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Blutdrucksenkung auch bei Diabetikern mit Maß und Ziel.
 
Kardiologie 10. Mai 2011

Senken, aber nicht übertrieben

Typ-2-Diabetiker profitieren nicht von Blutdruckwerten unter 130 mmHg systolisch.

Da Diabetes Typ 2 und Hypertonie hinsichtlich Sterblichkeit und kardiovaskulären Komplikationen eine Hochrisiko-Konstellation darstellen, wurde Betroffenen bis vor kurzem eine besonders niedrige Blutdruckeinstellung auf Werte unter 130/80 mmHg empfohlen, obwohl sich die Studienlage für dieses Vorgehen bisher weder eindeutig noch abschließend zeigt. „Vergleiche und Analysen mehrerer Studien (ADVANCE, UKPD u.a.) unterstützen die Annahme einer so überstrengen Senkung nicht. Die Studien zeigen, dass Typ-2-Diabetiker hinsichtlich Herzinfarkt und Sterblichkeit von einer straffen Blutdruckeinstellung unter 130 mmHg systolisch nicht profitierten“, sagte Prof. Ulrich Kintscher, Center for Cardiovascular Research Charité – Universitätsmedizin Berlin

In Übereinstimmung mit den Empfehlungen der europäischen Hochdruckleitlinien ist bei Diabetikern eine Blutdruckeinstellung zwischen 130-139/80-85 mmHg anzustreben, wobei das Optimum im unteren Bereich liegt. Neue Studien (ACCORD) liefern keine Evidenz, dass Werte unterhalb 130 systolisch zwangsläufig zu einer Risikozunahme führen.

Antihypertensive Kombinationstherapie

Die überwiegende Anzahl der Patienten mit arterieller Hypertonie benötigt zum Erreichen der Zielwerte häufig zwei oder mehr Antihypertensiva. „Hier ist eine Kombination aus unterschiedlichen Klassen mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zu empfehlen, um die Wirksamkeit der Therapie zu erhöhen und Nebenwirkungen zu reduzieren“, so Kintscher.

Auch zu Beginn der antihypertensiven Behandlung kann eine frühe medikamentöse Kombinationstherapie Vorteile haben, besonders bei Patienten mit hohem Ausgangsblutdruck und hohem kardiovaskulären Risiko. Die Vorteile bestehen in einer effektiveren und schnellen Blutdrucksenkung.

Mehrere Kombinationen aus zwei unterschiedlichen Substanzklassen haben sich als effizient und gut verträglich herausgestellt. Das sind z.B. Kombinationen aus Diuretika und ACE-Inhibitoren bzw. AT1-Rezeptorblockern, aus Calciumantagonisten und ACE-Inhibitoren bzw. AT1-Rezeptorblockern sowie Kombinationen aus Calciumantagonisten und Diuretika. „Single pill“-Kombinationen verbessern dabei die Compliance.

„Bei 15-20 Prozent der Patienten können die Zielblutdruckwerte mit einer Zweierkombination jedoch nicht erreicht werden. Im Falle einer erforderlichen Dreierkombination scheint die Verwendung eines Blockers des Renin-Angiotensin-Systems, ein Calciumantagonist und ein Diuretikum sinnvoll“, so Kintscher.

 

Quelle: Pressegespräch anlässlich der 77. Jahrestagung der DGK

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