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© Medizinische Universität Innsbruck/Jakob Dörler
Kompletter Verschluss der A. circumflexa
© Gernot Brauchle

Dr. Jakob Dörler, Medizinische Universität Innsbruck,

 
Kardiologie 23. August 2013

Prognostische Bedeutung der Verschlusslokalisation

ST-Hebungsinfarkte mit der schuldigen Läsion im Bereich der A. circumflexa sind mit längeren Ischämiezeiten bei Primär-PCI assoziiert. Eine kritisch, gegebenenfalls erweiterte EKG-Diagnostik bereits am Notfallort ist mitunter entscheidend.

Jakob Dörler

Eine rasche und vollständige Reperfusion ist primäres Ziel in der Therapie des akuten ST-Hebungsinfarktes (STEMI). Je kürzer der Zeitverlust bis zur Therapie, desto deutlicher profitieren die Patienten von der Reperfusion, und desto besser sind Kurz- und Langzeitprognose nach einem akuten Myokardinfarkt. Das 12-Kanal-EKG ist neben der Anamnese das zweite wichtige Kriterium zur Diagnose eines STEMI.

In der Diagnostik von Verschlüssen der rechten Kranzarterie (RCA) sowie des Ramus interventrikularis anterior (LAD) weist das EKG eine hohe, in der Diagnostik von ST-Hebungsinfarkten basierend auf Verschlüssen der Arteria circumflexa (CX) eine vergleichsweise niedrige Sensitivität auf. Eine frühe Diagnose ist jedoch entscheidend für eine rasche und optimierte Reperfusion mittels primärer Koronarintervention (PCI).

Darüber hinaus sind ST-Hebungsinfarkte im Versorgungsgebiet der A. circumflexa in den aktuellen Studien weniger häufig als jene im Versorgungsgebiet der RCA oder der LAD, und die Datenlage für CX bedingte ST-Hebungsinfarkte ist limitiert.

Therapieverzögerungen bei CX-bedingten STEMI vermeiden

Die vorliegende Analyse hatte zum Ziel die Patientencharakteristika und den Therapieerfolg in Abhängigkeit vom betroffenen Gefäß bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt und Primär-PCI zu untersuchen. Zu diesem Zweck wurde eine prospektive Kohorte von 4846 Patienten, die zwischen Juli 2009 und Oktober 2012 im Österreichischen Akut-PCI Register erfasst wurden und eine Primär-PCI erhielten analysiert. Nach Unterteilung entsprechend des betroffenen Gefäßes (LAD 43,7%, RCA 42,8%, CX 13,5%) wurden Patientencharakteristika, Zeiten bis zur Reperfusion sowie Therapie und Therapieerfolg zwischen den einzelnen Subgruppen verglichen.

Hinsichtlich der Patientencharakteristika waren die Gruppen im wesentlich gleich, wobei die Patienten mit der CX als infarktbezogenes Gefäß einen höheren Body Mass Index hatten, häufiger Raucher und geringfügig älter waren. Die Patienten in der CX-Gruppe wurden jedoch seltener direkt vom Notfallort an das Interventionszentrum zugewiesen (LAD 59,1%, RCA 59,9%, CX 52,9%; χ² p=0,01). Auch waren die Therapieverzögerungen und Gesamtischämiezeiten in der CX-Gruppe am längsten; am kürzesten waren sie in der Gruppe mit der LAD als infarktbezogenes Gefäß. Die Krankenhaussterblichkeit in unserer Kohorte von ST-Hebungsinfarkten lag bei 5,0 Prozent und war in der LAD-Gruppe höher (6,4%) als in der RCA- (3,9%) oder der CX-Gruppe (3,7%; χ² p < 0,01).

Zusammenfassend war die Krankenhausmortalität bei Patienten mit ST-Hebungsinfarkt und der CX als schuldiges Gefäß ebenso hoch wie jene bei Patienten mit der RCA als infarktbezogenes Gefäß. Die Beobachtung, dass CX-bezogene ST-Hebungsinfarkte mit einer längeren Therapieverzögerung bis zur Reperfusion assoziiert sind, unterstreicht die besondere Bedeutung der initialen klinischen Einschätzung und EKG-Diagnostik.

Die kritische und gegebenenfalls auch erweiterte EKG-Diagnostik bereits am Notfallort ist entscheidend, um eine höhere Rate an Direktzuweisungen ans Interventionszentrum zu erzielen sowie kürze Therapieverzögerungen und damit einen besseren Therapieerfolg bei CX-bedingten ST-Hebungsinfarkten zu erreichen.

J. Dörler führte diese Analyse gemeinsam mit den Österreichischen Akut-PCI Investigatoren H. Alber, W. Benzer, G. Grimm, M. Juhasz, D. V Lewinski, FX. Roithinger, H. Schuchlenz, P. Siostrzonek und F. Weidinger durch.

Jakob Dörler präsentiert diese Ergebnisse am 31. August 2013 im Rahmen des ESC, Poster Session 1, 14 bis 18 Uhr, Posters Village 9

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