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Kardiologie 13. Juni 2012

Resorbierbarer Stent

Ein neuer Meilenstein in der interventionellen Kardiologie?

„Mit den neuen resorbierbaren Stents, die seit 2012 in Österreich zugelassen sind, könnten die Limitierungen unbeschichteter oder Medikamenten-beschichteter Stents überwunden und wichtige Vorteile erzielt werden. Dieses neue Therapieprinzip ist durchaus als Meilenstein in der interventionellen Kardiologie zu betrachten“, so Prof. Dr. Otmar Pachinger, Direktor der Universitätsklinik für Kardiologie der Medizinischen Universität Innsbruck, anlässlich eines Pressegesprächs zur Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft.

 

Stents sind meist kleine Gittergerüste in Form eines Röhrchens aus Metall oder Kunstfasern. In der interventionellen Kardiologie werden Stents in verengte Blutgefäße, speziell Herzkranzgefäße, per Herzkatheter eingesetzt, um nach der Aufdehnung dieser Gefäße (Perkutane transluminale coronare Angioplastie, PTCA) einen neuerlichen Verschluss zu verhindern. Dieses Verfahren wird als Stentangioplastie bezeichnet.

Zahlreiche Vorteile resorbierbarer Stents

Zu den Vorteilen der resorbierbaren Stents mit einem Grundgerüst und einer dünnen Polymer-Beschichtung aus Polylactiden (Polymilchsäuren, vielkettige Milchsäuren) zählen die Reduktion der Stent-Thromboserate, kürzere duale Antiplättchen-Therapie und Wiederherstellung der Vasomotion. Chronische Entzündungsreaktionen könnten damit verhindert und die Planung chirurgischer oder interventioneller Re-Interventionen des Zielgefäßes erleichtert werden. Außerdem könnte gegebenenfalls im zuvor gestenteten Gefäßareal wieder ein aorto-koronarer Bypass angelegt werden. Und auch als Störfaktor bei der nicht-invasiven Bildgebung (Herz-CT) würde sich der Stent nach seiner Resorption nicht mehr geltend machen, bilanzierte Pachinger.

Metall-Stents – permanente Fremdkörper im Blutgefäß

Metall-Stents, wie sie seit 1995 eingesetzt werden, verbleiben, nachdem sie ihre Funktion erfüllt haben, permanent im Körper und stellen damit einen ständigen Fremdkörper dar. Schon seit langem befasst man sich mit der Entwicklung resorbierbarer Stents. Die Polylactide, aus denen das Grundgerüst und die Polymer-Beschichtung bestehen, sind eine bewährte Substanz, die seit Jahrzehnten zur Herstellung von resorbierbarem Nahtmaterial genutzt wird. Der in die ebenfalls resorbierbare Polymerschicht eingebundene und daraus kontrolliert freigesetzte Wirkstoff Everolimus soll die Gewebswucherung im Gefäß und damit dessen Restenosierung verhindern.

Studien belegen Sicherheit absorbierbarer Koronarstents

„Der neuentwickelte Stent hat in der ABSORB-Studie weder kardial bedingte Todesfälle noch erneute Revaskularisationen oder Stent-Thrombosen verzeichnet“, berichtete Pachinger. „Auch die bisherigen Ergebnisse mit einem bioabsorbierbaren Magnesium-Stent bestätigen die hervorragende Sicherheit dieses neuen Prinzips.“

Für eine begrenzte Zahl von Zentren in Europa ist dieser neue Stent bereits verfügbar, derzeit ist der Einsatz allerdings nur mit bestimmten Stent-Größen möglich. Pachinger: „Die deutlich erhöhten Kosten dieses absorbierbaren Koronarstents werden gesundheitsökonomische Aspekte mit den Krankenhausträgern aufwerfen, die mit den Fach-Experten gelöst werden müssen und können.“

 

Quelle: Pressegespräch anlässlich der 44. Jahrestagung der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft, 29 Mai 2012, Wien

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