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© KAGes/Furgler
Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg, Graz
 
Kardiologie 23. August 2013

Herzchirurgie und Kardiologie kommen sich näher

Die Herzchirurgie wird immer weniger invasiv, die Kardiologie setzt vermehrt auf interventionelles Vorgehen. Laut Herztransplantations-Pionier, Ex-Klinikvorstand und amtierenden Präsidenten der Österreichischen Gesellschaft für Herz-Thoraxchirurgie, Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg, sind die beiden Fachrichtungen auf dem besten Weg zusammenzuwachsen. Cardio News Austria sprach mit dem Experten über Möglichkeiten und Schwierigkeiten dieser Entwicklung.

Was sind Ihre Ziele als neuer Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Herz-Thoraxchirurgie?

Tscheliessnigg: Es gibt drei wichtige Ziele, die ich realisieren möchte. Erstens möchte ich die Finanzsituation unserer relativ kleinen Gesellschaft verbessern. Das ist nicht nur notwendig, um die Kosten und Auslagen unseres nationalen Qualitätsregisters „Cardiac“ dauerhaft zu decken, sondern auch, um die Forschung und Wissenschaft in unserem Fachgebiet fördern zu können. Ein zweiter wichtiger Punkt ist die Änderung unserer Gesellschaftsordnung. In Zukunft soll unsere Gesellschaft von zwei Präsidenten geführt werden. Der eine soll die Anliegen der Thoraxchirurgie vertreten, der andere jene der Herzchirurgie. Die neuen Statuen wurden bereits bei der Vereinspolizei eingebracht. Drittes wichtiges Anliegen ist die gemeinsame Ausrichtung der Jahrestagung der Chirurgen mit den deutschen Kollegen, ein Vorhaben, das bereits nächstes Jahr Realität sein wird.

Welchen Stellenwert hat für Sie die Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgen und Kardiologen?

Tscheliessnigg: Es findet derzeit eine intensive Annäherung statt, die ich sehr unterstütze. Die beiden Disziplinen Kardiologie und Herzchirurgie rücken immer näher zusammen, was natürlich Sinn macht, weil die Entscheidungen, welcher Patient wie behandelt werden soll - operativ, minimal-invasiv, interventionell oder konservativ - immer komplexer werden und daher am besten im Team getroffen werden können.

Ein unübersehbares Zeichen der Annäherung sind Hybrid-Operationssäle, die ein simultanes Arbeiten von Kardiologen und Herzchirurgen, Schulter an Schulter, am selben Patienten ermöglichen.

Gibt es derartige OPs bereits in Österreich?

Tscheliessnigg: Die erste und bislang einzige derartige Einheit in Österreich wurde im Zuge der Zwischenlösung bis hin zum Neu- und Umbau der Chirurgie des LKH Klinikums Graz realisiert. Der Hybrid-OP verfügt über modernste Technologien und wird vor allem für gemeinsame Eingriffe am Klappenapparat des Herzens genützt. Weitere Hybrid-OPs, und zwar nicht nur für Eingriffe am Herzen, sondern auch für neurochirurgische, gefäßchirurgische und andere Eingriffe, werden am Chirurgischen Zentrum des LKH Graz entstehen, dessen Fertigstellung für 2030 geplant ist. Mit einem Kostenvolumen von 250 Millionen Euro handelt es sich um das derzeit größte Bauprojekt Österreichs, wahrscheinlich sogar um eines der größten Bauprojekte im Bereich von Mitteleuropa.

Wo noch ist eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den Kardiologen gefragt?

Tscheliessnigg: Ein wichtiges Anliegen ist das bereits angesprochene „Cardiac“-Register. Meine Vision wäre, dass darin die relevanten Daten aller Eingriffe am Herzen in ganz Österreich erfasst werden. Dies soll einen Vergleich der Ergebnisqualität der Zentren untereinander, aber auch mit Zentren anderer europäischer Ländern ermöglichen. Wirklich vollständig kann ein solches Register freilich nur dann sein, wenn sich auch die Kardiologen entscheiden mitzumachen. Diesbezüglich hatten wir bereits einige gemeinsame Sitzungen, mit positiven Signalen für eine künftige Kooperation.

Gibt es auch Schwierigkeiten, was die Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgen und Kardiologen betrifft?

Tscheliessnigg: Natürlich haben Chirurgen und Interventionisten unterschiedliche Herangehensweisen. Auch standespolitische Überlegungen spielen eine Rolle, sodass die Zusammenarbeit nicht immer friktionsfrei ist. Doch die Bildung von Herzteams ist ein Gebot der Stunde. Im Lichte der derzeitigen demografischen und technologischen Entwicklung steht fest, dass die beste Lösung für den Patienten nur gemeinsam erarbeitet werden kann. Da kann es schon mal Schwierigkeiten geben, die aber überwindbar sind. In Graz haben wir Rahmenbedingungen erarbeitet, an die sich alle Beteiligten halten. Seither läuft die Zusammenarbeit sehr gut.

Sie sind seit Kurzem Vorstandsvorsitzender der Steiermärkischen Krankenanstaltengesellschaft KAGes. Ist dies mit Ihrer Tätigkeit als Präsident der Gesellschaft für Herz-Thoraxchirurgie vereinbar?

Tscheliessnigg: Ich gebe zu, ich hatte zunächst Bedenken. Es hat sich aber gezeigt, dass es keinerlei Interessenkonflikte gibt, nur Synergien. Ich hätte nicht gedacht, dass sich diese beiden Tätigkeiten derart gut ergänzen.

 

Zur Person

Univ.-Prof. Dr. Karlheinz Tscheliessnigg war bis November 2012 Vorstand der Chirurgie und Vizerektor am LKH Klinikum Graz. Seit April 2013 ist Vorstandvorsitzender der KAGes. Im Juni 2013 hat er die Präsidentschaft der Österreichischen Gesellschaft für Herz-Thoraxchirurgie übernommen. Prof. Tscheliessnigg hat etliche nationale und internationale wissenschaftliche Auszeichnungen erhalten, war Herausgeber und Fachgutachter zahlreicher wissenschaftlicher Zeitschriften und ist Mitglied von 12 wissenschaftlichen Gesellschaften.

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