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Kardiologie 24. Jänner 2012

Je früher, desto länger

Je früher Hypertoniker mit der Blutdrucksenkung beginnen, desto mehr Lebenszeit können sie gewinnen.

Blutdrucksenkung verlängert das Leben von Hypertonikern. Erstmals konnten US-Forscher jetzt aufdecken: Jeder Monat, in dem der Blutdruck gesenkt wird, beschert zusätzliche Lebenszeit.

 

Durch medikamentöse Blutdrucksenkung konnte in placebokontrollierten Studien die Inzidenz tödlicher und nicht tödlicher kardiovaskulärer Ereignisse deutlich reduziert werden.

In einigen Fällen ist die Nachbeobachtung fortgesetzt worden. Gezeigt werden konnte, dass der Überlebensvorteil der aktiv behandelten Verumgruppe auch in der Phase der prolongierten Nachbeobachtung, in der allen Teilnehmern eine blutdrucksenkende Therapie empfohlen worden war, erhalten blieb. Unklar ist aber, ob und in welchem Maße aus der Blutdrucksenkung auf lange Sicht eine Verlängerung des Lebens resultiert. Die SHEP-Studiengruppe lieferte nun erstmals solche Daten (JAMA 2011; 306: 2588).

Eine placebokontrollierte Hypertonie-Studie wie SHEP (Systolic hypertension in the Elderly Program) wäre heute (Studienbeginn war März 1984) aus ethischen Gründen nicht mehr möglich. Mehr als 4.700 ältere Hypertoniker mit isolierter systolischer Hypertonie sind im Schnitt 4,5 Jahre lang mit dem Diuretikum Chlortalidon (bei Bedarf zusätzlich Atenolol) oder Placebo behandelt worden.

158 Tage länger leben

Als Folge der im Studienverlauf erzielten Blutdrucksenkung – im Mittel lagen die Werte bei 143/78 mmHg (Verum) und 155/72 mmHg (Placebo) – wurde die Inzidenz von kardiovaskulären Ereignissen signifikant reduziert. Allerdings ergaben sich weder bei der kardialen noch bei der Gesamtmortalität signifikante Unterschiede zwischen beiden Gruppen. Nach Studienabschluss wurde allen Teilnehmern die weitere Therapie ans Herz gelegt.

Für die aktuelle Studie hat die SHEP-Gruppe anhand eines Sterberegisters alle Todesfälle unter den Studienteilnehmern und deren Ursache bis zum 31. Dezember 2006 ermittelt. Die Dauer der Nachbeobachtung, vom Zeitpunkt der Randomisierung an gerechnet, betrug damit knapp 22 Jahre. Das Ergebnis: In der Studie antihypertensiv behandelte Patienten lebten im Schnitt 158 Tage länger als jene der Placebogruppe, ohne von einem tödlichen kardiovaskulären Ereignis betroffen zu sein. Bei Berücksichtigung von Todesfällen jeglicher Ursache belief sich der Überlebensvorteil auf 105 zusätzliche Tage Lebenszeit.

Lebensverlängerung auch im Alter

Nach Berechnungen der Autoren resultiert daraus folgende Formel: Mit jedem Monat, den ein Hypertoniker unter kontinuierlicher antihypertensiver Therapie verbringt, erhöht sich die Lebenszeit, die er ohne eine tödliche kardiovaskuläre Komplikation verbringt, um einen zusätzlichen Tag. Die Lebenszeit ohne Eintreten eines tödlichen Ereignisses jeglicher Ursache verlängert sich jeweils um einen halben Tag.

Zusätzlich wurde eine zweite Berechnung angestellt – der Vergleich der Zeitspannen, innerhalb derer 30 Prozent aller Studienteilnehmer gestorben waren. Gemessen an der kardiovaskulären Mortalität wurde dieser Zeitpunkt bei den Patienten der ursprünglichen Verumgruppen im Vergleich zu jenen der Placebogruppe erst 1,4 Jahre später erreicht (17,8 versus 16,4 Jahre). Gemessen an der Gesamtmortalität verlängerte sich die Zeitspanne um rund ein halbes Jahr (11,5 versus 11,0 Jahre).

Zu bedenken ist, dass die beobachtete Lebensverlängerung bei Patienten erreicht wurde, die zu Therapiebeginn bereits im Schnitt 72 Jahre alt waren. Bei einem noch früheren Start der antihypertensiven Therapie könnte der Überlebensvorteil noch größer sein. Auch zeigt die Analyse, dass der lebensverlängernde Effekt mit der Güte der Blutdruckeinstellung, gemessen am Erreichen der systolischen Zielwerte, größer wurde.

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