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Der langfristige Benefit einer Blutdrucksenkung kann individuell optimiert werden.
 
Kardiologie 23. August 2013

Bewährt und gut : ACE-I und CCB

Komorbiditäten spielen eine große Rolle in der Wahl der antihypertensiven Therapie. Aktuelle Analysen liefern interessante Ergebnisse.

In einer kürzlich durchgeführten Metaanalyse von Gianluigi Savarese und Mitarbeitern wurde die Wirkung von ACE-Hemmern (ACE-I) und Angiotensin-Rezeptorblockern (ARBs) auf den langfristigen Outcome bei Hochrisikopatienten ohne Herzinsuffizienz gegenübergestellt.1 Eingeschlossen in die Analyse waren 26 randomisierte Studien mit insgesamt 108.212 Patienten. Beide Medikamentengruppen senkten den kombinierten Endpunkt bestehend aus kardiovaskulärem Tod/Herzinfarkt/Schlaganfall sowie die Einzelendpunkte Schlaganfall bzw. Neumanifestation eines Diabeters signifikant. Die Endpunkte Gesamtmortalität, Neumanifestation einer Herzinsuffizienz und Myokardinfarkt wurden nur durch ACE-Hemmer signifikant gesenkt.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam bereits 2012 eine Metaanalyse der Arbeitsgruppe um Laura van Vark. Diese analysierte Daten von rund 160.000 Patienten aus 20 randomisierten, kontrollierten, prospektiven Studien, in denen der Outcome von Patienten, die mit einem RAAS-Hemmer (ACE-I oder ARB) behandelt wurden, mit jenen einer Kontrollgruppe, deren Medikation entweder aus Placebo oder einem anders wirkenden Blutdrucksenker (Betablocker, Diuretika, Kalziumantagonisten, u.a.) bestand.2

Das Ergebnis: Während bei den RAAS-Hemmern die Sterblichkeit bei 20,9 Fällen pro 1000 Patientenjahre lag, kamen in der Kontrollgruppe 23,3 Todesfälle auf 1000 Patientenjahre. RAAS-Hemmer senkten die Gesamtsterblichkeit um 5 Prozent verglichen mit anderen Behandlungsmöglichkeiten. Eine Subanalyse ergab allerdings, dass der günstige Effekt ausschließlich auf das Konto der ACE-Hemmer ging. Allein betrachtet senkten diese Medikamente die Sterblichkeit im Vergleich zu anderen Antihypertensiva und Placebo um 10 Prozent. Die Auswirkungen von ARBs auf die Mortalität bei hypertensiven Patienten waren, wie bereits Einzelstudien nahe legten, neutral.

Einer gänzlich anderen, aber ebenso interessanten Frage ging kürzlich eine Subgruppenanalyse der ACCOMPLISH-Studie nach.3 Darin untersuchten Michael Weber und Mitarbeiter den Einfluss des Körpergewichts auf den kardiovaskulären Outcome in den unterschiedlichen Behandlungsarmen. Zur Erinnerung: In der ACCOMPLISH-Studie wurden Hochdruckpatienten mit unterschiedlichen Kombinationen eines ACE-Hemmers, Diuretikums und Kalziumantagonisten behandelt. In der aktuellen Subgruppenanalyse wurden die Patienten je nach Body-Mass-Index in drei Kohorten - adipös, übergewichtig oder normalgewichtig - unterteilt. Als primärer Endpunkt diente die Rate an kardiovaskulären Ereignissen. Es zeigte sich, dass die Therapie-Wirksamkeit hinsichtlich der Ereignisraten bei adipösen Patienten in allen Therapiearmen ähnlich war. Bei „nur“ übergewichtigen sowie vor allem bei schlanken Personen schnitt die Kombination ACE-I/CCB jedoch signifikant besser ab als die Kombination ACE-I plus Diuretikum.

Die hier beschriebenen Unterschiede könnten dem Arzt als Argument dienen, um Patienten, die einer antihypertensiven Therapie vielleicht kritisch gegenüber stehen, davon zu überzeugen, dass es möglich ist, die Medikation auf die individuellen Gegebenheiten abzustimmen, um so den langfristigen Nutzen der Blutdrucksenkung für den einzelnen Patienten bestmöglich zu nutzen.

 

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