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Prof. Dr. Alexander Niessner, MedUni Wien

 
Kardiologie 23. August 2013

VILCAD-Score zur Risikoprädiktion bei stabiler KHK

Wissenschaftliche Arbeiten der Gruppe um Prof. Dr. Alexander Niessner ermöglichen erstmals eine Einschätzung der Prognose von Patienten mit stabiler koronarer Herzkrankheit anhand einfacher Parameter.

 

Bisher wurde im Risiko-Assessment bei koronarer Herzkrankheit (KHK) hauptsächlich auf das akute Koronarsyndrom fokussiert. Doch auch bei stabilen KHK-Patienten ist eine möglichst genaue Kenntnis des individuellen Langzeitrisikos wichtig, um eine maßgeschneiderte Therapie empfehlen zu können. In immer mehr Bereichen hält die personalisierte Medizin Einzug in die Behandlung. Da kann es doch nicht sein, dass es bei einer der häufigsten kardiologischen Diagnosen, der stabilen KHK, kein einfaches Instrument der Prognoseeinschätzung gibt, so der Tenor bei der Generalversammlung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft in Salzburg, wo die Arbeitsgruppe um Alexander Niessner mit dem Werner-Klein-Preis für Herz-Kreislauf-Forschung ausgezeichnet wurde. Dies sei ein Zeichen dafür, wie wichtig die Risikoprädiktion bei stabilen KHK-Patienten künftig genommen werde.

Hohe Vorhersagegenauigkeit, einfache Umsetzung

Prof. Niessners Arbeitsgruppe untersuchte ein Kollektiv von 547 Patienten mit angiografisch nachgewiesener stabiler KHK über mehrere Jahre hinweg (medianes Follow-up: 11,3 Jahre). Während des Beobachtungszeitraums wurden zahlreiche Parameter erhoben. Als aussagekräftigste Mortalitätsprädiktoren erwiesen sich das Alter, die linksventrikuläre Auswurffraktion, die Konzentration der Serum-Cholinesterase sowie des Serumkreatinins, die Herzfrequenz und der HbA1C-Wert.

Daraus entwickelten die Wissenschafter mit Dr. Georg Goliasch als Erstautor einen Score, der anhand einer zweiten Kohorte - 1275 Patienten des deutschen LURIC-Registers - unter Leitung von Prof. März validiert wurde.

Unter Anwendung des Scores ließ sich das Überleben über 10 Jahre ziemlich genau vorhersagen. Prof. Niessner: „Die Vorhersagegenauigkeit betrug 77 von 100 Punkten. Bisher verwendete Scores landeten bei knapp über 60 Punkten. Mit den aufwändigsten Tests könnte man theoretisch auf 82 Punkte kommen, für uns ging es aber um eine Skala, die einfach angewendet werden kann.“ Der neue Score trägt den Namen VILCAD (Vienna and Ludwigshafen Coronary Artery Disease) und unterstreicht damit die Zusammenarbeit zwischen den beiden Forscherteams aus Wien und Ludwigshafen.

Der Werner-Klein-Forschungspreis ist einer der renommiertesten österreichischen kardiologischen Auszeichnungen. Er geht üblicherweise an Wissenschafter, deren Arbeiten bereits weit über unsere Landesgrenzen hinweg bekannt sind. So ist es auch im Falle von Alexander Niessner: Nach dem Schrödinger Mobility Grant des FWF und dem Basic Research Award der ÖKG im Jahr 2006 erhielt er mit dem Seymour and Vivian Milstein Young Investigator Award der International Society for Interferon and Cytokine Research seine erste internationale Auszeichnung. Thema der prämierten Arbeiten, die Niessner während eines zweijährigen Auslandsaufenthaltes an der Emroy University in Atlanta, durchführte, waren die Zusammenhänge zwischen Immunsystem und Arteriosklerose. Er wurde Erstautor einiger Publikationen im Top-Journal „Circulation“, woraufhin hin er im März 2008 die Auszeichnung „Researcher of the Month“ der Medizinischen Universität Wien wurde. Prof. Niessner ist Mitarbeiter der Universitätsklinik für Innere Medizin II, Abteilung für Kardiologie (Leiter: Univ. Prof. Dr. G. Maurer). Er ist seit 1999 in der Forschungsgruppe „Arteriosklerose, Thrombose und vaskuläre Biologie“ (Leitung: Univ. Prof. Dr. J. Wojta) tätig und befasste sich zuletzt intensiv mit der Optimierung der Risikoprädiktion bei kardiovaskulären Erkrankungen.

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