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Kardiologie 12. August 2013

Warnzeichen Gewichtsverlust

Unfreiwillig dünner – erhöhtes Herzinfarktrisiko.

Wer im mittleren Lebensalter kurzfristig und unfreiwillig Gewicht verliert, hat offenbar ein erhöhtes Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko.

Übergewicht und Adipositas sind schlecht für Herz und Hirn. Nicht klar ist die Bedeutung des Zeitpunkts der Gewichtszunahme für das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko oder ob kurzfristige Gewichtsveränderungen das Risiko beeinflussen. Solchen Fragen sind Forscher um June Stevens von der Universität in Chapel Hill, USA, nachgegangen (American Journal of Epidemiology 2013, online 3. Mai; DOI: 10.1093/aje/kws461). Dazu haben sie Daten der Atherosclerosis Risk in Community Study ausgewertet. In diese Studie wurden knapp 15.800 Teilnehmer im Alter von zu Beginn 45 bis 64 Jahren aus der Allgemeinbevölkerung aufgenommen. Sie erhielten mindestens drei medizinische Untersuchungen im Abstand von drei Jahren.

Zu Beginn der Studie wurden auch nach dem Gewicht im Alter von 25 Jahren gefragt. Daraus konnte die langfristige Gewichtsveränderung berechnet werden. Die regelmäßigen Prüfintervalle während der Studie ermöglichten, kurzfristige Gewichtsveränderungen (innerhalb von drei Jahren) im mittleren Lebensabschnitt zu erfassen und beides in Beziehung zur KHK-Rate und zur Schlaganfallrate zu setzen.

Die Ergebnisse: Von ihrem 25. Lebensjahr an bis zum Zeitpunkt des Studienbeginns (nach im Schnitt 30 Jahren) hatten die Teilnehmer im Mittel 28 kg zugenommen. In den späteren Dreijahresperioden betrug die Gewichtszunahme im Schnitt 1,3 kg. Wer mit 25 Jahren schon fettleibig war, nahm im weiteren Lebensverlauf weniger an Gewicht zu als damals Normalgewichtige (3,9 versus 13,7 kg). Die größte Gewichtsteigerung erfolgte in der Gruppe der mit 25 Jahren bereits übergewichtigen, aber noch nicht adipösen Teilnehmer.

Die alters- und geschlechtsstandardisierten Inzidenzraten für KHK und Schlaganfall über den Studienverlauf von 20 Jahren lagen bei 4,9 und 2,5 pro 1.000 Personenjahre. Bei den mit 25 Jahren bereits adipösen Teilnehmern kam es im Laufe der Studie doppelt so häufig zu kardiovaskulären Ereignissen wie bei damals Normalgewichtigen, dagegen war diese Rate bei Adipösen im mittleren Lebensalter nur noch um 50 Prozent höher als bei Normalgewichtigen in der Mitte des Lebens. Das deutet, wie erwartet, auf ein umso höheres Lebenszeitrisiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle, je früher die Menschen dick werden.

Kurzfristiger Gewichtsverlust – höheres kardiovaskuläres Risiko

Überraschend war nun, dass ein kurzfristiger Gewichtsverlust, nicht aber eine kurzfristige Gewichtszunahme im Laufe der Studie mit einem unmittelbar erhöhten kardiovaskulären Risiko einherging. So war die Rate kardialer Ereignisse bei einem dreiprozentigen Gewichtsverlust innerhalb von drei Jahren um etwa 46 Prozent erhöht, die der Schlaganfälle um 45 Prozent. Dies war vor allem der Fall, wenn die Teilnehmer unbeabsichtigt Gewicht verloren hatten. Ein rapider unbeabsichtigter Gewichtsverlust könnte daher ein Warnzeichen für ein drohendes kardiovaskuläres Ereignis sein.

springermedizin.de/mut, Ärzte Woche 28/33/2013

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