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Kommt es zu einem Beinahe-Ertrinken im Meer, sind Patienten nach einem Herzstillstand besonders gefährdet.
 
Kardiologie 24. Juni 2013

Badeunfall

Besondere Herausforderung: Herzstillstand nach Beinahe-Ertrinken.

Etwa acht Prozent der Patienten mit präklinischem Herzstillstand, der durch Beinahe-Ertrinken hervorgerufen wurde, überleben. Das sind etwa genauso viele Patienten wie nach einem Herzstillstand aus anderen Gründen. Patienten, bei denen das Defibrillieren möglich ist, haben die größten Überlebenschancen.

Es gibt bisher nur wenige Studien, in denen der Verlauf lebensrettender Maßnahmen vom Zeitpunkt eines präklinischen Herzstillstands durch Beinahe-Ertrinken bis zur Entlassung aus dem Krankenhaus dokumentiert und analysiert worden ist. Australische Notfallmediziner haben deshalb retrospektiv die Daten des Registers VACAR (Victorian Cardiac Arrest Registry) ausgewertet, die zwischen 1999 und 2011 gesammelt worden waren (Dyson K et al., Resuscitation 2013; doi 10.1016/j.resuscitation.2013.01.020). Bei insgesamt 336 Patienten – davon 260 Erwachsene – war Beinahe-Ertrinken die Ursache des Herzstillstandes. Das entspricht 0,6 Prozent aller Patienten mit Herzstillstand, die der australische Rettungsdienst Ambulance Victoria in diesem Zeitraum versorgt hatte.

Spontankreislauf noch vor Erreichen der Klinik

Mit einem Anteil von 70 Prozent waren die meisten Patienten Männer und fast 78 Prozent aller Betroffenen älter als 18 Jahre. Nur bei 60 Patienten gab es Zeugen des Unfalls. Bei fast 60 Prozent dieser Patienten wurden von Laien Ersthelfermaßnahmen zur Reanimation vorgenommen, bei 73 Prozent waren es Rettungssanitäter, die die ersten Wiederbelebungsversuche unternahmen. Nur bei 38 Prozent vollzogen Laien die Erste Hilfe, noch bevor Rettungssanitäter eintrafen. Insgesamt 64 Patienten starben noch am Unfallort.

Knapp 58 Prozent von 154 Patienten, die von Rettungssanitätern per Reanimationsmaßnahmen betreut wurden, konnten zur weiteren Versorgung in eine Klinik transportiert werden. Bei fast 30 Prozent (45 Patienten) gelang es, den Spontankreislauf noch vor Erreichen der Klinik herzustellen, bei 44 Patienten mussten die Wiederbelebungsmaßnahmen auch noch danach fortgesetzt werden. Nur zwölf Patienten (7,8%) mit Erstversorgung durch Rettungssanitäter am Unfallort überlebten. Alle Patienten mit Herzstillstand durch Ertrinken, bei denen es länger als zwölf Minuten dauerte, bis der Rettungsdienst eintraf, überlebten den Unfall nicht.

Asystolie am häufigsten

Als der Rettungsdienst am Unfallort eintraf, hatten 122 der 154 Patienten eine Asystolie, 20 Patienten eine pulslose elektrische Aktivität (PEA). Nur zehn Patienten hatten ein Kammerflimmern. Vier Patienten (3,3%) mit Asystolie überlebten, ebenfalls vier Patienten (20%) mit PEA sowie drei Patienten (30%) mit Kammerflimmern.

Als prädiktive Faktoren für das Überleben des Herzstillstands machten die australischen Notfallmediziner die Tatsache aus, dass der Patient primär für ein Defibrillieren geeignet ist, der Rettungsdienst innerhalb von zwölf Minuten am Unfallort eintrifft – und der Badeunfall nicht im Salz-, sondern im Süßwasser geschieht.

springermedizin.de/ple, Ärzte Woche 26/2013

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