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Neue Therapien im Herz-Kreislauf-Bereich wurden diskutiert.
 
Kardiologie 23. August 2013

Highlights von der ÖKG-Jahrestagung

Mit 700 Besuchern, über 200 Vorträgen und 209 eingereichten Abstracts war die ÖKG-Jahrestagung auch heuer wieder ein großer Erfolg. Ein Überblick über wichtige Inhalte im Folgenden.

Schwerpunktthema dieses Jahr war die Herzinsuffizienz, - eine Erkrankung, deren Verbreitung rasant zunimmt. „Die Herzinsuffizienz ist der Preis, den wir für die Erfolge in der Akuttherapie des akuten Myokardinfarkts zahlen müssen“, sagte Prof. Dr. Eugene Braunwald, Boston, USA, im Rahmen seiner Key Note Lecture und betonte, wie wichtig neue Therapien zur Behandlung der Herzinsuffizienz seien. Neben interventionellen Maßnahmen, wie die perkutane Mitralklappen-Rekonstruktion bzw. der Mitral-Clip, verwies der Experte auf das Potenzial von Myosinkinase-Hemmern, Neprilysin-Inhibitoren oder Seralaxin, eine neue rekombinante Form des Hormons Relaxin 2, welches eine Anpassung des Herzens an die gesteigerten Anforderungen bei schwangeren Frauen ermöglicht.

Besonderes Interesse gilt auch der Therapie mit linksventrikulären Assist-Devices (LVADs) sowie der kardialen Resynchronisationstherapie (CRT). LVADs werden nicht mehr nur als Bridging bis zur Verfügbarkeit eines Spenderorgans, sondern immer häufiger auch als „Destination-Therapy“ eingesetzt. Prof. Braunwald berichtete, dass sich manche Patienten unter der Therapie sogar so weit verbessern, dass nach einer gewissen Zeit eine Entwöhnung vom Device gelingt. Einem solchen Erfolg dürfte ein Reverse Remodeling zugrunde liegen, das die Entlastung des Herzmuskels durch das Device ermöglicht.

Basierend auf dieser Beobachtung wird mittlerweile darüber diskutiert, inwieweit die Implantation eines LVAD bei ausgewählten Patienten nicht schon früher, also bereits im Stadium NYHA III, erfolgen sollte, um dem Herzmuskel eine Chance auf Regeneration zu geben. Man würde in diesem Fall von „Bridging to Recovery“ sprechen. Ein anderer Ansatz zur Behandlung von Patienten mit terminaler Herzinsuffizienz ist die Alprostadil-Pumpe. Dabei wird Prostaglandin E1 kontinuierlich über einen zentralen Venenzugang zugeführt.

Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion

Auch in der Behandlung der Herzinsuffizienz mit erhaltener systolischer Funktion (HFpEF) läuft die Suche nach wirksamen Therapien auf Hochtouren. Doch anders als bei der systolischen Herzinsuffizienz gibt es hier bislang keine einzige zugelassene Therapie. Dies ist umso unbefriedigender, als mittlerweile davon ausgegangen muss, dass bis zu 50 Prozent aller Patienten mit klinischen Zeichen einer Herzinsuffizienz an einer diastolischen Funktionsstörung leiden.

„Die Patienten haben massive Beschwerden, werden aber oft nicht diagnostiziert“, berichtete Prof. Dr. Diana Bondermann, Universitätsklinik für Innere Medizin II, AKH Wien. „Wenn im Echo hauptsächlich auf die linksventrikuläre Auswurffraktion geachtet wird, kann dem Untersucher die Relaxationsstörung entgehen.“ Ausgangspunkt der Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion sind Remodeling-Prozesse, die zu vermehrter Bildung von extrazellulärer Matrix führen. „Je mehr davon im Myokard vorhanden ist, desto steifer ist der linke Ventrikel und desto schlechter ist die Prognose“, betonte Prof. Bondermann. Betroffen seien vor allem Frauen, so die Expertin. „Krankheiten, die mit einer chronischen Inflammation einhergehen, scheinen die Erkrankung zu triggern. Mineralkortikoid-Rezeptorantagonisten bieten einen sinnvollen Behandlungsansatz. Die endgültige Beurteilung über ihren Nutzen steht jedoch noch aus.“ Wichtig seien aber nicht nur effektive Therapien, sondern auch eine Verbesserung der diagnostischen Möglichkeiten. Eine Forschergruppe am AKH Wien um Irene Lang, Diana Bondermann und Julia Mascherbauer arbeitet intensiv an der Entwicklung neuer diagnostischer Verfahren. Es gibt erste Hinweise dafür, dass die Gewebecharakterisierung des linken Ventrikels mittels MRT einen interessanten Ansatz bieten könnte.

Bildgebung ist auf dem Vormarsch

Dass die Bildgebung in der Kardiologie künftig stark an Bedeutung gewinnen wird, davon ist auch ESC-Vizepräsident Prof. Dr. Jeroen Bax, Leiden, überzeugt. Auch er sieht in der Gewebetypisierung mittels MRT großes Potenzial, und zwar nicht nur bei der HFpEF, sondern auch beim akuten Myokardinfarkt. Hier lässt schon früh zwischen Nekrose (finale Infarktgröße) und umgebendem Ödem („area at risk“) unterscheiden. Auch könne anhand bestimmter Muster der späten Kontrastmittelspeicherung eine differenzialdiagnostische Abgrenzung zwischen Nekrosen im Rahmen einer ischämischen Herzerkrankung oder einem Myokardschaden im Rahmen einer nicht-ischämischen Herzerkrankung getroffen werden. Vor dem Hintergrund der neuen ESC-Definition des Myokardinfarktes wird es zunehmend wichtiger, eine solche Unterscheidung auf der Basis eines exakten Befundes nachvollziehbar zu machen.

Seitens der Echokardiografie halten neue Verfahren wie das Strain-Imaging und Speckle-Tracking zunehmend Einzug in die Praxis. Sie ermöglichen eine quantitative Beurteilung sowohl der regionalen als auch der globalen Verformungseigenschaften des Myokards und dürften künftig eine entscheidende Rolle in der Therapieplanung und -überwachung spielen. Ziel der Bildgebung der Zukunft ist, eine verbesserte Beurteilung der Funktion des Herzmuskels in Ruhe bzw. unter Belastung, um in Zusammenschau mit der Koronarmorphologie, den Nutzen einer Revaskularisation möglichst treffsicher vorhersagen zu können.

Bei der Koronarangiografie wird laut aktueller Empfehlung der radiale Zugang bevorzugt, sowohl im akuten wie im elektiven Setting. Nicht nur wegen reduzierter Komplikation an der Punktionsstelle, es zeigte sich zudem ein klarer Mortalitätsbenefit für diesen Zugang.

Neuigkeiten aus der Rhythmologie

Viel Neues tut sich auch bei Patienten mit Vorhofflimmern. Neben der Einführung der NOAKs sei hier auf die neuen ESC-Guidelines verwiesen, die bei Patienten mit paroxysmalem Vorhofflimmern ohne strukturelle Herzerkrankung erstmals eine Ablation als First-Line-Therapie ermöglichen. Mittels spezieller MR-Techniken ist es mittlerweile sogar möglich eine Vorhersage der Erfolgschancen zu treffen.

Interessante Entwicklung gibt es auch bezüglich der Detektion von paroxysmalen Vorhofflimmern oder anderen episodischen Rhythmusstörungen. Prof. Slawomir S. Lobodzinski, Los Angeles, stellte in diesem Zusammenhang einen drahtlosen Patch vor, der ein Monitoring des Herzrhythmus über bis zu 14 Tagen ermöglicht. Der Patch wird auf die Haut aufgeklebt und ermöglicht eine zuverlässige Detektion von Flimmerepisoden, auch wenn diese nur von kürzester Dauer sind. Bei Herzschrittmachern geht der Trend ebenfalls in Richtung einer drahtlosen Übertragung. Die elektrische Stimulation erfolgt bei den Geräten der Zukunft mittels Ultraschall, der von außen durch die Zwischenrippenräume zum Herzen gesandt wird. Dort sitzt ein Mini-Empfänger, der für die Umwandlung des Ultraschallsignals in elektrische Energie sorgt.

 

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