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Herz
 
Kardiologie 21. April 2011

Überraschende Spätschäden fürs Herz

Wirbelsturm Katrina hinterließ in New Orleans eine Spur der Verwüstung – wie es scheint, auch in den Herzen der Menschen.

Äußerlich scheint New Orleans die Katastrophe einigermaßen überwunden zu haben, die Einwohner allerdings leiden noch immer unter einer erhöhten Herzinfarktrate - fünf Jahre, nachdem der Hurricane Katrina die Küstenstadt am Mississippi verwüstet hat. Die Infarktrate ist sogar um das Dreifache gestiegen, berichtete Dr. Anand Irimpen von der Tulane Universität.

Irimpen hatte bereits zwei Jahre nach dem Hurricane eine Analyse vorgelegt, die eine signifikante Zunahme von Infarkten zeigte. Er hatte aber nicht damit gerechnet, dass dieser Infarkt-Boom fünf Jahre anhält. „Die dreifache Erhöhung der Infarktrate im Vergleich zu den Jahren vor dem Unglück persistierte, ohne dass sich die traditionellen Risikofaktoren wie Hypertonie, Adipositas und Typ-2-Diabetes verändert hätten. Wir hatten in unserer ersten Studie zwar Hinweise auf nachteilige Effekte auf das Herz, jetzt sehen wir, dass diese viel weitreichender sind als erwartet.“

Post-Katrina-Stress-Störung

Offenbar sind im Langzeitverlauf neue Faktoren hinzugekommen. In der 2-Jahres-Post-Katrina-Analyse spielten weder die psychiatrischen Komorbiditäten wie Depression, Schizophrenie und bipolare Störungen ebenso wenig ein größere Rolle wie eine KHK in der Anamnese oder der Familienstand, in der 5-Jahres-Analyse aber sehr wohl, betonte Irimpen. Er vermutet, dass es zu einer Latenzzeit bis zur Manifestation der psychiatrischen Erkrankungen gekommen ist. Treibende Kraft sei noch immer chronischer Stress, er spricht deshalb auch von einer „Post-Katrina-Stress-Störung“. Viele der Patienten sind noch nicht in ihre Häuser zurückgekehrt, sind arbeitslos und können sich nicht um ihren Lebensstil kümmern.

Diese Interpretationen beruhen auf einer retrospektiven Beobachtungsstudie aus dem Tulane Universitätshospital. Erfasst wurden die zwei Jahre vor und vier Jahre nach der Überflutung. Die entsprechenden Krankenakten der Prä- und Post-Katarina-Gruppen wurden dann verglichen, und zwar nicht nur die klinischen Daten, sondern auch die demographischen einschließlich des Sozialstatus. Die Ergebnisse: Patienten, die nach dem Hurricane einen Myokardinfarkt bekamen, waren im Vergleich zur Prä-Katrina-Gruppe häufiger:

  • arbeitslos (17% vs 2 %),
  • ohne Krankenversicherung (12 vs 6%),
  • Raucher (58 vs 17%);
  • nicht bereit, ihren Therapieplan einzuhalten (25 vs 7%).

Patienten der Post-Katrina-Gruppe erlitten auch häufiger einen Rückfall (32% vs 17%) und wiesen häufiger psychiatrische Komorbiditäten auf (10 vs 6 %). Diese und eine Reihe weiterer Unterschiede waren alle statistisch signifikant, versicherte Irimpen.

Insgesamt kam es in der Post-Katrina-Gruppe zu 629 bestätigten akuten Myokardinfarkten aus einer Gesamtzahl von 29.228 Patienten (2,2%), vor Katrina hatten von 21.229 Patienten 150 einen akuten Myokardinfarkt (0,7%), der p- Wert <0.001.

Die praktischen Konsequenzen: Katrina-Opfer müssen aufmerksamer betreut und kontrolliert werden. Aus diesen Erfahrungen in New Orleans könnte man auch für künftige Naturkatastrophen lernen.

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