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ÖKG-Folder zur Herzinsuffizienz – Information für Ärzte und Patienten.
 
Kardiologie 17. Mai 2013

Aufmerksamkeit der Herzschwäche

Informationsoffensive gegen Behandlungsdefizite und mangelnde Therapietreue.

Nur ein Teil der Patienten mit Herzinsuffizienz nimmt die optimalen Medikamenten-Kombinationen bzw. die optimalen Dosierungen laut internationalen Behandlungsleitlinien ein, wie aktuelle Daten aus dem Österreichischen Herzinsuffizienz-Register belegen. Die Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz in der ÖKG und der Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger haben nun eine Informationsoffensive zu dieser unterschätzen Erkrankung gestartet.

„Die Anzahl der Patienten mit Herzinsuffizienz steigt zum einen durch das zunehmende Lebensalter und zum anderen durch bessere Überlebenschancen nach Herzinfarkt, da diese Patienten ein höheres Herzinsuffizienzrisiko im Alter haben“, erklärte Dr. Christian Ebner vom Krankenhaus der Elisabethinen Linz und Leiter der Arbeitsgruppe (AG) Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG).

Die medizinische und gesundheitspolitische Herausforderung ist daher enorm: Die europäische Kardiologengesellschaft ESC geht europaweit von 28 Millionen Betroffenen aus, allein in Österreich sind es 250.000 bis 300.000 Menschen. „Rund ein Prozent der Bevölkerung im Alter von 45 bis 55 Jahren leidet an Herzschwäche. Bei den 80-Jährigen sind bereits 10 Prozent betroffen. Diese Erkrankung ist die häufigste Aufnahmediagnose in Krankenhäusern bei Patienten über 65 Jahren. Das bedeutet in Österreich jährlich 27.000 Krankenhausaufnahmen aufgrund dieser Diagnose.

Aufklärung und Information können lebensrettend sein

Die AG Herzinsuffizienz schließt sich daher der europaweiten Awareness-Initiative der ESC an, auf breiter Basis die Aufmerksamkeit für Risikofaktoren, Beschwerden, Symptome und Therapieoptionen der Herzinsuffizienz zu erhöhen. Denn das Wissen um diese Erkrankung ist gering. So zeigt eine deutschlandweite Befragung, dass etwa jeder Fünfte fälschlich glaubt, eine Herzinsuffizienz würde sich spontan innerhalb eines Monats zurückbilden. Eine europaweite Studie verglich das Wissen in der Bevölkerung über Herzinsuffizienz und Schlaganfall. Während rund die Hälfte der Befragten typische Schlaganfall-Symptome korrekt zuordnen konnten, war das bei der Herzinsuffizienz nur bei drei Prozent der Fall. „Kurzatmigkeit oder Atemnot, beispielsweise beim Stiegensteigen, wird oft als ‚normale‘ Alterserscheinung oder als Mangel an Kondition fehlinterpretiert, eine leichte Schwellung der Unterschenkel infolge von Wassereinlagerungen wird häufig ignoriert“, warnte Ebner. Folge ist, das viele Betroffene erst in einem fortgeschrittenen Stadium die richtige Diagnose erhalten. Eine stark eingeschränkte Herzfunktion bedeutet aber verminderte Lebensqualität und höhere Sterblichkeit. „Eine fortgeschrittene Herzinsuffizienz ist tödlicher als viele Krebsarten – nur bei Lungenkrebs ist die Lebenserwartung noch schlechter. Im NYHA IV-Stadium liegt das Risiko, innerhalb eines Jahres zu versterben, bei rund 50 Prozent“ so Ebner.

Forderung nach konsequenter Umsetzung der Leitlinien

Einen anderen problematischen Trend bei der Versorgung zeigen Daten aus dem österreichischen Herzinsuffizienz-Register, einem gemeinschaftlichen Projekt der AG Herzinsuffizienz, spezialisierten Spitalsambulanzen für Herzinsuffizienz und niedergelassenen Internisten und Allgemeinmedizinern, das derzeit die Daten von mehr als 4.600 Patienten erfasst, die ambulant in Krankenanstalten oder Ordinationen in ganz Österreich behandelt werden. 64 Prozent der Herzinsuffizienz-Patienten erhalten nicht einmal 50 Prozent der in den entsprechenden Leitlinien empfohlenen Medikamentendosierungen. „Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb eines Jahres zu versterben oder wegen kardialer Dekompensation hospitalisiert zu werden, ist für Patienten mit inadäquater Therapie um 52 Prozent höher als unter einer leitliniengerechten optimierten Therapie“, so Doz. Dr. Deddo Mörtl vom Landeskrankenhaus St. Pölten, III. Medizinische Abteilung und Mitglied der AG Herzinsuffizienz. „Eine konsequente Umsetzung der aktuellen Therapie-Richtlinien geht mit weniger Komplikationen, milderen Krankheitsverläufen, weniger Spitalsaufnahmen und weniger Letalität einher. Wir haben in der Versorgung unserer Herzinsuffizienz-Patienten noch einen erheblichen Optimierungsbedarf.“

Therapietreue erhöht die Lebensqualität

Defizite in der Umsetzung der Therapie zeigt auch eine vom Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger in Auftrag gegebene Studie. Rund die Hälfte der Patienten sind unterversorgt. Mögliche Gründe dafür sind entweder das Nichtverschreiben der entsprechenden Medikamente oder eine mangelhafte Therapietreue. „Damit sinkt aber die Lebensqualität und Überlebenszeit der Betroffenen“ so Dr. Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbands der österreichischen Sozialversicherungsträger (HVB). „Heute gibt es zahlreiche Medikamente zur dauerhaften Stabilisierung, die aber nur bei konsequenter Einnahme wirksam sein können. Eine Voraussetzung dafür ist aber eine ausreichende Gesundheitskompetenz der Bevölkerung, die in Österreich im europäischen Vergleich aber gering ist. Daher besteht Handlungsbedarf. Auch die Rahmengesundheitsziele sprechen diese Notwendigkeit deutlich an“, so Probst.

Informationsoffensive zur Herzinsuffizienz gesetzt

Zu diesem spezifischen Thema wurde mit der im März gestarteten Informationsoffensive zur Herzinsuffizienz ein erster Schritt gesetzt. „Ziel ist es, die Therapietreue zu erhöhen und zu zeigen, dass bei regelmäßiger ärztlicher Kontrolle und Einhaltung der verordneten Medikation ein längeres Leben mit guter Lebensqualität möglich ist“, so Probst. Die Sozialversicherung hat mit fachlicher Unterstützung durch die Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz der ÖKG Folder für Ärzte und eigene Folder für Patienten herausgegeben, downloadbar unter www.hauptverband.at/herzinsuffizienz. „Zusätzlich müssen wir aber auch bei der Gesundheitsorientierung ansetzten. Neben der Therapietreue können Betroffenen durch einen gesunden Lebensstil die Krankheit vermeiden oder den Verlauf positiv beeinflussen“, so Probst.

Zusätzlich hat die AG Herzinsuffizienz auf Basis der aktuellen ESC Guidelines „Empfehlungen zur Diagnose und Behandlung der chronischen Herzinsuffizienz“ für Ärzte herausgegeben, die besonderes Augenmerk auf die medikamentöse Therapie legen. „Damit werden die aktuellen internationalen Behandlungsrichtlinien möglichst breit und einfach zugänglich gemacht, so Ebner.

Optimierte Versorgung vermeidet Leid und Kosten

Unwissen besteht derzeit aber auch über die Versorgung der Betroffenen durch das Gesundheitssystem. „Daher ist die Sektoren übergreifende Verankerung strukturierter Therapien notwendig, aber auch die Feststellung der erzielten Effekte. Nur aus dem Lernen aus eigenen Fehlern kann man das System nachhaltig verbessern werden“, so Probst.

„Vom Schließen therapeutischer Lücken könnten unsere Patienten im Sinn einer verbesserten Lebensqualität und einer Abnahme der Spitalsaufnahme- und Sterberate profitieren“, betonte Mörtl. „Ebenso wissen wir aus gesundheitsökonomischen Untersuchungen, dass damit eine Kostenreduktion verbunden ist.“

Seitens der ESC gibt es eine klare Richtlinie und Empfehlung, für Herzinsuffizienzpatienten Disease Management Programme zu etablieren. „Innerhalb dieser Betreuungsmodelle kann die medikamentöse Therapie effizient gesteigert werden, die Voraussetzung für ein verbessertes klinisches Überleben der Patienten ist“, so Mörtl. Diese Modelle sind multidisziplinär und involvieren alle an der Betreuung von Herzinsuffizienzpatienten beteiligten Personengruppen. Mörtl: „In Österreich sind mit viel Engagement und Eigeninitiative vereinzelt derartige Betreuungsmodelle ins Leben gerufen worden. Die AG Herzinsuffizienz fordert seit Jahren, Herzinsuffizienz-Betreuungsmodelle flächendenkend in Österreich umzusetzen, damit diese eindeutig empfohlene Betreuungsmaßnahme jedem Betroffenen angeboten werden kann.“

Quelle: Pressekonferenz zum Europäischen Tag der Herzschwäche, 7. Mai 2013, Wien

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