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Dr. Hans Altenberger
Sonderkrankenanstalt Rehabilitationszentrum Großgmain, Salzburg

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Dr. Christian Ebner
II. Interne Abteilung, Krankenhaus der Elisabethinen Linz

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Dr. Armin Böhmer
Abteilung für Innere Medizin, Landesklinikum Krems

 
Kardiologie 16. Mai 2012

Herzinsuffizienz kontinuierlich im Auge behalten

Drei österreichische Vorzeigeprojekte beweisen: Spezielle intensive Betreuungsprogramme verbessern die Compliance und vermeiden Rehospitalisierungen.

Obwohl gut behandelbar, ist die Herzinsuffizienz derzeit mit einer äußerst schlechten Prognose verbunden. Intensive Betreuung macht sich doppelt bezahlt: bessere Therapieerfolge für Patienten, Kosteneinsparungen für das Gesundheitssystem.

Herzschwäche, das ist ein Begriff, der im Bewusstsein der breiten Bevölkerung nicht unbedingt Alarm auslöst. Das muss sich ändern, meint Dr. Hans Altenberger, Leiter der Arbeitsgruppe Herzinsuffizienz der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft (ÖKG), denn die Prognose für Menschen mit diesem Leiden ist derzeit vergleichbar mit derjenigen von Krebserkrankungen: „50 Prozent der Patienten sterben innerhalb von vier Jahren.“ Die Awareness für frühe Anzeichen, aber auch für die Wichtigkeit der Therapietreue und Überwachung soll im Rahmen einer Informationskampagne geschärft werden.

Unterschätzte Gefahr

„Kaum zu glauben, wie vergleichsweise unbekannt Herzschwäche ist“, wundert sich Altenberger. „Mindestens 300.000 Österreicher leiden daran, aber bei weitem nicht alle wissen es.“ Symptome wie Kurzatmigkeit oder Atemnot werden oft fälschlicherweise als Alterserscheinung gedeutet. Aus dem Österreichischen Herzinsuffizienz-Register geht hervor, dass insgesamt mehr als 37 Prozent aller Patienten, die erstmals einer Herzinsuffizienz-Ambulanz zugewiesen werden, schon die NYHA-Stadien III und IV erreicht haben. Mit Broschüren und Plakaten startet die ÖKG nun eine breite Informationskampagne für die Bevölkerung.

Richtlinien werden häufig nicht eingehalten

„An und für sich wäre die Herzinsuffizienz gut behandelbar“, so Altenberger. Die Therapie ist aber sehr komplex: Die Medikation muss langsam aufdosiert werden, die Patienten müssen immer wieder kontrolliert werden. Was dazu führt, dass die Therapietreue nachlässt, „viele Patienten nicht optimal versorgt werden und die Richtlinien bei weitem nicht eingehalten werden.“

Herzinsuffizienz ist außerdem eine teure Erkrankung: Sie verschlingt zwei bis vier Prozent der Kosten des Gesundheitssystems. Für Österreich sind das über 350 Millionen Euro, die hauptsächlich durch die stationären Aufenthalte der Patienten zustande kommen.

Eine adäquate Behandlung und intensive Betreuung könnte nicht nur die Prognose der Patienten verbessern, sondern auch Gesundheitskosten sparen, indem Spitalsaufenthalte reduziert werden. Drei Betreuungsmodelle werden derzeit in Österreich im Rahmen von Projekten getestet: In Salzburg besuchen speziell geschulte Krankenpfleger die Patienten zu Hause. Patienten des Krankenhauses der Elisabethinen Linz werden telemedizinisch überwacht. Im Landesklinikum Krems setzt man aufs Telefonieren. „Mit jedem dieser Projekte konnte die Rate der Spitals-Wiederaufnahmen deutlich gesenkt werden“, betont Altenberger.

Kardiomobil in Salzburg

Eines der regionalen Vorzeigemodelle ist das Salzburger „Kardiomobil“. Patienten werden zu Hause besucht, im Umgang mit ihrer Erkrankung geschult, Gesundheitszustand und Therapieerfolg werden dabei kontrolliert. Die Hausbesuche der spezialisierten Krankenpfleger werden von den Patienten besonders positiv aufgenommen und erbringen nachweisbare Erfolge: „Die Kardiomobilpatienten haben eine signifikant reduzierte Mortalität und müssen viel seltener stationär aufgenommen werden“, fasst Altenberger die bisherigen Resultate zusammen.

Telemonitoring in Linz

Dr. Christian Ebner vom Krankenhaus der Elisabethinen Linz berichtet von den bisherigen Erfahrungen der Abteilung mit der telemedizinischen Betreuung von Herzinsuffizienz-Patienten.

„Trotz regelmäßiger ambulanter Kontrollen gibt es bei Herzinsuffizienz-Patienten eine hohe Rehospitalisierungsrate. Wir hatten daher die Idee einer telemedizinischen Überwachung der Vitalparameter zwischen den ambulanten Kontrollen.“ Die anfängliche Übermittlung der Daten via Handy erwies sich jedoch vor allem für ältere Patienten als zu umständlich. Man stieg daher auf ein NFC-System (Near Field Communication) um, mit dem die Messdaten automatisch an einen Server gesendet werden, sobald die Waage oder das Blutdruckmessgerät benutzt wird. Befindlichkeit und Medikation werden über Interaktionskarten ermittelt. „Die Patienten müssen lediglich bestimmte Symbole auf den Karten berühren, um einen entsprechenden Informationsfluss an uns zu erzeugen“, erklärt Ebner.

Mit diesem Betreuungsmodell können verdächtige Veränderungen im Gesundheitszustand des Patienten unverzüglich erfasst werden. „Wir vermeiden damit nicht nur stationäre Aufenthalte, sondern auch unnötige ambulante Kontrollen“, stellt Ebner fest. In Zukunft möchte man auch die betreuenden Hausärzte vermehrt in dieses System einbinden. „Langfristig ist geplant, den betreuenden Hausärzten einen Zugang zu den Daten ihrer Patienten zu verschaffen“, so Ebner. „Die Zusammenarbeit mit dem niedergelassenen Bereich ist und bleibt unverzichtbar, nicht zuletzt, weil gerade Hausärzte zumeist lokal präsente und konstante Erstansprechpartner sind.“

Telefon-Nursing in Krems

Das Kremser Disease Management-Programm für Herzinsuffizienz beinhaltet nach einer computergestützten Patienten- und Angehörigenschulung ein sechsmonatiges Betreuungsmodell, in dem der Patient zwischen den ambulanten Kontrollterminen kontinuierlich zu Hause angerufen wird. Die „Telefon-Nurse“ fragt nach Befinden, Gewicht, Blutdruck und Medikation.

Die Erfolge dieser engmaschigen Betreuung übersteigen laut Dr. Armin Böhmer die kühnsten Erwartungen: Im Vergleich zur Kontrollgruppe zeigten die Patienten der Betreuungsgruppe deutlich bessere Werte in den Parametern linksventrikuläre Pumpfunktion, korrekte Medikamenteneinnahme, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit: „60 Prozent der Patienten befanden sich am Ende der Betreuung in NYHA-Klasse I, in der Kontrollgruppe waren es nur 16 Prozent.“ Nebenbei wurde Geld gespart: „Die stationären Wiederaufnahmen konnten um zwei Drittel gesenkt werden.“ 

 

Quelle: Pressegespräch „Europäischer Tag der Herzschwäche“, 9. Mai 2012, Wien

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