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diefliegendenfische werbeagentur GmbH. Cover-Illustration: Aleksandar Matijevic

 
Kardiologie 25. März 2013

Gut leben mit Herzinsuffizienz

Eine österreichweite Awareness-Kampagne bei Ärzten und Patienten soll die Therapietreue erhöhen.

Herzinsuffizienz ist eine Erkrankung mit relativ hoher Mortalität. Dabei wäre diese gut behandelbar. Eine Studie des Hauptverbandes hat jedoch ergeben, dass ein nicht unbeträchtlicher Anteil der Patienten die verordnete Medikation nur lückenhaft einhält. Die Sozialversicherung hat daher beschlossen, eine Informationskampagne über die Bedeutung der Compliance bei Herzinsuffizienz durchzuführen.

In Österreich leiden schätzungsweise 300.000 Menschen an Herzinsuffizienz – genaue epidemiologische Daten fehlen. Bei Patienten über 65 Jahre stellt diese Erkrankung die häufigste Entlassungsdiagnose aus den Spitälern dar.

Mit der Erkrankung verbunden ist eine Beeinträchtigung die Lebensqualität bis hin zur Invalidität. 50 Prozent der Menschen mit der Diagnose Herzinsuffizienz sterben innerhalb von vier Jahren, über 50 Prozent der Menschen mit „schwerer“ Herzinsuffizienz innerhalb eines Jahres.

Mit einer individuell angepassten Therapie kann die Erkrankung jedoch deutlich verbessert und die hohe Rehospitalisierungsrate reduziert werden, was unter anderem auch eine deutliche Kostenreduktion mit sich bringt – Herzinsuffizienz verursacht Kosten im Ausmaß von zwei bis vier Prozent der jährlichen Ausgaben des Gesundheitssystems, davon fallen zwei Drittel auf Spitalskosten. Voraussetzung dafür wäre jedoch eine gute Compliance der Patienten, die aber oft nicht gegeben ist, wie eine Studie des Hauptverbandes zeigt.

Studie „Versorgung von Herzinsuffizienzpatienten“

Basis der im Auftrag des Hauptverbands zur „Versorgung von Herzinsuffizienzpatienten in Österreich“ durchgeführten Untersuchung („Influence of quality of primary care on outcome for heart failure“) waren die Daten von rund 37.000 Patienten, die aufgrund von einer Herzinsuffizienz hospitalisiert wurden (in den Jahren 2006 – 2010). 44,8 Prozent der Patienten waren Männer, deren Durchschnittsalter bei 73,7 Jahren lag, jenes der Frauen betrug 79,8 Jahre. Rund 32 Prozent dieser Patienten starben im Untersuchungszeitraum.

Alle Patienten in der Untersuchungsgruppe erhielten entsprechende Verordnungen der bei Herzinsuffizienz als Standard verschriebenen Medikamentengruppen: ACE-Hemmer (ACEI) bzw. AT-II-Antagonisten (ARB) in Kombination mit Betablockern. In manchen Fällen kommen Diuretika, Aldosteronantagonisten oder Herzglykoside hinzu.

Allerdings hielten in der gesamten Patientengruppe nur maximal 49,3 Prozent der Patienten die verordnete medikamentöse Therapie dauerhaft ein. Die Therapietreue wurde über die Einlösung von Rezepten für Medikamente aus den Gruppen der ACE-Hemmer, Betablocker und Aldosteronantagonisten bzw. Diuretika und Herzglykosiden erhoben. Dass die Adhärenz bei den Diuretika am höchsten war, führt Prof. Dr. Michael Wolzt, Facharzt für Innere Medizin und der Autor der Versorgungsforschungsstudie Herzinsuffizienz auf den Umstand zurück, dass die Einahme der Medikamente für die Patienten direkt bemerkbar ist, beispielsweise im Rückgang von Beinödemen. Laut Ergebnisse wiesen die früher verstorbenen Patienten eine signifikant schlechtere Therapieadhärenz auf.

Auch Patienten, die zumindest eine medizinische Leistung (z.B. Arztbesuch) im Beobachtungszeitraum in Anspruch nahmen, hatten aufgrund der Daten einen Überlebensvorteil. Verstorbene Patienten hatten in einem signifikant geringeren Ausmaß ärztliche Leistungen in Anspruch genommen.

Patienten, die sowohl regelmäßige Arztkontakte als auch eine hohe Therapietreue bei den Medikamenten aufwiesen, hatten ein signifikant besseres Überleben von im Durchschnitt 3,21 Jahren statt durchschnittlich 2,52 Jahren in der Gruppe mit schlechter Adhärenz.

Compliance und Therapietreue

Diese vom Hauptverband finanzierte Studie machte erneut auf ein häufig unterschätztes Problem in der Gesundheitsversorgung aufmerksam: die Compliance oder Therapietreue. Wie bei den meisten chronischen Erkrankungen ist auch bei Herzinsuffizienz diese im hohen Ausmaß Voraussetzung für einen dauerhaften Therapieerfolg. Sie wird durch mehrere Faktoren beeinflusst: sozioökonomische, patientenabhängige, krankheitsbedingte, therapiebedingte sowie gesundheitssystem- und therapeutenabhängige Faktoren. Basis einer guten Compliance ist vor allem ein gutes und vertrauensvolles Arzt-Patientenverhältnis.

Kampagne zur verbesserten Patienteninformation

Diese aktuellen Daten nimmt die österreichische Sozialversicherung zum Anlass, eine Kampagne zur verbesserten Patienteninformation zu starten. Ziel ist es, beim Krankheitsbild Herzinsuffizienz die Compliance der betroffenen Patienten deutlich zu erhöhen. Mit regelmäßiger ärztlicher Kontrolle und Einhaltung der verordneten Medikation ist bei diesem Krankheitsbild ein längeres Leben mit altersadäquat guter Lebensqualität möglich.

Die Patienten sollen mittels Patientenbroschüre mit einfachen, klar verständlichen Botschaften zur Einhaltung der ärztlich verordneten Therapie motiviert werden. Für Ärzte gibt es unterstützende Informationen, die vor allem auf die Problemlage der mangelnden Compliance speziell bei diesem Krankheitsbild fokussieren. Der diesbezügliche Folder wurde in Kooperation mit der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft konzipiert.

Quelle: Pressegespräch zur Informationskampagne über die große Bedeutung der Compliance bei Herzinsuffizienz, 18. März 2013, Wien

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