zur Navigation zum Inhalt
© Elke Dennis / fotolia.com
Phytosterole kommen hauptsächlich in fettreichen Pflanzenteilen vor, wie beispielsweise in Nüssen.
 
Kardiologie 13. Juni 2012

Pflanzliche Cholesterinsenker – eine Alternative?

Phytosterole wohl kein Wundermittel gegen erhöhtes LDL-Cholesterin.

Bisweilen werden Phytosterole als pflanzliche und damit natürliche Alternativen zu den künstlich hergestellten Statinen beworben. Die Frage ist nur: Was können diese „Bio“-Cholesterinsenker wirklich? Dieser Frage widmete sich Doz. Dr. Christoph Säly, Facharzt an der Abteilung für Innere Medizin und Kardiologie am Akademischen Lehrkrankenhaus Feldkirch, im Rahmen eines Pressegesprächs anlässlich der 44. Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft in Salzburg.

 

„Phytosterole bewirken eine Senkung des LDL-Cholesterins, wobei allerdings dieser Effekt lediglich in einer Größenordnung von 15 Prozent liegt. Ob das ausreicht, um eine Reduktion des Risikos von Herzinfarkt und Schlaganfall zu bewirken, ist fraglich, denn dazu fehlen bislang Daten aus klinischen Studien“, so Säly. Zum Vergleich: Mit einem potenten Cholesterinsenker vom Typ der Statine erreicht man eine LDL-Senkung von bis zu mehr als 50 Prozent.

Keine Wirkung auf das Herzinfarkt- oder Schlaganfall-Risiko

Eine aktuelle Metaanlyse der bisher publizierten Arbeiten zu Phytosterolen zeigt jedenfalls keine Wirkung dieser Substanzen auf das Risiko von Herzinfarkt oder Schlaganfall. „Dabei handelt es sich aber nicht um randomisierte Interventionsstudien, sondern lediglich um weniger aussagekräftige Beobachtungsstudien“, so Säly. „Man kann also anhand der verfügbaren Daten keine Empfehlung für die Nahrungsergänzung mit Pflanzensterolen geben.“

Die große klinische Studie, die man für eine definitive Antwort bräuchte, befürchtet Säly, „wird es wohl nie geben, da aufgrund der Ergebnisse aus den Beobachtungsstudien zumindest keine sehr ausgeprägte Wirkung zu erwarten ist. Damit fehlt der finanzielle Anreiz, solche teuren Untersuchungen durchzuführen.“

Kombination von Phytosterolen und Statinen denkbar

Phytosterole sind pflanzliche Moleküle, die in ihrem chemischen Aufbau dem Cholesterin sehr ähnlich sind. Auf dieser Ähnlichkeit beruht ihre LDL-senkende Wirkung. Phytosterole können von menschlichen Zellen nicht verwertet werden, bei gesunden Menschen kommt es auch nur zu einer minimalen Aufnahme aus dem Darm.

Die Anwesenheit von Phytosterolen führt allerdings dazu, dass auch der Transport von Cholesterin aus dem Darm ins Blut blockiert wird („kompetitiven Hemmung“). „Weil Phytosterole die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm hemmen, Statine hingegen die Cholesterinsynthese im Körper beeinflussen, wäre eine sinnvolle Kombination dieser beiden Substanzgruppen denkbar“, so Säly. „Allerdings fehlen dazu Daten aus seriösen wissenschaftlichen Untersuchungen, sodass auch hier keine Empfehlung abgegeben werden kann.“

Ungeklärte Sicherheitsfragen

Nicht gänzlich geklärt ist auch die Sicherheitsfrage. Menschen, die unter der seltenen Erbkrankheit Sitosterolämie leiden, nehmen aus der Nahrung große Mengen von Pflanzensterolen auf, was unter anderem zu einem erhöhten kardiovaskulären Risiko führt. Säly: „Es ist also durchaus vorstellbar, dass ein Übermaß an Phytosterolen auch schädlich sein könnte.“

Erhöhtes LDL-Cholesterin bedeutet erhöhtes KHK-Risiko

Ein Zusammenhang zwischen einem erhöhten LDL-Cholesterinspiegel im Blut und einem erhöhten Risiko kardiovaskulärer Erkrankungen ist schon lange bekannt und gut gesichert. Ebenso konnte in zahlreichen Studien nachgewiesen werden, dass eine Senkung des LDL-Cholesterin-Spiegels dieses Risiko reduziert. Diese LDL-Senkung wird in geringem Maß durch Lebensstiländerungen, in der Praxis jedoch meist durch den Einsatz von Statinen erreicht. Diese Medikamente greifen in die Cholesterinsynthese im menschlichen Organismus ein. Sie machen sich also den Umstand zunutze, dass das Cholesterin im Körper nur zu rund einem Drittel mit der Nahrung aufgenommen, zu zwei Drittel jedoch vom Organismus selbst produziert wird. Es ist belegt, dass das Ausmaß der LDL-Senkung durch Statine auch das Ausmaß der kardiovaskulären Risikoreduktion bestimmt.

 

Quelle: Pressegespräch anlässlich der 44. Jahrestagung der ÖKG, 29 Mai 2012, Wien

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben