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Kardiologie 23. August 2013

Aktuelles aus der Rhythmologie

Mit 5560 Teilnehmern dieses Jahr hat sich der von der European Heart Rhythm Association (EHRA) organisierte Kongress EUROPACE zu einem der wichtigsten rhythmologischen Veranstaltungen Europas entwickelt.

Das Meeting (23. -26. Juni, Athen) fand heuer unter Beteiligung der ESC Arbeitsgruppen „Zelluläre Elektrophysiologie“ und „e-Cardiology“ statt. Dies ermöglichte einen Blick auf die sehr aktive experimentelle Arrhythmieforschung. Experten wie Prof. Harry Crijns, Maastricht, und Prof. Sylvia Priori, Padua/New York, gelang es, Mechanismen und Perspektiven neuer Therapieansätze (z. B. atrial selektive Antiarrhythmika oder Gentherapie) zu veranschaulichen. Schwerpunkt des Kongresses war jedoch die klinische Anwendung.

Es wurden die Ergebnisse der GAP-AF Studie präsentiert. Diese zeigten, dass bei Patienten mit therapierefraktärem paroxysmalem Vorhofflimmern (VHF) eine komplette Pulmonalvenenisolation (PVI) mit der oft zeitaufwändigen Elimination jeglicher veno-atrialen Erregungsleitung besser ist als eine inkomplette PVI mit verbleibender leitender Lücke (Gap) in der zirkumferenziellen Ablationslinie. Die Anzahl rezidivfreier Patienten drei Monate nach kompletter PVI war höher, die Zeit bis zum Wiederauftreten von VHF war länger. Es wurde allerdings auch deutlich, dass die Rezidivrate - bemerkt und unbemerkt - bei engmaschigem Rhythmus-Monitoring mit täglicher transtelefonischer EKG-Übertragung selbst bei kompletter PVI durch erfahrene Zentren hoch ist (62% vs. 79% bei inkompletter PVI). Permanentes VHF ist häufig mit einer noch schlechteren Erfolgsrate assoziiert. In einer weiteren Studie (SARA) konnte allerdings gezeigt werden, dass die Ablation von permanentem Vorhofflimmern bei ausgewählten Patienten einer medikamentösen Rhythmustherapie überlegen sein kann.

Herzschrittmacher- und kardiale Resynchronisations-Therapie

Zum Thema ICD-Therapie wurde anhand von Daten der Painfree SST Studie deutlich, dass durch einen neuen Detektionsalgorithmus auch bei Patienten mit Einkammer-ICD inappropriate Schockabgaben, z. B. aufgrund von supraventrikulären Tachykardien oder Fehlwahrnehmungen, wirkungsvoll vermieden werden können. Die retrospektive Studie RFAVT fand Hinweise darauf, dass bei Patienten mit anhaltender, aber gut tolerierter ventrikulärer Tachykardie (VT) und normaler linksventrikulärer Funktion eine VT-Ablation ohne ICD-Implantation ausreichend sein könnte. Dies muss allerdings durch randomisierte prospektive Studien erst validiert werden. Mit großem Interesse wurde die Präsentation der neuen ESC-Leitlinien zur Herzschrittmacher- und kardialen Resynchronisations-Therapie (CRT) verfolgt. Durch Berücksichtigung spezifischer klinischer Situationen (z. B. PM-Indikation bei akutem Herzinfarkt bzw. nach TAVI, oder das Thema MRT und Aggregattherapie) sind die aktuellen Leitlinien trotz der zum Teil komplexen Studienlage sehr übersichtlich und praxisorientiert gestaltet. Ein Beispiel ist die neue Einteilung der Bradyarrhythmien gemäß der klinischen Präsentation. Neu sind auch ein begleitender Kommentar („Clinical perspectives“), der die Umsetzung der Leitlinien in der klinischen Praxis erleichtern soll, sowie eine Empfehlung, wonach Patienten mit implantierten Aggregaten telemedizinisch an ein entsprechendes klinisches Zentrum angebunden werden sollen (Klasse IIa, Evidenzklasse A). Insgesamt waren das Spektrum und die Qualität der Beiträge beachtlich. Viele Vorträge lassen sich über die Website der ESC nachträglich herunterladen.

Prof. Dr. Frank Heinzel, Klinische Abteilung für Kardiologie, Medizinische Universität Graz

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