zur Navigation zum Inhalt
© olly / shutterstock.com
 
Kardiologie 16. September 2013

Fortschritte konterkariert

Europaweite Studie: Ungesunder Lebensstil unterläuft bessere Behandlungsmöglichkeiten von Herzkrankheiten.

Der Trend zu einem ungesünderen Lebensstil konterkariert die Fortschritte in der Therapie von Herzpatienten. Das zeigen Auswertungen der EUROASPIRE Erhebung aus den Jahren 1990 bis 2013. Präsentiert wurde die Trendanalyse auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in Amsterdam. Die von der ESC initiierten Umfragen untersuchen Langzeittrends bezüglich Lebensstil, Risikofaktoren-Management und medikamentöser Therapie von Koronarpatienten in Europa.

„Die Lebensstil-Trends bei Herzpatienten gehen in die falsche Richtung“, kommentierte Prof. Dr. Franz Weidinger, Präsident der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG) die aktuellen Untersuchungsergebnisse. „Übergewicht und Diabetes nehmen laufend zu, das relativiert die Erfolge, die wir medikamentös zum Beispiel bei der Blutdrucksenkung oder den Blutfettwerten erreichen können. Die Daten machen deutlich, dass die Verbesserung von Therapien allein nicht ausreicht. Wir brauchen auch verstärkt präventive Programme, die Koronarpatienten bei der Änderung ihres Lebensstils konsequent unterstützen.“

Die Analyse enthält Daten von Patienten unter 70 Jahren mit koronaren Herzerkrankungen (Koronar-Bypass-Operation, Angioplastie, also Gefäßerweiterung mittels Katheter oder akutem Koronarsyndrom) aus neun europäischen Ländern und vergleicht die Ergebnisse der Jahre 1999/2000, 2006/2007 und 2012/2013. Der Anteil von Rauchern unter den Herzpatienten ist im Beobachtungszeitraum kaum zurückgegangen (1999/2000: 21 Prozent; 2006/2007: 18,2 Prozent; 2012/2013: 18,2 Prozent), wobei sich konstant der höchste Raucheranteil bei Personen unter 50 Jahren fand. „Die jüngsten Patienten, die am meisten vom Aufhören profitieren würden, rauchen noch immer am meisten. Medikamentöse Therapien, die den Nikotinausstieg unterstützen, wurden im Beobachtungszeitraum nur in geringem Maß eingesetzt, hier brauchen wir Verbesserungen“, erklärte Prof. Dr. David A. Wood vom Imperial College London auf dem ESC-Kongress.

Der Anteil Übergewichtiger ist im Untersuchungszeitraum laufend gestiegen (1999/2000: 31,9 Prozent; 2006/2007: 33,3 Prozent; 2012/2013: 38,5 Prozent), der Anteil körperlich aktiver Patienten blieb konstant. Auch die Diabetes-Häufigkeit nahm deutlich zu (1999/2000: 18,5 Prozent; 2006/2007: 23,8 Prozent; 2012/2013: 27,2 Prozent). Das Management der Zuckerwerte blieb etwa gleich, zu allen drei Untersuchungszeitpunkten erreichten nur 30 Prozent der Patienten beim Nüchtern-Blutzucker den Zielwert von weniger als 7 mmol/L.

Bei der medikamentösen Therapie den Plafond erreicht

Der Einsatz kardioprotektiver Medikamente war vom Untersuchungszeitraum 1999/2000 bis 2006/2007 angestiegen, nicht mehr aber im Zeitraum bis 2012/2013. Wood: „Es scheint, dass wir bei der medikamentösen Therapie den Plafonds erreicht haben. Die meisten Patienten bekommen eine sehr gute Therapie, aber sie profitieren wegen ungesunder Lebensstilfaktoren davon nicht in vollem Ausmaß.“

Positive Trends beobachteten die Forscher beim Anteil von Patienten mit zu hohem Blutdruck (1999/2000: 21,9 Prozent; 2006/2007: 16,8 Prozent; 2012/2013: 12,8 Prozent), in besonderem Ausmaß sank der Anteil von Personen mit überhöhten Gesamtcholesterinwerten (1999/2000: 77 Prozent; 2006/2007: 40,6 Prozent; 2012/2013: 32,8 Prozent) und zu hohen LDL-Werten (1999/2000: 78 Prozent; 2006/2007: 42,9 Prozent; 2012/2013: 33,5 Prozent).

Quelle: Jahrestagung European Society of Cardiology (ESC), 31. August – 4. September 2013, Amsterdam. EUROASPIRE Surveys: www.escardio.org/guidelines-surveys/eorp; esc 2013 Session „Registry Hot Line“, 3. September 2013

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben