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Herzinfarkte in der Schwangerschaft verlaufen oft komplikationsreicher.
 
Kardiologie 10. April 2012

Selten, aber schwerwiegend

Was an Herzinfarkten bei Schwangeren besonders ist.

Herzinfarkte treten bei Frauen im gebärfähigen Alter extrem selten auf. Im Falle einer Schwangerschaft steigt allerdings das Risiko. Herzinfarkte bei Schwangeren verlaufen häufig schwer. Für die Therapie gelten wegen der besonderen Pathophysiologie eigene Regeln.

 

Im Schnitt erleidet nur eine von etwa 16.000 bis 20.000 Frauen während einer Schwangerschaft oder kurz nach der Geburt einen akuten Myokardinfarkt, berichtete Professor Uri Elkayam aus Los Angeles bei der Jahrestagung des American College of Cardiology (ACC) Mitte März. Obwohl insgesamt sehr niedrig, sei das Infarktrisiko damit drei- bis viermal höher als bei Nicht-Schwangeren der gleichen Altersgruppe.

Elkayam präsentierte in Chicago eine Analyse von 150 in der Zeit nach 2005 aufgetretenen Fällen. In einer vorangegangenen Erhebung waren bereits 228 in der Zeit vor 2005 registrierte Fälle erfasst worden.

Herzinfarkte in der Schwangerschaft nehmen oft einen schweren und komplikationsreichen Verlauf. Die Mortalitätsrate ist mit sieben Prozent deutlich höher als bei nicht schwangeren Infarktpatientinnen gleichen Alters. Die gute Nachricht: Vor 2005 war die Mortalität mit 16 Prozent noch mehr als doppelt so hoch.

Atherosklerotische Gefäßveränderungen sind nur bei einer Minderheit der Schwangeren die Grundlage der Infarktentwicklung. Meist fehlen die einschlägigen Risikofaktoren wie Hypertonie, Diabetes oder Dyslipidämie.

Von größerer Bedeutung sei, dass unter dem Einfluss von Hormonveränderungen in der Schwangerschaft die Festigkeit der Gefäßwand in den Koronararterien abnehme, so Elkayam. Das wiederum begünstige koronare Dissektionen, also die Ablösung der inneren Gefäßwandschichten mit konsekutiver Thrombosierung.

Angesichts dieser Pathomechanismen seien einige der in Leitlinien empfohlenen Therapiemaßnahmen eher gefährlich als hilfreich, warnte Elkayam. Eine Lyse-Therapie etwa könne die Situation eher verschlimmern als verbessern und sei „keine gute Idee“. springermedizin.de/ob

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