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Kardiologie 23. April 2012

"Stoppel" statt Blutverdünnung

Mediziner am Grazer LKH-Universitätsklinikum bauen auf eine invasive Methode, wenn Patienten keine blutverdünnenden Medikamente vertragen: "Blutverdünnungsmittel sind der Goldstandard für Patienten mit Vorhofflimmern. Vertragen sie diese aber nicht, weil sie beispielsweise zu Hirnblutungen neigen, kann diese Therapie nicht durchgeführt werden. Dieser speziellen Patientengruppe können wir jetzt eine herzkatheterbasiertes Verfahren anbieten, dass die Gefahr des Schlaganfalls dennoch deutlich reduzieren kann" schilderte Burkert Pieske von der Klinischen Abteilung für Kardiologie.

Implantat als Lösung

Dabei wird das Herzohr, das laut Pieske "ein Rudiment aus unserer evolutionären Entwicklung ist und keine bekannten Funktionen hat", mit einem kleinen Implantat einfach zugestoppelt. Österreichweit wurde der Eingriff dieser Tage erstmals an der Uniklinik Graz durchgeführt. International blickt man auf rund vier Jahre Erfahrung zurück.

Kurzer Eingriff

Das Implantat, ein zusammengefaltetes kleines Metallschirmchen, wird über eine Punktion in der Leistenarterie bis zur Mündung des linken Herzohres vorgeschoben, wo es sich öffnet und die etwa fingerkuppengroßen Teil des Herzens vom restlichen Herzen isoliert. Der Eingriff erfordert einen kurzen stationären Aufenthalt, erfolgt ohne Narkose und dauert ein bis zwei Stunden. Laut Pieske gebe es bundesweit jährlich "mehrere Dutzend Patienten", denen der Eingriff Schutz bieten könnte.

"Hundertprozentigen Schutz vor einem Schlaganfall bietet auch dieses System nicht, wohl aber den bestmöglichen in dieser Situation", so der Grazer Kardiologe.

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