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Kardiologie 13. Februar 2012

Herzstillstand auf der Ziellinie

Wie hoch sind die Risken von Langstreckenläufern?

Die Zahl der Menschen, die an einem Halbmarathon- oder Marathonlauf teilnehmen, hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Da Läufern immer wieder während des Wettrennens einen Herz-Kreislauf-Stillstand erleiden, stellt sich zunehmend die Frage nach der Sicherheit dieses Sports.

 

US-Wissenschaftler untersuchten, wie häufig Herzstillstände während und bis zu einer Stunde nach Marathon- und Halbmarathonläufen in den USA zwischen Januar 2000 und Mai 2010 vorkamen. Hierzu befragten die Autoren Überlebende sowie die nächsten Angehörigen von Verstorbenen. Medizinische Daten stammten zudem aus dem Race Associated Cardiac Arrest Event Registry (RACER), das etabliert wurde, um Häufigkeit, klinisches Profil und den Ausgang von Herzstillständen bei Marathonläufen zu dokumentieren.

71 Prozent der Attacken endeten tödlich

59 von insgesamt 10,9 Millionen Läufern erlitten im Studienzeitraum einen Herzstillstand. Dies entspricht einer Inzidenz von 0,54/100.000 Teilnehmer. In den meisten Fällen waren kardiovaskuläre Erkrankungen verantwortlich für das Ereignis. Dabei nahm die Gefahr mit der Streckenlänge zu. 86 Prozent der Attacken traten bei männlichen Läufern auf. So waren männliche Marathonläufer am stärksten gefährdet. In dieser Gruppe stieg die Inzidenz in den Jahren 2005 bis 2010 gegenüber den Jahren 2000 bis 2004 fast um das Dreifache an.

Für 42 von 59 Sportlern mit Herz-Kreislauf-Stillstand endete der Langstreckenlauf tödlich. Die höchsten Überlebenschancen bestanden dann, wenn Helfer versuchten, die Läufer wiederzubeleben oder wenn der Attacke eine andere Ursache als eine hypertrophe Kardiomyopathie zugrunde lag.

Häufigste Todesursache: hypertrophe Kardiomyopathie

Bei 31 Läufern konnte der Grund für den Herz-Kreislauf-Stillstand ermittelt werden. 23 der Sportler verstarben. Bei acht von ihnen war eine hypertrophe Kardiomyopathie festgestellt worden, bei sieben weiteren bestand ein Verdacht auf diese Ursache. Allerdings gesellte sich bei neun Läufern zur hypertrophen Kardiomyopathie eine zweite Komplikation, z. B. eine obstruktive KHK, eine Myokarditis, Aortenklappen- oder Herzanomalien, akzessorische artrioventrikuläre Leitungsbahnen sowie eine Hyperthermie. Läufer ohne linksventrikuläre Hypertrophie waren an einer Hyponatriämie, Hyperthermie, arrhythmogenen rechtsventrikulären Kardiomyopathie oder primären Arrhythmie verstorben.

Läufer, die einen Herzstillstand überlebt hatten, waren im Mittel älter als die verstorbenen (53 vs. 34 Jahre), hatten mehr Erfahrung mit Langstreckenläufen und waren medizinisch besser betreut. Bei fünf von acht der überlebenden Sportler wurde eine ischämische Herzerkrankung festgestellt.

Im Vergleich zu anderen Sportarten ereignen sich bei Langstreckenläufen aber eher wenig Todesfälle. Während für Marathon- und Halbmarathonläufe eine Inzidenz für den plötzlichen Tod von 1/259.000 berechnet wurde, kommen beim Hochschulsport 1/43.700 und bei zuvor gesunden, mittelalten Joggern 1/7.620 Sportler jährlich ums Leben.

Dass mehr Männer als Frauen bei Langstreckenläufen zu Tode kommen, erklären die Autoren mit einer möglicherweise häufiger unerkannt gebliebenen hypertrophen Kardiomyopathie und einer beim Mann in jüngeren Jahren beginnenden Atherosklerose. Wenn sich außerdem immer mehr Läufer dieser Herausforderung stellen, sind zwangsläufig mehr gesundheitlich vorbelastete Sportler darunter. Umso wichtiger ist die Prävention, wobei die prophylaktische Einnahme von Aspirin nur begrenzt wirksam zu sein scheint. Vielmehr sollte in Vorsorgeuntersuchungen stärker auf eine hypertrophe Kardiomyopathie sowie auf Atherosklerose geachtet werden.

springermedizin.de, Ärzte Woche 7 /2012

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