um 19 Prozent (3,8 vs. 4,7% in der Kontrollgruppe; p=0,0007). Stentthrombosen traten bei 62 Patienten (0,5%) unter Cangrelor sowie 105 Patienten (0,8%) unter Clopidogrel auf (HR 0,59; p=0,0008). Die Rate der Todesfälle war vergleichbar (33 vs. 45; OR 0,73; nicht signifikant). Die Unterschiede waren in allen Patientengruppen uniform und persistierten auch nach 30 Tagen, so Hamm. Die Rate schwerer Blutungen unterschied sich in beiden Gruppen nicht, sie lag jeweils bei 0,2 Prozent. Leichtere Blutungen traten häufiger in der Cangrelor-Gruppe auf (16,8 vs. 13,0%; p‹0,0001).

Cangreloreinsatz kein Hindernis für baldigen Bypass

Cangrelor bietet als intravenöser Thrombozytenhemmer somit eine weitere Option für Patienten mit Koronareingriffen. Orale P2Y12-Inhibitoren haben sich in dieser Situation zwar als sehr wirksam erwiesen. Doch bei manchen Patienten kann die Bioverfügbarkeit nach oraler Gabe eingeschränkt sein, schreiben die Autoren, etwa aufgrund von Übelkeit und Erbrechen, einer gleichzeitigen Opiatgabe oder einer reduzierten Perfusion im Rahmen des Infarktgeschehens. Darüber hinaus flaut die Wirkung von Cancrelor schnell ab, was wünschenswert ist bei Blutungskomplikationen oder wenn eine Bypasschirurgie notwendig wird.

Clopidogrel im Vergleichsarm wurde sehr spät eingesetzt

Die CHAMPION-Studien haben jedoch auch Limitierungen. So wurde Cangrelor nicht gegen Prasugrel und Ticagrelor getestet, die ihrerseits beide wirksamer sind als Clopidogrel. In den CHAMPION-Studien wurde auch kein Preloading mit Clopidogrel Stunden vor dem Eingriff durchgeführt, was angesichts der langsam eintretenden Wirkung von Clopidogrel als Standard gilt. In zwei der drei CHAMPION-Studien wurde quasi gegen Placebo getestet, weil Clopidogrel erst am Ende der PCI oder kurz danach gegeben wurde. Die verzögerte Administration von Clopidogrel mag den Unterschied im klinischen Ergebnis zugunsten von Cangrelor vergrößert haben, räumen die Autoren ein.

 

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September 2013, Amsterdam. Clinical Trial Update Hot Line II. Steg PG, et al. Effect of cangrelor on periprocedural outcomes in percutaneous coronary interventions: a pooled analysis of patient-level data. The Lancet online 3. September; DOI 10.1016/S0140-6736(13)61615-3.

springermedizin.de/de, Ärzte Woche 38/2013

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