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Kardiologie 7. Mai 2013

Mit der Glatze wächst das Herzrisiko

Auch junge Männer sind davon betroffen.

Fast jeder zweite Mann ab 30 hat eine mehr oder weniger ausgeprägte Glatze. Die androgenetische Alopezie scheint aber nicht nur ein ästhetisches Problem zu sein. Einer japanischen Metaanalyse zufolge gibt es offenbar einen Zusammenhang zwischen Haarverlust und Arteriosklerose der Herzkranzgefäße.

Männer mit Glatze am oberen Hinterkopf sollten mehr auf ihr Herz achten, zumindest wenn man einer aktuellen Metaanalyse Glauben schenkt. Demnach gibt es offenbar einen Zusammenhang zwischen dem Haarverlust an dieser Stelle und einem erhöhten KHK-Risiko, wobei mit der Größe der Glatze auch das Risiko steigt. Männer mit Stirnglatze hingegen müssen sich offenbar keine Sorgen machen.

Im Rahmen ihrer Metaanalyse werteten Tomohide Yamada von der Universität in Tokio und seine Kollegen drei Kohorten- und drei Fall-Kontroll-Studien aus den USA und Europa mit insgesamt 36.990 Teilnehmern aus, in denen man über einen Zeitraum von 11–14 Jahren einem möglichen Zusammenhang zwischen Haarpracht und Herzgesundheit nachgegangen war. Dabei berücksichtigten sie die gängigen KHK-Risikofaktoren wie Alter, Body-Mass-Index, Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.

Gemäß der drei Kohortenstudien stieg bei Männern mit ausgeprägter Glatze am oberen Hinterkopf das Risiko für eine koronare Herzkrankheit im Vergleich zu Männern mit dichtem Haar um ein Drittel (adj. RR 1,32, 95% CI 1,08-1,63), in den Fall-Kontroll-Studien war die Risikozunahme noch deutlicher (adj. RR 1,7, 95% CI 1,05–2,74). Auch bei jüngeren Probanden unter 55 Jahren ließ sich eine solche Korrelation nachweisen (Kohortenstudien: adj. RR 1,44, 95%CI 1,11-1,86; Fall-Kontroll-Studien: adj. RR 1,84, 95% CI 1,30–2,62). War der Haarverlust gemäß der Hamilton-Norwood-Skala nur als mild einzustufen, fiel der Zusammenhang geringer aus (adj RR 1,18 95% CI 1,04–1,35). Männer mit Stirnglatze hingegen hatten kein höheres KHK-Risiko (adj. RR 1,11, 95% CI 0,92–1,32).

KHK-Risikofaktoren beeinflussen auch Haarausfall

Warum die androgenetische Alopezie mit einem höheren KHK-Ri- siko korreliert, ist bislang unklar. Vermutet werde, so die Autoren, dass die klassischen KHK-Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Rauchen und Dyslipidämie auch das Haarwachstum beeinflussen und der Haaraus- fall somit ein Zeichen eines arteriosklerotischen Prozesses sein könnte. Außerdem liegen möglicherweise der Glatzenbildung und der koronaren Herzkrankheit dieselben Mechanismen zugrunde, wie Hyperinsulinämie, chronische Entzündungsprozesse und eine erhöhte periphere Sensitivität gegenüber Androgenen.

 

basierend auf: Yamada T et al. Male pattern baldness and its association with coronary heart disease: a meta-analysis. BMJ Open 2013;3: e002537

springermedizin.de/KK, Ärzte Woche 19/2013

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