zur Navigation zum Inhalt
 
Kardiologie 4. Juni 2013

Mortalitätsreduktion nach Vorhofohr-Verschluss

Der Vorhofohr-Verschluss als mechanische Option zur Schlaganfall-Prophylaxe bei Vorhofflimmern macht weiter Boden gut, wie neue Langzeitdaten belegen.

Effektive Schlaganfall-Prophylaxe ist bei Vorhofflimmern von oberster Priorität. Bis vor Kurzem war die orale Antikoagulation mit Vitamin-K-Antagonisten die einzige Option. Mit dem Thrombinhemmer Dabigatran und den Faktor-Xa-Hemmern Rivaroxaban und Apixaban sind inzwischen Alternativen verfügbar. Einen anderen therapeutischen Zugang zur Insultprävention stellt der mechanische Verschluss des linken Herzohrs dar. Man geht heute davon aus, dass die Mehrzahl - die Schätzung liegt bei etwa 90 Prozent - aller Thromboembolien bei Vorhofflimmern ihren Ursprung in diesem Bereich des Herzens hat. Um die Emboliequelle auszuschalten, können heute per Katheter selbstexpandierende Verschluss-Systeme in das linke Herzohr eingebracht und dort positioniert werden.

Bisher ist nur ein System - das WATCHMAN-Device - in einer prospektiven randomisierten Studie auf Wirksamkeit und Sicherheit geprüft worden. In der PROTECT-AF-Studie sind 707 Patienten mit Vorhofflimmern und erhöhtem Schlaganfallrisiko entweder einer Implantation dieses Verschluss-Systems oder einer Therapie mit Warfarin zugeteilt worden. Bei einer Nachbeobachtungsdauer von 18 Monaten ergaben sich für den primären Wirksamkeitsendpunkt (Schlaganfall, systemische Embolie, kardiovaskulär bedingter Tod) jährliche Raten von 3,0 Prozent nach interventioneller Therapie und 4,9 Prozent bei Antikoagulation. Der Nachweis einer Nicht-Unterlegenheit der interventionellen Therapie war damit erbracht. Die interventionelle Therapie war allerdings zunächst mit einer höheren Rate von prozedurbedingten Komplikationen assoziiert.

Erst kürzlich sind im Fachblatt „Circulation“ PROTECT-AF-Daten veröffentlicht worden, die aus einer verlängerten Nachbeobachtung resultieren (mittlere Follow-up-Dauer: 2,3 Jahre). Die bereits zuvor dokumentierte Nichtunterlegenheit der „lokalen“ Therapie gegenüber der „systemischen“ Antikoagulation wurde erneut bestätigt. Die jährlichen Raten für den primären Wirksamkeitsendpunkt betrugen 3,0 Prozent (Intervention) und 4,3 Prozent (Antikoagulation) - was einer relativen Risikoreduktion um 29 Prozent entspricht.

Klare Überlegenheit nach längerer Nachbeobachtung

Einen noch längeren Nachbeobachtungszeitraum überblickt die PROTECT-AF-Langzeitanalyse, deren Ergebnisse Dr. Vivek Reddy aus New York jüngst beim Kongress der Heart Rhythm Society in Denver präsentierte. Die vorgestellten Resultate liefern erstmals den statistisch beglaubigten Beleg für eine überlegene Wirksamkeit des Vorhofohr-Verschlusses gegenüber der Antikoagulation mit Warfarin. Sie beziehen sich auf eine mittlere Dauer der Nachbeobachtung von knapp vier Jahren, entsprechend einem Gesamt-Follow-up von 2578 Patientenjahren.

Nach der neuen Analyse liegen die Raten für den primären Studienendpunkt nun bei 2,3 Prozent (Watchman-Gruppe) und 3,8 Prozent (Warfarin-Gruppe) pro Jahr - was einer relativen Risikoreduktion um 40 Prozent entspricht. Die jährlichen Gesamtsterberaten belaufen sich auf 3,2 Prozent (Watchman) versus 4,8 Prozent (Warfarin). Dieser Unterschied kommt einer signifikanten relativen Reduktion der Mortalität um 34 Prozent durch Implantation des Verschluss-Systems gleich. Für die kardiovaskuläre Mortalität ergab sich eine signifikante Reduktion um 40 Prozent (1,0 versus 2,4 Prozent pro Jahr). Patienten in der Warfarin-Gruppe erlitten signifikant häufiger einen tödlichen hämorrhagischen Schlaganfall (2,9 versus 0,4 Prozent). Nachdem die Rate für den primären Sicherheitsendpunkt infolge prozedurbedingter Komplikationen in der Gruppe mit Vorhofohr-Verschluss initial signifikant erhöht war, stellte sich der Unterschied nach vier Jahren als nicht mehr signifikant heraus.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben