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Kardiologie 22. September 2013

Je früher, desto besser

Mit dem Rauchen aufzuhören, lohnt sich in jedem Fall.

Rauchverbote im öffentlichen Raum machen sich für die Herzgesundheit bezahlt. Aber auch Entwöhnunswillige profitieren bei einem Verzicht auf den blauen Dunst, unabhängig vom Alter.

So zeigt eine aktuelle Studie aus der Schweiz, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam präsentiert wurden, einen deutlichen Rückgang der Herzinfarkte in Regionen, in denen Rauchen in öffentlichen Räumen verboten ist (ESC Abstract 101 – Long-term implications on the incidence of ST-Elevation Myocardial Infarction after implementation of a public smoking ban: a comparison between cantons in Switzerland). Die Schweizer Ergebnisse entsprechen weitgehend jenen einer kürzlich präsentierten deutschen Studie, die nachwies, dass sich Nichtraucherschutz-Gesetze auf die Häufigkeit von STEMI (ST-Hebungsinfarkt), der gefährlichsten Herzinfarkt-Form, positiv auswirken.

„Eine immer größere Zahl von Studien zeigen, dass Nichtraucherschutz-Gesetze einen sehr positiven Einfluss auf die Herzgesundheit haben“, kommentierte der Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, Prof. Dr. Franz Weidingen von der Rudolfstiftung in Wien, die aktuellen Daten aus der Schweiz. „Die eindeutigen Ergebnisse sind ein klarer Auftrag an die Gesundheitspolitik, auch in Österreich endlich den Nichtraucherschutz, insbesondere vollständige Rauchverbote in der Gastronomie, konsequent umzusetzen.“

Reduktion in den Hospitalisierungen aufgrund eines STEMI

Die Schweizer Studie verglich die Häufigkeiten von Herzinfarkten (STEMI) im Kanton Tessin vor und nach der Einführung des Rauchverbots an öffentlichen Orten im April 2007 und verglich die Werte mit jenen aus dem Kanton Basel Stadt, wo es zu diesem Zeitpunkt kein Rauchverbot gab. Im Kanton Tessin war die durchschnittliche Anzahl der jährlichen Krankenhausaufnahmen wegen STEMI signifikant höher während der drei Jahre vor Einführung des Rauchverbotes, als die Anzahl der Aufnahmen während der drei Jahre nach Einführung des Verbotes. In Basel wurde in dieser Zeit kein vergleichbarer Effekt beobachtet. „Unsere Arbeit zeigt eine rasche, signifikante Langzeit-Reduktion in den Hospitalisierungen aufgrund eines STEMI in der Bevölkerung des Kantons Tessin in der Südschweiz nach Einführung des Rauchverbotes an öffentlichen Orten, mit einer mittleren Reduktion von 20,9 Prozent während der ersten drei Jahre nach Gesetzeseinführung“, kommentierte Dr. Marcello Di Valentino vom Ospedale San Giovanni in Bellinzona, Schweiz.

Zu ähnlichen Ergebnissen war unter anderem auch eine deutsche Studie gekommen, die nach der Einführung der Nichtrauchergesetze in Bremen in den Jahren 2008 bis 2010 bei Nicht- bzw. Passivrauchern einen Rückgang von STEMIs um 26 Prozent, bei Rauchern um vier Prozent und in der Gesamtgruppe um 16 Prozent fand.

Wer mit 70 noch raucht, verliert vier Lebensjahre

Gute Nachrichten für Entwöhnungswillige bringt auch eine internationale Studie – einmal aufgetretene Schäden an den Herzkranzgefäßen vergehen zwar nicht mehr, wenn Raucher dem blauen Dunst abschwören, das Herzinfarkt-Risiko geht aber dennoch auf jenes von Nichtrauchern zurück. Eine weitere vorgestellte Arbeit zeigt, dass sich das Aufhören in jedem Alter lohnt und auch 70-Jährige noch an Lebenserwartung gewinnen, wenn sie das Rauchen bleiben lassen.

„Diese Daten zeigen, dass es sich für die Gesundheit in jedem Alter lohnt, das Rauchen bleiben zu lassen – je früher desto besser“, kommentierte Prof. Dr. Otmar Pachinger, Kardiologe an der Medizinischen Universität Innsbruck, die Ergebnisse.

Dass es sich auch im höheren Alter noch lohnt, mit dem Rauchen aufzuhören, zeigen Daten aus der Whitehall-Studie, die den Gesundheitszustand britischer Beamter über längere Zeit abbildet (ESC Abstract 97 – Smoking and risk of vascular and non-vascular mortality in old age: 15-year follow-up of 7000 men in the Whitehall resurvey). In einer Kohorte von Männern im Alter zwischen 66 und 97 Jahren zeigte sich für Raucher und Ex-Raucher ein deutlich höheres Sterberisiko als für Personen, die niemals geraucht hatten. Raucher hatten ein um 50 Prozent höheres Risiko zu versterben als Männer, die nie geraucht hatten, wobei dafür mehrheitlich kardiovaskuläre Erkrankungen ausschlaggebend waren. Das Risiko der Ex-Raucher war im Vergleich zu den Niemals-Rauchern nur mehr um 15 Prozent erhöht. Männer, die bereits vor mehr als 25 Jahren mit dem Rauchen aufgehört hatten, zeigten überhaupt kein erhöhtes Risiko mehr. Ausschlaggebend für die höhere Sterblichkeit von Ex-Rauchern waren Krebs und Lungenerkrankungen. Umgerechnet auf Lebensjahre bedeuten diese Daten, dass 70-jährige Raucher im Schnitt vier Jahre verlieren, wenn sie nicht mit dem Rauchen aufhören.

Herzinfarkt-Risiko bei ehemaligen Rauchern

Die CONFIRM-Studie Studie, ein Register mit mehr als 13.000 Patienten in neun Ländern, untersuchte, wieweit das Herzinfarkt-Risiko bei ehemaligen Rauchern zurückgeht, und kam zu überraschenden Ergebnissen. Ex-Raucher haben nämlich ein reduziertes Risiko, obwohl sich die durch das Rauchen verursachten krankhaften Veränderungen in den Herzkranz-Gefäßen nicht zurückbilden (ESC Abstract P2071 – Coronary artery disease extent, severity and risk among active smokers, past smokers and non-smokers: a prospective study of 13,372 patients undergoing coronary CT angiography). Im Beobachtungszeitraum von zwei Jahren war das Risiko von Rauchern, einen Herzinfarkt zu erleiden, doppelt so hoch wie jenes der Nichtraucher. Zwischen Niemals- und Ex-Rauchern bestand kein Unterschied.

„Als nächstes müssen wir nun untersuchen, ob die Schädigungen in den Gefäßen der Ex-Raucher auf längere Sicht Probleme bereiten“, so Studienautor Dr. James Min vom New York-Presbyterian Hospital und Weill Cornell Medical College. „Auch ist noch unklar, welche Rolle die Menge der gerauchten Zigaretten spielt und wie schnell sich das Risiko nach dem Rauch-Stopp normalisiert.“

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September 2013, Amsterdam.

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