zur Navigation zum Inhalt
 
Kardiologie 7. Juni 2011

Therapieresistente Hypertonie dauerhaft reduzieren

Alternative zu Medikamenten: Einfache Operation verringert Bluthochdruck und verbessert Zuckerstoffwechsel.

Gute Nachrichten für Bluthochdruck-Patienten, die auf Medikamente nicht gut ansprechen: Überaktive Nierennerven, die Bluthochdruck verursachen, können mit einem einfachen Eingriff mittels Hochfrequenzstrom verödet und ausgeschaltet werden. „Es kann mit einer schnellen Normalisierung des Blutdrucks gerechnet werden“, berichtete Prof. Dr. Michael Böhm, Klinik für Innere Medizin III, Universitätsklinikum des Saarlandes, Homburg/Saar, anlässlich der Jahrestagung der deutschen Gesellschaft für Kardiologie.

 

„Im Durchschnitt kann der Blutdruck um 30 bis 40 mmHg gesenkt werden. Das als interventionelle renale Sympathikusdenervation bezeichnete, per Katheter ausgeführte Verfahren kann bei Patienten, bei denen auch unterschiedliche blutdrucksenkende Medikamente nicht helfen, möglicherweise die Therapie der Wahl sein. Die Ergebnisse sind beeindruckend, wir sind sehr optimistisch“, so Böhm.

Die neue Therapiemethode führt nicht nur in Ruhe, sondern auch unter körperlicher Belastung und in der Erholungsphase zu einer deutlichen und signifikanten Blutdruckreduktion.

„Erstmals konnte jetzt gezeigt werden, dass sich auch die Zuckerstoffwechsel-Situation nach dem Eingriff deutlich verbessert“, so der Experte. Das ist besonders angesichts des hohen Herz-Kreislauf-Risikos von Patienten mit nicht einstellbarem Bluthochdruck interessant und eröffnet neue therapeutische Ansätze mit dem Ziel der Reduzierung von Risikofaktoren.

Bei Bluthochdruck ist die Regulation des sympathischen Nervensystems häufig gestört und die Niere schüttet vermehrt Stresshormone wie Adrenalin aus. Die überaktiven Nervenenden werden per Katheter mittels Hochfrequenzstrom verödet und somit ausgeschaltet. Der Eingriff erfolgt an beiden Nieren minimal-invasiv jeweils über die Nierenarterie und dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Die Patienten sind während des Eingriffs ansprechbar. Ziel ist es, den Blutdruck dauerhaft zu senken und die Medikamenteneinnahme langfristig zu reduzieren, da viele der Betroffenen bis zu neun verschiedene Präparate täglich einnehmen müssen, jedoch ohne deutlichen Erfolg. „Wir haben mittlerweile fast 50 Patienten behandelt“, so Böhm.

Fallen die laufenden Studien positiv aus, wird sich das neue Verfahren in der regulären Therapie von Bluthochdruckerkrankungen etablieren. Dies würde eine entscheidende Verbesserung in der Behandlung von schweren Bluthochdruckerkrankungen und deren Folgen bedeuten und könnte auch Folgeerkrankungen wahrscheinlich vorbeugen.

Zu diesem Thema wurden noch keine Kommentare abgegeben.

Mehr zum Thema

<< Seite 1 >>

Medizin heute

Aktuelle Printausgaben