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Kardiologie 19. November 2012

Omega-3-Fettsäuren wirkungslos

Fischölkapseln zeigen bei Vorhofflimmern keinen positiven Effekt.

Weder in der Prävention von postoperativem Vorhofflimmern nach Herzchirurgie noch in der Rezidiv-Prophylaxe bei paroxysmalem Vorhofflimmern zeigte sich in den Studien OPERA oder FORWARD eine Wirkung.

Es ist erstaunlich, wie intensiv Omega-3-Fettsäuren beforscht werden. Erst vor Kurzem wurde eine systematische Meta-Analyse publiziert, nun wurden gleich zwei weitere Studien zur Wirksamkeit von mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren auf der AHA-Jahrestagung vorgestellt.

VF-Prophylaxe nach Operationen

Die größere der Studien war die OPERA-Studie (Omega-3 Fatty Acids for Prevention of Post-Operative Atrial Fibrillation) mit herzchirurgischen Patienten. Vorhofflimmern (VF) ist nach Herzoperationen eine häufige und prognostisch ungünstige Begleiterscheinung: Über 30 Prozent der Patienten leiden an der Rhythmusstörung, meist innerhalb der ersten zehn Tage, am häufigsten an Tag zwei nach der Operation.

Hoher Fischkonsum schützt vor VF. Omega-3-Fettsäuren haben eine Reihe von potenziellen Wirkmechanismen, welche die Rhythmusstörung günstig beeinflussen könnten. Sieben randomisierte Studien mit etwa 1.200 Patienten hatten bisher die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren im Rahmen einer Herzoperation untersucht, mit unterschiedlichen Ergebnissen. Gepoolt deuten die Ergebnisse einen Schutzeffekt an.

Der Sache auf den Grund ging nun die multinationale, doppelblinde OPERA-Studie mit 1. 516 herzchirurgischen Patienten, von denen etwa die Hälfte zur Klappenchirurgie anstanden. Diese erhielten in den 3–5 Tagen präoperativ 10 g Fischöl in Kapselform als „Loading dose“ und nach der Operation täglich 2 g für 10 Tage bzw. bis zur Entlassung. Als Kontrolle dienten Olivenölkapseln.

Die Therapie blieb wirkungslos, wie Dr. Robert Marchioli, Santa Maria Imbaro in Italien, berichtete. Je 30 Prozent der Patienten in Verum- und Kontrollgruppe erlitten postoperativ Episoden von VF, die länger als 30 Sekunden andauerten. Auch auf alle sekundären Endpunkte wie etwa länger anhaltende oder symptomatische Episoden blieb die Behandlung ohne Wirksamkeit.

Rezidivprophylaxe

In der zweiten Studie (FORWARD für Fish Oil Research with Omega-3 for Atrial Fibrillation Recurrence Delaying) wurde die Wirksamkeit von Omega-3-Fettsäuren (1 g/d) als Rezidivprophylaxe bei Patienten untersucht, die Episoden eines paroxysmalen, symptomatischen VF aufwiesen und sich wieder im Sinusrhythmus befanden. Studienendpunkt war die Zeit bis zum ersten VF.

In dieser Indikation waren bisher sieben klinische Studien mit etwa 1.400 Patienten durchgeführt worden, von denen nur zwei eine Wirksamkeit gezeigt hatten. Die FORWARD-Studie mit knapp 600 Patienten war letztlich viel zu klein und daher wenig hilfreich, endgültige Antworten zu geben. Tatsächlich erlitten 23,9 Prozent der Verum- und 18,9 Prozent der Plazebo-Patienten ein VF-Rezidiv, also ein Trend in die falsche Richtung. Soviel kann aber gesagt werden: Eine antiarrhythmische Wirksamkeit bei VF ist sehr unwahrscheinlich.

Umfangreiche Meta-Analyse

Erst kürzlich war in „Circulation: Cardiovascular Quality and Outcomes“ eine systematische Meta-Analyse von 20 Omega-3-Fettsäure-Studien mit etwa 63.000 Patienten publiziert worden. Auch hier sind die Ergebnisse eher ernüchternd: „Es besteht keine Wirksamkeit auf kardiovaskuläre Komplikationen insgesamt oder auf die Gesamtsterblichkeit.

Allerdings schützte die Therapie vor kardiovaskulären Todesfällen, nicht jedoch vor Koronarereignissen. Eine Schutzwirkung vor Arrhythmien oder Schlaganfall ließ sich nicht feststellen. Omega-3-Fettsäuren verursachten gastrointestinale Nebenwirkungen. Fazit der Meta-Analyse-Autoren: „Omega-3-Fettsäuren könnten vor Gefäßkrankheiten schützen, aber die Evidenz ist nicht eindeutig, und falls ein Nutzen vorhanden ist, dann ist er mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht so groß wie früher angenommen.“

Quelle: Jahrestagung der American Heart Association (AHA), 3.–7. November 2012, Los Angeles

springermedizin.de, Ärzte Woche 47/2012

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