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Kardiologie 7. April 2013

Proaktiv Herzinsuffizienz vorbeugen

Signifikante Risikoreduktion durch BNP-gesteuerte Prävention.

Wie niedergelassene Ärzte der Entwicklung einer Herzinsuffizienz bei Risikopatienten proaktiv vorbeugen können, haben irische Forscher in einer Studie demonstriert. Als Wegweiser zu den „richtigen“ Patienten diente ihnen dabei das natriuretische Peptid BNP.

Bedingt durch den wachsenden Anteil älterer Menschen an der Bevölkerung steigt auch die Prävalenz der Herzinsuffizienz. Wen diese Erkrankung treffen wird, lässt sich schwer vorhersehen. Zwar gibt es gesicherte Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes oder KHK, doch bei der frühen Erkennung der von Herzinsuffizienz bedrohten Personen sind diese wenig hilfreich. Gibt es Möglichkeiten für ein gezielteres Screening, um frühzeitig vorbeugend intervenieren zu können?

BNP als Wegweiser zu den echten Risikopatienten

Ja, glaubt eine Gruppe irischer Forscher um Dr. Kenneth McDonald vom St. Vincent`s University Hospital in Dublin. Ihre Hoffnung ruht auf dem Biomarker BNP und dessen regelmäßiger Messung als Bestandteil eines systematischen Screening-Programms. Dabei gehen sie von folgender Vorstellung aus: Wer niedrige BNP-Werte hat, muss die Herzinsuffizienz kaum fürchten; erhöhte Werte signalisieren dagegen drohende Gefahr und somit therapeutischen Handlungsbedarf, um der Herzinsuffizienz aktiv vorzubeugen. Ihr Konzept hat die Gruppe in der STOP-HF-Studie überprüft, deren Ergebnisse McDonald bei der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) erstmals vorgestellt hat.

Besondere Betreuung bei erhöhtem BNP

Für die Studie sind 1.235 Patienten ausgewählt worden, die bei 39 niedergelassenen Praktikern in Behandlung waren. Die Studienteilnehmer mussten mindestens 40 Jahre alt sein und zudem Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes, Hyperlipidämie oder vaskuläre Erkrankungen aufweisen. Eine bekannte Herzinsuffizienz und/oder linksventrikuläre Dysfunktion war dagegen Ausschlusskriterium. Die Patienten wurden entweder einer Interventions- oder Kontrollgruppe zugeteilt. Mindestens einmal im Jahr wurden die BNP-Werte gemessen. Nur im Interventionsarm erfuhren Ärzte und Patienten jedoch die Messergebnisse.

Patienten, bei denen erhöhte BNP-Werte (über 50 pg/ml) festgestellt wurden, erhielten eine zusätzliche Betreuung durch ein kardiologisches Zentrum, die unter anderem eine Echokardiografie, eine Beratung und regelmäßige Nachkontrollen einschloss. Patienten der Kontrollgruppe wurden dagegen in der Praxis ihres Arztes weiterhin routinemäßig betreut. Die Studiendauer betrug im Schnitt 4,3 Jahre. In dieser Zeit wurde in der Interventionsgruppe bei vier von zehn Patienten (41,6 Prozent) irgendwann ein erhöhter BNP-Wert festgestellt.

Herzinsuffizienz-Risiko um 42 Prozent gesenkt

Primärer Studienendpunkt war das erstmalige Auftreten einer Herzinsuffizienz oder einer asymptomatischen linksventrikulären Dysfunktion. Die Rate davon betroffener Patienten lag am Ende bei 5,3 Prozent (Interventionsgruppe) und 8,7 Prozent (Kontrollgruppe). Der Unterschied entspricht einer signifikanten Risikoreduktion um 42 Prozent in der Gruppe mit BNP-gesteuerter Versorgung. Diese Gruppe profitierte zudem von einer signifikanten Reduktion notwendiger Klinikeinweisung infolge kardiovaskulärer Ereignisse um 46 Prozent (22,3 versus 40,4 %).

Was steckt hinter diesen Unterschieden?

Wie McDonald berichtete, gab es im Hinblick auf die Medikation nur eine nennenswerte Differenz: In der Interventionsgruppe nahm die Verordnung von Hemmern des Renin-Angiotensin-Aldosteron-System im Studienverlauf signifikant stärker zu als in der Kontrollgruppe.

Allerdings dürfte auch eine bessere Patienten-Compliance, die vermutlich auf die Kenntnis erhöhter BNP-Werte als pathologisches Indiz zurückzuführen ist, zumindest eine Teilerklärung für die besseren klinischen Ergebnisse sein.

Erschließen lässt sich das indirekt aus folgender Beobachtung: Obwohl der Anteil an Statin-Verordnungen in beiden Gruppen nahezu gleich war, waren die LDL-Cholesterin-Spiegel in der Interventionsgruppe im Schnitt niedriger als in der Kontrollgruppe.

Quelle: Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC),
9.–11. März 2013, San Francisco

springermedizin.de/ob, Ärzte Woche 14/2013

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