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Kardiologie 30. Mai 2012

Let’s talk about sex

Infarktpatienten brauchen Beratung in Sachen Liebesleben.

Jeder zweite Mann und 60 Prozent aller Frauen, die sich einer aktiven Sexualität erfreuten, reduzieren diese nach einem Infarkt. Jeder zehnte Patient traut sich derartige Anstrengungen überhaupt nicht mehr zu. Zu diesen Ergebnissen gelangten amerikanische Wissenschaftler, die das Sexualleben von Infarktpatienten vor und nach dem Ereignis durchleuchtet haben.

 

Die 1.879 Probanden entstammten der Translational Research Investigating Underlying Disparities in Acute Myocardial Infarction Patients‘ Health Stuatus (TRIUMPH-)-Studie, in der sie nach dem Krankenhausaufenthalt nachbeobachtet wurden. Die Frauen waren im Mittel 61,1 Jahre, die Männer 58,6 Jahre alt. In der Subgruppenanalyse wurde das Liebesleben der Patienten vor und nach dem Infarkt verglichen und untersucht, ob das Leben sexuell aktiver Post-Infarktpatienten stärker gefährdet ist. Dabei war Sex definiert als jeder freiwillige sexuelle Kontakt mit einer anderen Person, egal ob er zum Geschlechtsverkehr oder zum Orgasmus führt oder nicht.

Viel zu wenig Information, viel zu viel Unsicherheit

44 Prozent der Frauen und 74 Prozent der Männer waren in den zwölf Monaten vor dem Infarkt sexuell aktiv gewesen. Zwölf Monate nach dem Ereignis waren es bei den Frauen noch 40 Prozent und bei den Männern 68 Prozent. 48 Prozent der zuvor sexuell aktiven Männer und 59 Prozent der Frauen hatten in den zwölf Monaten nach dem Infarkt die Frequenz ihrer intimen Begegnungen gedrosselt. 11 Prozent der Männer und 13 Prozent der Frauen war die Lust nach dem Infarkt vollständig vergangen. Am häufigsten war dies der Fall, wenn kein Arzt mit ihnen über das Thema „Sex nach dem Infarkt“ gesprochen hatte. Nur 47 Prozent der Männer und 35 Prozent der Frauen hatten bei der Klinikentlassung eine entsprechende Beratung erhalten. 41 Prozent der sexuell aktiven Männer und 24 Prozent der Frauen vertrauten ihre Fragen und Bedenken ihrem Hausarzt an.

Allen Befürchtungen zum Trotz waren von den Patienten, die bereits einen Monat nach dem Infarkt ihr Liebesleben wieder aktiviert hatten, nicht mehr verstorben als aus der Gruppe derer, die sich keinen Sex mehr zutrauten. Wichtigster Grund für die Zurückhaltung war vor allem die Unsicherheit darüber, wann Sex nach dem Infarkt überhaupt wieder möglich sei.

Fazit der Autoren

Ob und wann Patienten nach einem Infarkt ihr Sexualleben wieder aufnehmen, ist davon abhängig, ob sie vor ihrer Klinikentlassung über dieses Thema aufgeklärt werden. Dabei ist der behandelnde Arzt der ideale Ratgeber, da er am besten einschätzen kann, was sich sein Patient zumuten kann und was nicht. Diese Beratung sollte auch Patienten, die im Jahr vor dem Infarkt sexuell inaktiv waren, nicht vorenthalten werden, denn deren Lebensumstände können sich jederzeit ändern, so die Autoren. Amerikanischen Empfehlungen zufolge können stabile Patienten ohne Komplikationen ihr Sexualleben mit dem gewohnten Partner sieben bis zehn Tage nach dem Infarkt wieder in Schwung bringen. Bei einem neuen Partner und entsprechend größeren Wallungen dürfte etwas mehr Vorsicht geboten sein.

 

Quelle: Lindau ST et al. Amer J Cardiol 2012;109(10): 1439-1444

springermedizin.de/cst, Ärzte Woche 22 /2012

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