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Kardiologie 19. April 2011

Vorchristliche Atherosklerose

Arterienverkalkungen bereits bei Mumien.

Atherosklerose kann endgültig nicht nur als Folge modernen Lebensstils beschrieben werden. Schon die alten Ägypter zeigten Gefäßverkalkungen.

Ein US-amerikanisches Team um den Nuklearkardiologen Dr. Gregory S. Thomas von der Universität Irvine in Kalifornien untersuchte 52 zwischen 3.500 und 1.800 Jahre alte ägyptische Mumien in einem modernen Ganzkörper-Mehrschicht-CT-Scanner. Bei 43 ließen sich Gefäße identifizieren, bei 20 war das Herz erhalten.

Ägypter mit Mumienbegräbnis gehörten zu einer elitären Oberschicht. Trotz Bediensteten und Nahrung im Überfluss ernährte sich diese gesünder und bewegte sich mehr als der moderne Mensch der Neuzeit, bestätigen Ägyptologen.

Vor diesem Hintergrund überrascht der Fund von atherosklerotischen Läsionen bei nicht weniger als 20 der 43 Mumien. Die Lokalisationen betrafen wie heute primär die Aorta, die Koronararterien sowie die A. subclavia, A. Iliaca., A. Femoralis, A. Poplitea und die A. tibialis. Sechs der Mumien litten unter Atherosklerose in mindestens vier Gefäßprovinzen. Die 20 Mumien mit Atherosklerose waren bei ihrem Tod älter (geschätztes Durchschnittsalter 45 Jahre) als diejenigen ohne Atherosklerose (33 Jahre).

Besonders spektakulär ist der gesicherte Nachweis von Koronarverkalkungen bei zwei Mumien. Die älteste bis dato bekannte Koronarpatientin ist demzufolge eine ägyptische Prinzessin, die in den Jahren 1580 bis 1540 vor Christus lebte und schätzungsweise im Alter von Mitte 40 verstarb. Bei dem anderen Koronarpatienten handelte es sich um einen Mann, der einige Jahrhunderte später im Alter von Mitte 50 verstarb.

Schon die alten Ägypter litten damit unter den gleichen Erkrankungen des Herzkreislaufsystems, die inzwischen weltweit zur häufigsten Todesursache avancierten. Die genetische Prädisposition scheint eine größere Rolle zu spielen, als gemeinhin angenommen wird.

 

SpringerMedizin.de/FH, Ärzte Woche 16 /2011

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