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Kardiologie 10. Mai 2011

Keine typischen Symptome

Apoplexie bei Kindern ist überwiegend mit Krampfanfällen verbunden.

Schlaganfälle bei Neugeborenen werden häufig übersehen und damit wertvolle Zeit vergeudet. Beim ersten Kongress zum Schlaganfall bei Kindern in Gütersloh wurden bisher kaum bekannte Daten zur Epidemiologie und zum Verlauf vorgestellt.

 

Jeder dritte Schlaganfall bei Kindern fällt nach Angaben von Dr. Ronald Sträter vom Uniklinikum Münster in die Perinatalperiode. Nicht alle diese Kinder werden aber sofort richtig diagnostiziert. Der Schlaganfall wird im Gegenteil oft verkannt, denn die typischen Symptome mit Halbseitenlähmung, Sprachstörungen, einseitigen Sehstörungen und plötzlicher einseitiger Gefühllosigkeit stehen gerade bei Schlaganfällen im Neugeborenenalter nicht im Vordergrund. Stattdessen äußern sich Schlaganfälle überwiegend mit zerebralen Krampfanfällen. Oft liegen aber auch nur unspezifische Symptome wie Atemstörungen oder Muskelschwäche vor oder die Kinder wollen nicht trinken.

Beschwerden nehmen über die ersten Jahre hinweg zu

Typisch für einen Schlaganfall in den ersten Lebensmonaten ist zudem, dass die zurückbleibenden Beschwerden über die ersten Lebensjahre hinweg zunehmen, auch bei optimaler Krankengymnastik.

Sträter präsentierte eine aktuelle Auswertung des in Münster etablierten Schlaganfallregisters bei Kindern. Sie basiert auf Daten von 815 Kindern. Betroffen ist danach überwiegend die linke Großhirnhemisphäre – etwa 60 Prozent. Jeder vierte betrifft die rechte Hemisphäre, und knapp jeder zehnte das Versorgungsgebiet der Vertebralarterien. Die übrigen Kinder haben mehrere betroffene Gefäßregionen.

Korrelierende Risikofaktoren

Das Münsteraner Register erlaubt auch Aussagen zur Pathogenese. Monokausale Zusammenhänge gibt es hier nicht, wohl aber eine ganze Reihe von Risikofaktoren, die mit ischämischen Ereignissen korrelieren. So hat etwa jedes fünfte Kind mit Schlaganfall einen angeborenen Herzfehler. Bei jedem fünften bis sechsten Schlaganfall sind Infektionen als auslösende Faktoren von Bedeutung. Zwei von drei Säuglingen mit Schlaganfall weisen auch eine Gerinnungsstörung auf. „Das sind deutlich mehr als jene 24 Prozent, die wir in Vergleichskollektiven finden“, so Sträter. Wie hoch das Schlaganfallrisiko bei Gerinnungsstörungen im Einzelfall ist, hängt von der Art der Gerinnungsstörung ab. Eine Faktor-V-Leiden-Mutation erhöht das Risiko etwa vierfach, das Vorliegen von gleichzeitig zwei Gerinnungsanomalien etwa um das Dreißigfache.

„Die Gerinnung zu kennen ist für die individuelle Prophylaxeempfehlung wichtig“, betonte Prof. Ulrike Nowak-Göttl, Uniklinik Münster, da es zu Rezidivschlaganfällen kommen kann. Diese könnten durch rechtzeitige Gerinnungsprophylaxe vermieden werden.

Untersuchungen zum Langzeitverlauf zeigen, dass in der Altersgruppe mit einem Schlaganfall zwischen dem 4. und 7. Lebensjahr bei zwei von drei Kindern im Median 4,1 Jahre nach dem Ereignis zumindest ein neurologisches Defizit vorlag, bei den älteren Kindern waren es etwa die Hälfte. Bezüglich Lebensqualität schnitten Kinder mit Schlaganfall durchwegs schlechter ab als Kinder in Vergleichsgruppen.

Klar ist, dass der Langzeitverlauf nach einem Schlaganfall auch entscheidend davon abhängt, ab wann und wie intensiv die Rehabilitation erfolgt. Der Stellenwert der Lysetherapie ist bei Kindern dagegen unklar. Dass Neurorehabilitation effektiv ist, wird durch eine zunehmende Zahl an Studien untermauert.

„Entscheidend bei allen Reha-Formen ist, dass die Therapeuten alltagsnahe und überprüfbare Ziele setzen“, betonte Dr. Matthias Spranger vom Neurologischen Rehabilitationszentrum Friedehorst in Bremen.

 

 

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