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Kardiologie 23. Mai 2012

Renale Sympathikusdenervation – Option auch bei Herzinsuffizienz?

Studiendaten fehlen derzeit noch.

Die interventionelle renale Sympathikusdenervation ist ein neues Therapieprinzip für Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie. Der Einmal-Eingriff verbessert mittelfristig auch die Insulinresistenz. Denkbar ist inzwischen auch ein Einsatz bei schwerer Herzinsuffizienz.

Bei kaum einem anderen Krankheitsbild ist die Diskrepanz zwischen Anspruch und Wirklichkeit so groß wie bei der Therapie von Patienten mit arterieller Hypertonie. Auch nach neueren Untersuchungen sind maximal 20 bis 30 Prozent aller Hypertoniker ausreichend eingestellt, obwohl eine große Zahl an gut wirksamen und ausgezeichnet verträglichen Antihypertensiva zur Verfügung stehen.

Spektakuläre Blutdrucksenkung

„Etwa 15 Prozent aller Hypertoniker können auch mit einer Vierfach-Therapie nicht ausreichend eingestellt werden“, sagte Prof. Dr. Ruth Strasser von der kardiologischen Universitätsklinik in Dresden bei den Herz-Kreislauf-Tagen. Solche Patienten gelten als therapierefraktär, jedoch nur dann, wenn die Therapieadhärenz gesichert und eine Weißkittel-Hypertonie ausgeschlossen ist.

Für solche Patienten steht jetzt mit der Nierenarteriendenervation ein innovatives vielversprechendes instrumentelles Therapieprinzip zur Verfügung. Schon seit Langem sei bekannt, dass das zentrale sympathische Nervensystem an der Pathogenese der arteriellen Hypertonie beteiligt ist, so Strasser.

Die Niere sei Ursprung und Erfolgsorgan der sympathischen Aktivierung. Eine gesteigerte zentrale Sympathikusaktivität führe zu einer Vasokonstriktion der peripheren Arterien und auch zu einer Steigerung der Insulinresistenz.

Der Ablationskatheter arbeitet via Nierenarterie

Bei der renalen Sympathikusdenervation wird ein Ablationskatheter in die linke und rechte Nierenarterie eingeführt. Mittels Hochfrequenzenergie, also Wärme, erfolgen in der Regel fünf bis sechs Ablationen in jeder Nierenarterie. Durch diese kontrollierte lokale Energieabgabe werden die sympathischen Nervenfasern in der Tunica adventitia der Nierenarterien abladiert.

Gute Ergebnisse aus kontrollierter Studie

Die Ergebnisse einer internationalen multizentrischen randomisierten Studie (Symplicity HTN-2 Trial) zeigen, dass bei 84 Prozent der mit diesem Verfahren behandelten Patienten nach sechs Monaten eine Senkung des systolischen Blutdrucks von mehr als 10 mm Hg und bei 40 Prozent der Patienten eine Senkung des systolischen Blutdrucks kleiner 140 mm Hg erreicht werden kann.

Zwischenzeitlich wurden die so behandelten Patienten über zwei Jahre nachverfolgt. „Die Daten zeigen, dass die blutdrucksenkende Wirkung nicht nur erhalten bleibt, sondern im weiteren Verlauf sogar noch etwas zunimmt“, sagte Strasser.

Zusätzliche Effekte der Ablation

Interessanterweise führt die renale Denervation nicht nur zu einer Blutdrucksenkung, sondern auch der Glukosestoffwechsel wird günstig beeinflusst, das heißt sowohl der Nüchtern-Glukosewert als auch die Nüchtern- Insulinkonzentration werden bei Typ-2- Diabetikern gesenkt.

Darüber hinaus konnte bei Patienten mit einem obstruktiven Schlaf-Apnoe-Syndrom eine signifikante Abnahme des Apnoe-Index von etwa 15 Prozent dokumentiert werden. Und bei ICD-Trägern traten nach dem Eingriff auch sehr viel seltener polymorphe ventrikuläre Tachykardien auf.

Vielleicht auch bei Herzinsuffizienz hilfreich

Aus der erhöhten Sympathikusaktivität erklärt sich auch der Nutzen einer Betablockertherapie bei solchen Patienten. „Dass die renale Denervation auch bei herzinsuffizienten Patienten eine günstige Wirkung entfalten könnte, ist somit naheliegend“, erläuterte Strasser.

Doch für diese Indikation gebe es bisher keinerlei Studienergebnisse. Auch könne man davon ausgehen, dass die renale Denervation nicht zu einer relevanten Abnahme der Herzfrequenz führe.

Manchmal bleibt der Therapieerfolg aus

Doch wo Licht ist, ist auch Schatten. So ist der Eingriff bei zehn Prozent der Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie ineffektiv. „Nachteilig ist auch, dass ein Sofort-Parameter zur Beurteilung des Therapieerfolgs während der Prozedur nicht zur Verfügung steht“, so Strasser.

springermedizin.de/pst
, Ärzte Woche 21 /2012

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