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Kardiologie 14. Dezember 2011

Bakterielle Endokarditis

Eine frühe Operation verhindert zerebrale Embolien.

Patienten mit bakterieller Endokarditis und großen Vegetationen sollten sofort nach der Diagnosestellung operiert werden. Im Vergleich zu einer antibiotischen Therapie verhindert diese Strategie Embolien, v. a. Schlaganfälle.

 

Die bakterielle Endokarditis ist eine seltene Erkrankung mit hoher Morbidität und Mortalität, die in der Regel Patienten mit vorbestehenden Herzerkrankungen betrifft. Zu den Komplikationen gehören Sepsis, Embolien, Schlaganfälle sowie Herzinsuffizienz aufgrund schwerer Klappenerkrankungen.

Wann der optimale Zeitpunkt für eine operative Entfernung des infektiösen Materials nebst Reparatur der Klappe ist, wurde jetzt erstmals in der offenen, randomisierten EASE-Studie (Randomized Trial of Early Surgery versus Conventional Treatment for Infective Endocarditis) untersucht. Die Studie aus Korea unter Leitung von D.-H. Kang vom Asan Medical Center in Seoul randomisierte 76 Patienten mit bestätigter bakterieller Endokarditis, die entweder innerhalb von 24 Stunden nach Diagnosestellung operiert wurden oder aber gemäß Leitlinie zunächst antibiotisch behandelt wurden.

Große Klappenvegetationen

Patienten mit absoluter Operationsindikation sowie Patienten mit niedrigem Embolierisiko wurden nicht randomisiert. Zu den Einschlusskriterien gehörten eine schwere Mitral- oder Aortenklappen-Erkrankung sowie Vegetationen von mindestens 10 mm Länge. Patienten nach Klappenersatz waren ausgeschlossen. In beiden Gruppen wurde 4 bis 6 Wochen lang antibiotisch behandelt.

Bei den randomisierten Patienten waren in 60 Prozent die Mitralklappe, in 30 Prozent die Aortenklappe und in 10 Prozent beide Klappen betroffen. 72 Patienten litten an einer schweren Klappeninsuffizienz, vier Patienten an schweren Klappenstenosen. Dominierender Erreger war Streptococcus.

Embolierate null Prozent versus 21 Prozent

Wie sich zeigte, mussten 77 Prozent der zunächst der antibiotischen Therapiegruppe zugeordneten Patienten im Schnitt 15 Tage nach der Randomisierung doch elektiv oder dringend operiert werden. Das frühe operative Vorgehen bot prognostische Vorteile: Innerhalb von sechs Wochen (primärer Endpunkt) war in jeder Gruppe ein Patient verstorben. In der Operationsgruppe wurden darüber hinaus keine Embolien beobachtet, in der Antibiotika-Gruppe hingegen acht Embolien, davon fünf zerebral, eine koronar, eine in die Milz und eine ins Bein. Der Unterschied bezüglich des primären Endpunkts war statistisch signifikant (p = 0,014). Nach sechs Monaten waren in der Antibiotika-Gruppe zwei Patienten gestorben und neun weitere hatten Embolien. In der Operationsgruppe blieb es bei einem Todesfall und keinen Embolien.

springermedizin.de / FH, Ärzte Woche 50 /2011

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