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Kardiologie 25. März 2013

Telemedizinische Betreuung von Hochrisiko-Patienten

Mit INTENSE-HF startet jetzt die bisher größte in Österreich durchgeführte Studie zur Telemedizin bei Herzinsuffizienz.

Die telemedizinische Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten mittels „Smartphone“ und „Near Field Communication“-Technologie soll die Überwachung der Patienten zu Hause verbessern und damit Rehospitalisierungen vermeiden. Mit INTENSE-HF (INtegrated TElemonitoring and Nurse Support Evaluation in Heart Failure) startet jetzt die bisher größte in Österreich durchgeführte Studie zur Telemedizin bei Herzinsuffizienz, die von der MedUni Graz in Kooperation mit dem Ludwig Boltzmann Institut für Translationale Herzinsuffizienzforschung (LBI.HF), dem Austrian Institute of Technology und T-Mobile durchgeführt wird.

Ein Schwerpunkt der Tätigkeit des LBI.HF ist die Versorgung von Herzinsuffizienz-Patienten, die ein hohes Sterberisiko haben. „Hier untersuchen wir neue Ansätze, z. B. in Form einer telemedizinischen Betreuung“, betonte LBI.HF-Direktor Prof. Dr. Burkert Pieske, Leiter der Klinischen Abteilung für Kardiologie an der MedUni Graz. „Die mit Hilfe von Telemonitoring möglich gewordene enge Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt soll es ermöglichen, bei diesen Patienten rechtzeitig gegen zu steuern, damit eine neuerliche Verschlechterung der Krankheit verhindert werden kann.“

In der INTENSE-HF-Studie werden mehr als 300 Herzinsuffizienz-Patienten unmittelbar nach der Entlassung aus dem Krankenhaus in das Telemonitoring-System aufgenommen. Sie bekommen ein Telemonitoring-Set mit Blutdruckmessgerät, Körperwaage, Mobiltelefon und Symbolkarte und werden eingeschult. Mit telemedizinischer Unterstützung übermitteln sie täglich via Smartphone und „Near Field Communication“-Technologie – mit ihr ist die Übertragung der Daten beispielsweise vom Blutdruckmessgerät auf das Mobiltelefon ohne Zutun des Patienten möglich – ihre Vital-Parameter (Blutdruck, Puls, Gewicht) und bestätigen die Einnahme der ausgewählten kardioaktiven Medikamente an die Monitoring-Zentrale. Die automatische Überwachung individueller Grenzwerte führt bei Über- oder Unterschreitung zu einer Meldung an den betreuenden Arzt zum Beispiel per E-Mail oder SMS.

„Eine neuartige Software analysiert die Daten und gibt dem Studienarzt Hinweise zur weiteren Therapieverbesserung“, betonte Prof. Dr. Friedrich Fruhwald, Key Researcher Telemedicine, LBI.HF. „Ist zum Beispiel der Puls an fünf von sieben aufeinanderfolgenden Tagen erhöht, bekommt der Arzt den Vorschlag übermittelt, dass gemäß den Guidelines der Europäischen Kardiologengesellschaft eine Dosissteigerung des Betablockers überlegenswert wäre. Analoges gibt es für den Blutdruck mit ACE-Hemmern und für das Körpergewicht, wobei hier vor allem auf rasche, innerhalb von zwei Tagen auftretende Schwankungen reagiert wird.“ Ob der Arzt diese Empfehlung übernimmt oder nicht, ist seine Entscheidung. Er muss sie aber auf jeden Fall dokumentieren.

Verbesserte Compliance

Über das WEB-Interface kann die betreuende Person auch eine persönliche Feedback-Nachricht verfassen und diese an das Endgerät des Patienten übermitteln. Eine integrierte Lesebestätigung gibt dem Betreuer die Gewissheit, dass die Nachricht beim Patienten angekommen ist.

„Die Compliance ist für eine wirksame Therapie von Patienten mit chronischen Erkrankungen sehr bedeutsam. Die Erfahrungen mit Telemonitoring zeigen, dass Patienten die Vorteile eines geschlossenen Monitoring-Kreislaufs verstehen und annehmen, was sich in einer verbesserten Therapietreue ausdrückt“, so Pieske. Im Falle von fehlenden Werten kann die integrierte Erinnerungsfunktion Patienten z. B. an die Medikamenteneinnahme erinnern. Diese Erinnerungen werden am Benutzerterminal grafisch und akustisch angezeigt.

Uneinheitliche Studienlage

„Derzeit kann der Stellenwert der Telemedizin noch nicht endgültig beurteilt werden“, bilanziert Fruhwald. „Es gab Studien, die einen Benefit für die telemedizinische Betreuung zeigen konnten, andere nicht. Der Grund dafür dürfte in der Patientenauswahl und im Zeitpunkt des Betreuungsbeginns liegen. Je ‚kränker‘ das untersuchte Kollektiv war, desto eher zeigte sich ein Benefit. Je ‚gesünder‘ das Kollektiv, desto weniger konnte einer gefunden werden. Wohl auch deshalb, weil diese Patienten ohnehin eine gute Lebensqualität haben und bei ihnen instabile Phasen selten sind. Diese Instabilitäten sind es aber, die gefährlich sind.“

Die insgesamt recht uneinheitlichen Studienergebnisse könnten unter anderem auch daran liegen, dass die bisher gewählten Arten der telemedizinischen Überwachung für das vor allem ältere Klientel nicht geeignet waren: Kommunikation per Telefon mit digitalen Wählsystemen schreckte viele Patienten ab.

Die erste in Österreich durchgeführte Studie zur telemedizinischen Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten war die von Graz aus durchgeführte randomisierte, multizentrische MOBITEL-Studie. Weil es damals technisch noch nicht möglich war, die Messwerte automatisch z. B. von einem Blutdruckmesser auf das Handy zu übertragen, musste alles manuell eingetippt werden. „Entsprechend gab es Probanden, die ihre Teilnahme an dieser Studie abgebrochen haben“, so Fruhwald. „Trotzdem konnten wir zeigen, dass diese Form der Betreuung einen Benefit für Patienten bringt. MOBITEL belegt eine signifikante Verbesserung der Therapieergebnisse. Es wurde eine verringerte Häufigkeit und Dauer der Hospitalisierung im Vergleich zu den Patienten in der Kontrollgruppe festgestellt.“

Eine flächendeckende Anwendung dieser telemedizinischen Option wird jedoch noch einige Jahre dauern, außerdem wird diese Betreuungsmöglichkeit nicht für jeden Patienten geeignet sein.

Quelle: Pressekonferenz zur Bedeutung der telemedizinischen Betreuung von Patienten mit Herzinsuffizienz“, 14. März 2013, Wien

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