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Anhand der typischen regionalen Wandbewegungsstörungen des linken Ventrikels in der Akutphase gelang es, vier verschiedene Typen des Takotsubo Syndroms zu identifizieren.
© Valerie Weihs

Dr. Valerie Weihs, Wilhelminenspital,Wien.

 
Kardiologie 23. August 2013

Akutveränderungen beim Takotsubo-Syndrom

Das Takotsubo Syndrom ähnelt in der klinischen Präsentation einem akuten Koronarsyndrom. In einer retrospektiven, multizentrischen Studie wurden die EKG- und Echo-Veränderungen in der Akutphase unter die Lupe genommen.

Valerie Weihs

Das Takotsubo Syndrom, auch „apical ballooning syndrome“, Stress-induzierte Kardiomyopathie oder „Broken-Heart-Syndrom“ genannt, ist durch akut einsetzende Thoraxschmerzen und/oder Atemnot, begleitet von ST-Streckenveränderungen und/oder einer Erhöhung der myokardialen Biomarker im Sinne einer akuten myokardialen Ischämie charakterisiert. Dem Einsetzen der Symptomatik geht häufig ein akutes emotionales und/oder physisches Stressereignis voran.

Das akut durchgeführte Koronarangiogramm weist in der Regel keine wirksamen Stenosen der epikardialen Gefäße auf. Typischerweise zeigen sich regionale linksventrikuläre Wandbewegungsstörungen in der Levokardiografie oder Echokardiografie, die nicht im Versorgungsgebiet einer einzelnen Koronararterie liegen.

Zumeist bilden sich alle pathologischen Veränderungen innerhalb weniger Tage bis Wochen zurück. Obwohl dieses Krankheitsbild im Allgemeinen benigne verläuft, kann es vor allem in der Akutphase zu Komplikationen aufgrund der plötzlich einsetzenden Linksherzinsuffizienz kommen. Hierzu gehört in erster Linie die Entwicklung eines kardiogenen Schocks oder jene von Herzrhythmusstörungen. Auch wird bei bis zu 11 Prozent der PatientInnen mit Takotsubo über ein Rezidiv des Syndroms berichtet.

EGK-Befund und Wandbewegungsstörungen

In die retrospektive Studie wurden 172 Patienten aus 9 österreichischen Krankenhäusern* eingeschlossen. 93,6 Prozent der in die Studie eingeschlossenen Patienten waren Frauen, 6,4 Prozent waren Männer. Die Diagnose wurde anhand der von der Mayo Clinic vorgeschlagenen Kriterien gestellt. Ein vorangegangenes Stressereignis konnte bei 97 PatientInnen (56,4 %) detektiert werden. Anhand der typischen regionalen Wandbewegungsstörungen des linken Ventrikels in der Akutphase konnten vier verschiedene Typen des Takotsubo Syndroms identifiziert werden:

der klassische Typ eines apikalen Takotsubo Syndroms mit dem typischen „apical ballooning“ des linken Ventrikels (62,2%)

ein kombiniert apikal-midventrikulärer Typ mit regionaler Dysfunktion in allen apikalen und midventrikulären Segmenten des linken Ventrikels (19,8%)

ein isoliert die midventrikulären Segmente betreffender Typ des Takotsubo Syndroms (5,8%)

ein sehr selten vorkommender Fall eines basalen Takotsubo Syndroms (n=2).

EKG Veränderungen in der Akutphase wurden in Zusammenschau mit den verschiedenen Typen des Takotsubo Syndroms analysiert: Der apikale sowie der kombiniert apikal-midventrikuläre Typ zeigte am häufigsten ST-Hebungen ähnlich einem STEMI (beide ca. je 41%), wohingegen der midventrikuläre Typ am häufigsten diffuse T-Negativierungen aufwies ähnlich einem NSTEMI (60%). Die zwei Fälle des basalen Takotsubo Syndroms präsentierten sich mit einem neu aufgetretenen Linksschenkelblock und diffusen unspezifischen T-Negativierungen.

Es konnten keine signifikanten Unterschiede der EKG-Veränderungen zwischen Frauen und Männern gefunden werden (p=0.71). PatientInnen mit einem vorangegangenen emotionalen Stressereignis zeigten am häufigsten T-Negativierungen (46,3%), gefolgt von ST-Hebungen (36,6%), wohingegen PatientInnen mit einem physischen oder kombiniert emotional-physischen Stressereignis am häufigsten ST-Hebungen (51,1% und 66,7%), gefolgt von T-Negativierungen (31,9% und 33,3%) zeigten.

Akute Komplikationen und Schlussfolgerungen

PatientInnen mit kombiniert apikal-midventrikulären Takotsubo Syndrom entwickelten aufgrund der ausgedehnten Wandbewegungsstörungen und der akuten Linksherzinsuffizienz am häufigsten Komplikationen. Herzrhythmusstörungen traten in 12,2 Prozent, eine kardiale Dekompensation in 9,1 Prozent auf. Ein kardiogener Schock mit der Notwendigkeit einer invasiven Beatmung war in drei Prozent der Fälle zu beobachten. Ein Patient mit einem apikalen Takotsubo Syndrom und ST-Hebungen im Akut-EKG verstarb.

Kardiovaskuläre Komplikationen scheinen häufiger bei Männern (36,4%) als bei Frauen (12,8%; p=0.000) aufzutreten . Es scheint jedoch keinen Unterschied im Auftreten der Komplikationen zwischen PatientInnen mit ST-Hebung (13,4%) und PatientInnen mit T-Negativierung (12,9%; p=0.255) zu geben.

Die Ergebnisse dieser Studie weisen auf die unterschiedliche Präsentation und Ausprägung des Takotsubo Syndroms, beispielsweise im Vergleich mit den USA, hin. Die aufgezeigten Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen des Takotsubo Syndroms könnten möglicherweise dazu beitragen, die diagnostischen Kriterien sowie die therapeutischen Optionen zu verbessern.

*Wilhelminenspital Wien, Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern Linz, Klinikum Wels-Grieskirchen, LKH Graz-West, AKH Linz, Paracelsus Medizinische Privatuniversität Salzburg, Medizinische Universität Innsbruck, Hanusch-Krankenhaus Wien, Donauspital, SMZ-Ost, Wien.

Valerie Weihs präsentiert diese Ergebnisse im Rahmen des ESC am 1. September 2013 um 8 Uhr 30, P1197, Posters Village 9

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