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Kardiologie 19. April 2011

Besser einen Monat lang

Thromboseprophylaxe bei internistischen Patienten.

Akut erkrankte internistische Patienten erleiden weniger Thromboembolien bei einer 35-tägigen Prophylaxe mit Rivaroxaban im Vergleich zur 10-tägigen Behandlung mit Enoxaparin. Allerdings verursacht der Faktor Xa-Inhibitor mehr Blutungen.

Die Wirksamkeit einer Thromboseprophylaxe wurde v.a. bei chirurgischen und orthopädischen Patienten untersucht. 50-70 Prozent aller symptomatischen thrombembolischen Komplikationen sowie 70-80 Prozent aller Lungenembolien betreffen jedoch nicht-chirurgische Patienten mit akuten internistischen Erkrankungen.

Üblicherweise wird eine Thromboseprophylaxe bei diesen Patienten über 6-14 Tagen durchgeführt. Wie lange das Thromboserisiko erhöht ist und ob eine längere Thromboseprophylaxe sinnvoll ist, ist jedoch unklar. Daher wurde die MAGELLAN-Studie mit über 8.000 Patienten durchgeführt. Diese litten unter unterschiedlichen akuten Erkrankungen, darunter schweren Infektionskrankheiten, Herzinsuffizienz, akuten Lungenerkrankungen, Schlaganfall und Krebserkrankungen. 30 Prozent hatten mehrere Krankheiten.

Untersucht wurden zwei Strategien der Thromboseprophylaxe: Die Hälfte der Patienten erhielt 10 Tage Enoxaparin, die andere 35 Tage Rivaroxaban. Nach 10 Tagen hatten in beiden Gruppen jeweils 2,7 Prozent eine Thrombembolie, von denen in beiden Gruppen jeweils 2,4 Prozent asymptomatisch verliefen. Nach 35 Tagen hatten in der Enoxaparin-Gruppe 5,7 Prozent der Patienten Thrombembolien erlitten, wovon 4,4 Prozent asymptomatisch blieben. In der Rivaroxaban-Gruppe wurden bei 4,4 Prozent der Patienten Thrombembolien registriert, davon 3,5 Prozent asymptomatische. Die relative Risikosenkung durch Rivaroxaban war statistisch signifikant. 19 (Riva) bzw. 30 (Enoxa) Patienten starben an dieser Komplikation. Diese Daten zeigten auch, dass sich das Thromboserisiko internistischer Patienten nicht auf die Zeit der Hospitalisation beschränkt.

Der Vorteil des Faktor Xa-Inhibitors in der Wirksamkeit wurde jedoch durch das erhöhte Blutungsrisiko wieder aufgehoben. Der klinische Gesamtnutzen, der Thrombembolien und Blutungen addiert, war in Summe in der Enoxaparin-Gruppe größer. Mortalität, kardiovaskuläre Komplikationen oder Leberstörungen waren in beiden Gruppen gleich häufig.

Fazit von Studienautor

Akut erkrankte internistische Patienten sollten einen Monat lang eine Thromboseprophylaxe erhalten. Ob es nicht doch Patientengruppen gibt, in denen Rivaroxaban Enoxaparin insgesamt überlegen ist, müssen Subgruppenanalysen des sehr heterogenen Patientenkollektives zeigen, die noch ausstehen.

SpringerMedizin.de/FH, Ärzte Woche 16 /2011

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