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Prof. Dr. Rochus Pokan Abteilung Sportphysiologie, Institut für Sportwissenschaft, Universität Wien

 
Kardiologie 7. Juni 2011

Internistischer Untersuchungsgang in der Sportmedizin

Aktuelle Empfehlungen. Doz. Mag. DDr. Manfred Wonisch

Das Risiko von körperlicher Aktivität mit moderater, aber auch höherer Intensität ist im Allgemeinen bei Gesunden sehr gering. Bei Menschen mit latenten oder manifesten Herzerkrankungen nimmt das kardiovaskuläre Morbiditäts- und Mortalitätsrisiko während und unmittelbar nach Belastung zu. Dabei stehen bei jüngeren Personen angeborene Herzerkrankungen als Ursache an erster Stelle, bei Personen über 35 Jahre vor allem erworbene Herzerkrankungen, die in Zusammenhang mit körperlicher Aktivität zum Tod führen können. Mithilfe sportmedizinischer Untersuchungen können Personen mit erhöhtem Risiko gefunden werden.

 

Die Inzidenz des plötzlichen nicht traumatischen Todes in Zusammenhang mit körperlicher Aktivität bei einer jungen (unter 35 Jahre) Wettkampfsport treibenden Population ist um das 2,35-fache gegenüber der Normalbevölkerung erhöht, die sportmedizinische Untersuchung aber kann durch Selektion und ggf. Therapie von Personen mit Risikokonstellationen dieses erhöhte Risiko wieder reduzieren.

Herausfiltern von Personen mit erhöhtem Risiko

Sinn einer sportmedizinischen Basisuntersuchung ist es somit, aus einem Sport treibenden Gesamtkollektiv diejenigen Personen herauszufiltern, für die körperliche Aktivität ein erhöhtes Risiko darstellt.

Sie dient außerdem dazu, bei Gesunden wie chronisch Kranken vor Beginn eines Trainings oder Rehabilitationsprogramms die Belastbarkeit festzustellen, um dann ein gezieltes Training zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit empfehlen zu können. Mit Vorstandsbeschluss der Österreichischen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention (ÖGSMP) vom 9. Oktober 2009 wurden schließlich im Journal für Kardiologie die derzeit aktuellen „Empfehlungen für den internistischen Untersuchungsgang in der Sportmedizin“ veröffentlicht.

Belastungsuntersuchungen

Die Untersuchung beinhaltet, neben einer sorgfältigen Erhebung von Anamnese, Trainingsanamnese (Anamnesebogen zum selbständigen Ausfüllen durch die Sportler), klinisch-physikalischem Status, obligatorisch sowohl ein 12-Ableitungs-EKG als auch eine Blutdruckmessung in Ruhe und unter maximaler Belastung. Zur Feststellung der körperlichen Leistungsfähigkeit und zur darauf aufbauenden Trainingsberatung bzw. zur Festlegung von Trainingsintensitäten ist die Durchführung eines Belastungstests unbedingt notwendig. Ein Belastungs-EKG mit Blutdruckmessung sollte daher auf Grund der speziellen Beratungssituation des Sportlers bzw. Patienten obligater Bestandteil des Untersuchungsganges in der Sportmedizin sein. Empfehlungen für die Trainingstherapie ergeben sich aus dem Ergometriebefund, gegebenenfalls Herzfrequenz- oder Laktat-Diagnostik bzw. der Atemgasanalyse. Belastungsuntersuchungen werden hinsichtlich Indikationen, Kontraindikationen, Durchführung und Bewertung entsprechend den aktuellen Ergometrie-Guidelines der Österreichischen Kardiologischen Gesellschaft empfohlen. Die Durchführung von weiterführenden Untersuchungen ist von der Fragestellung und dem Ergebnis der Basisuntersuchung abhängig. Empfehlungen für weiterführende Diagnostik kardiovaskulärer Erkrankung können dem Flussdiagramm (siehe Abbildung) entnommen werden. Darüber hinaus sollte eine Lungenfunktion bei folgenden Fragestellungen durchgeführt werden:

a. Unklarer Husten über zwei bis drei Monate bzw. Dyspnoe oder thorakale Schmerzen,

b. Verdacht auf Asthma bronchiale bzw. exercise induced asthma,

c. Verdacht auf obstruktive bzw. restriktive Lungenerkrankung,

d. Verdacht auf Stenose der oberen Atemwege (z. B. Trachealstenose),

e. Verdacht auf Diffusionsstörung mit Sättigungsabfall unter Belastung, jährliche Spirometrie mit Lyse bzw. Provokation zur Beantragung der medizinischen Ausnahmegenehmigung (TUE = Therapeutic Use Exemption) entsprechend den Anti-Doping-Bestimmungen bei Athleten, die den Anti-Doping-Bestimmungen unterliegen (Anti-Doping Bundesgesetz, siehe Linktipp).

Labor

Je nach Indikation ist die Bestimmung folgender Laborparameter sinnvoll: Bei Verdacht auf Vorliegen metabolischer Risikofaktoren: Gesamt-, HDL-, LDL-Cholesterin, Triglyzeride sowie Glukose, Harnsäure und Gamma-GT. TSH insbesondere bei Fettstoffwechselstörungen oder Rhythmusstörungen. Bei Verdacht auf Anämie besonders bei Ausdauerathleten und Vegetariern Bestimmung des roten Blutbildes und Ferritins bzw. CRPs. Die Bestimmung des CRPs erfolgt, um einen entzündlichen Prozess auszuschließen, der Ferritin als Akutphaseprotein erhöhen und so einen Eisenmangel verschleiern würde. Bei Rhythmusstörungen oder Einnahme entsprechender Medikamente: Elektrolyte, Na, K, Cl, Mg. Bei Muskelschmerzen: CK, GOT, GPT.

Vollständige Untersuchung dringend empfohlen

In Österreich gibt es keine gesetzliche Grundlage, die Sport treibende Personen zu einer sportmedizinischen Untersuchung verpflichtet. Manche Sportfachverbände verlangen lediglich die Unterschrift eines Arztes, die die Sporttauglichkeit bestätigt, bevor die Athleten zu Wettkämpfen antreten dürfen. Auch die Finanzierung ist länderweise unterschiedlich, die Sozialversicherungen leisten mit wenigen Ausnahmen keinen Kostenersatz. In manchen Ländern werden Gutscheine für Angehörige von Landeskadern vergeben, die jedoch den Aufwand nur teilweise decken.

Daher sind die Kosten vom Athleten meist selbst zu tragen. Da die Bereitschaft dazu unterschiedlich ist, wird nicht selten auf die Untersuchung verzichtet oder diese nur minimalistisch durchgeführt. Beides ist im Interesse dieser Sportler und Patienten unverantwortlich und entschieden abzulehnen. Ein Verzicht auf einzelne Untersuchungsschritte ist bei Sportlern niemals inhaltlich, sondern immer finanziell begründet, was auf die Empfehlung aber keinen Einfluss haben darf.

Nicht ausschließlich bei Wettkampfsportlern

Die Autoren halten es daher für unumgänglich, dass diese Empfehlungen sowohl bei Bewegungsprogrammen zur Anwendung gelangen müssen, die von staatlichen oder nicht-staatlichen Institutionen durchgeführt werden, als auch bei Personen, die nicht organisiert regelmäßig und unregelmäßig körperlich aktiv sind.

 

 http://www.nada.at

 

Prof. Dr. Harald Gabriel und Dr. Karin Vonbank sind an der Universitätsklinik für Innere Medizin II, MedUni Wien tätig.

Prof. Dr. Helmut Hörtnagl ist Vorstand des Instituts für Sport und Kreislaufmedizinam Landeskrankenhaus Innsbruck.

Dr. Andrea Podolsky leitet das Institut für Präventiv- und Angewandte Sportmedizin am Landesklinikum Krems und Doz. Mag. DDr. Manfred Wonisch arbeitet als ärztlicher Leiter des SKA Rehabilitationszentrums für Herz-Kreislauferkrankungen.

 

Der Originalartikel inklusive Literaturquellen ist nachzulesen in der Wiener Medizinischen Wochenschrift-Skriptum 6/2011.

© Springer-Verlag, Wien

Von Prof. Dr. Rochus Pokan, Prof. Dr. Harald Gabriel, Helmut Hörtnagl, Dr. Andrea Podolsky, Dr. Karin Vonbank und , Ärzte Woche 23 /2011

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