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Prof. Dr. Gert Mayer Universitätsklinik für Innere Medizin IV, Nephrologie und Hypertensiologie, MedUni Innsbruck
 
Kardiologie 23. März 2011

Das kardiorenale Syndrom

Es werden fünf Typen unterschieden. Prof. Dr. Gert Mayer

Obwohl Herz- und Nierenerkrankungen sehr häufig gemeinsam auftreten, wurde lange Zeit der Begriff des „kardiorenalen Syndroms“ nur verwendet, um jene klinische Situation zu beschreiben, in der eine Intensivierung der kardialen Therapie bei Herzinsuffizienz wegen zunehmender renaler Nebenwirkungen nicht möglich ist. Erst in den letzten Jahren ist klar geworden, dass die Interaktion zwischen den beiden Organen komplexer ist, als bisher angenommen wurde, und ganz spezifische Veränderungen auftreten, die die Prognose, aber auch die optimale Therapie beeinflussen.

 

Ronco et al. haben fünf Typen definiert. Bei akuten bzw. chronischen kardiorenalen Syndromen (Typ 1, 2) verursachen akute oder chronische Herzerkrankungen Veränderungen der Nierenfunktion, bei akuten bzw. chronischen renokardialen Syndromen (Typ 3, 4) sind renale Pathologien Auslöser von Herzerkrankungen; Typ 5 beschreibt sekundäre Syndrome, wie sie bei Systemerkrankungen wie Diabetes mellitus auftreten können. Vor allem am Beispiel des chronischen renokardialen Syndroms (Typ 4) lässt sich gut demonstrieren, dass die Folgen für den Patienten weit über die zeitliche Koinzidenz von zwei erkrankten Organsystemen hinausgehen.

Komplexe Pathophysiologie

Patienten mit einer chronischen Nierenerkrankung entwickeln besonders häufig eine Linkshypertrophie und haben ein überproportional hohes Risiko, an einem plötzlichen Herztod zu versterben. Des Weiteren können Störungen des Kalzium-Phosphat-Vitamin D- und Parathormonhaushaltes und Knochenstoffwechsels bei fortschreitender Niereninsuffizienz zur Kalzifizierung der vaskulären Media beitragen. Der damit verbundene Verlust der aortalen Elastizität führt zu einer Zunahme der Pulswellengeschwindigkeit, die frühzeitig eintreffende Reflexionswelle zu einer Zunahme der ventrikulären Nachlast bei gleichzeitig reduziertem Sauerstoffangebot. Diese Veränderungen, gemeinsam mit den bei Niereninsuffizienz auftretenden Elektrolytstörungen, dürften die Neigung zu Rhythmusstörungen deutlich erhöhen.

Gegenüber diesen Pathologien tritt die „konventionelle“ Atherosklerose mit der typischen kardialen Komplikation des Myokardinfarktes in der Bedeutung zurück, Statine sind daher in dieser Population auch weniger wirksam als in anderen Risikogruppen. Wie auch bei den anderen Typen des kardiorenalen bzw. renokardialen Syndroms ist es daher notwendig, die komplexe Pathophysiologie der Veränderungen zu verstehen, da nur so neue und angepasste Therapieverfahren eingesetzt werden können.

 

Der Originalartikel erschien in der Wiener Medizinischen Wochenschrift Skriptum 1/2011.

© Springer-Verlag, Wien

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