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Kardiologie 4. Oktober 2012

Akute Herzinsuffizienz bei Frauen

Weniger Therapie, gleiches Sterblichkeitsrisiko.

Frauen, die mit akuter Herzinsuffizienz in ein Krankenhaus aufgenommen werden, haben ein ähnliches Sterblichkeitsrisiko wie Männer, werden aber weniger intensiv therapiert. Das ist das Ergebnis einer Analyse der Daten eines großen internationalen Registers, die auf dem Kongress der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC) in München präsentiert wurden.

Die Analyse basiert auf dem Acute Heart Failure Global Registry of Standard Treatment (ALARM-HF), untersucht wurden die Daten von insgesamt knapp 5.000 Patienten mit akuter Herzinsuffizienz in neun Ländern. 37 Prozent der Patienten waren Frauen. Bei vielen der untersuchten Parameter fanden die Forscher deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, berichtete Studienautor Dr. John T. Parissis von der Universität Athen: Geschlechterdifferenzen fanden die Forscher bei Symptomen, Begleiterkrankungen, auslösenden Faktoren für die akute Herzschwäche und Behandlungsmustern. Keine Unterschiede zwischen Männern und Frauen gab es bei der Dauer des Klinikaufenthalts sowie der Sterblichkeit.

„Dass Frauen eine bessere Ejektionsfraktion haben und seltener unter einer koronaren Herzkrankheit leiden, dürfte ihre Lebenserwartung positiv beeinflussen“, so Parissis. „Andererseits scheint das Vorhandensein anderer schwerwiegender Begleiterkrankungen und die Tatsache, dass wichtige Medikamente wie Betablocker Frauen weniger häufig verschrieben werden, diesen Vorteil wiederum in negativer Weise auszugleichen. Das dürfte erklären, warum letztlich das Sterblichkeitsrisiko bei beiden Geschlechtern gleich hoch ist.“

Europäische Behandlungsrichtlinien frauenspezifisch anwenden

„Die Daten aus diesem großen Register zeigen erneut, dass kardiovaskuläre Erkankungen, insbesondere die Herzinsuffizienz, bei Frauen anders sind als bei Männern. Das begründet sich auf die Krankheitsursachen und auch auf deren Behandlung. Ziel moderner Kardiologie muss sein, die europäischen Behandlungsrichtlinien frauenspezifisch anzuwenden“, so Prof. Dr. Irene Lang von der Universitätsklinik für Kardiologie der Medizinischen Universität Wien.

Einige der signifikanten Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen mit akuter Herzinsuffizienz waren bei der Aufnahme in das Krankenhaus durchschnittlich älter als ihre männlichen Leidensgenossen und öfter als diese erstmals mit der Diagnose Herzschwäche konfrontiert. Frauen hatten halb so oft wie Männer einen kardiogenen Schock, aber doppelt so oft eine Rechtsherzschwäche. Frauen wiesen auch einen höheren systolischen Blutdruck und eine höhere Herzfrequenz auf. Die Mehrheit der Frauen hatte eine erhaltene Ejektionsfraktion – je besser diese erhalten ist, desto günstiger ist das.

Was die beobachteten Begleiterkrankungen angeht, so hatten Frauen häufiger Vorhofflimmern, Herzklappenerkrankungen, Diabetes, Adipositas, Anämie und Depression. Weniger oft als Männer hatten sie geraucht oder litten an Herzmuskelerkrankungen, einer koronare Herzerkrankung, ungünstigen Blutfettwerten, Asthma oder einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Deutlich unterschieden sich die Geschlechter laut ALARM-HF-Register bei der Behandlung: Zum Zeitpunkt der Krankenhaus-Aufnahme nahmen Frauen weniger häufig als Männer Angiotensin-Rezeptoren-Blocker, Beta-Blocker, Aspirin oder Clopidogrel. Aufgrund des bei Frauen häufiger vorhandenen Vorhofflimmerns nahmen Frauen öfter als Männer Digitalis oder Vitamin K-Antagonisten. Beatmungs-Behandlungen erhielten Frauen und Männer gleich oft, Eingriffe wie Katheter-Interventionen, Bypass-Operationen oder intraaortale Ballonpumpen wurden an Männern deutlich öfter als an Frauen vorgenommen.

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