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Kardiologie 23. März 2011

Ohne Herzklopfen

Mini-Herzpumpen als permanenter Herzersatz.

Herzversagen ist die Todesursache Nummer eins in Österreich. Herzpumpen haben den Sinn, das versagende kranke Herz eines Patienten zu ersetzen. Diese Pumpen sind heute extrem klein und kommen somit auch für Frauen und Kinder in Frage. Die relativ kurze Operationsdauer und die Einfachheit des Eingriffes stellen einen enormen Vorteil dar.

 

Als 1968 die erste Ballonpumpe als Kreislaufunterstützung einem Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz im Wiener AKH implantiert wurde, glaubte man, nur eine Überbrückungshilfe gefunden zu haben. Der Patient sollte die Wartezeit bis zu einer möglichen Herzimplantation überstehen. Die Apparatur war äußerst umfangreich, allein die Energieversorgung der Pumpe beanspruchte den Raum in der Größe eines mittleren Reisekoffers, der neben dem Bett stand.

Pumpe mit geringer Größe

Heute hat die Herzpumpe in etwa die Größe von einem Golfball und auch die Energieversorgung mit einer Batterie von 5 Watt fällt inzwischen kleiner aus. „Diese Pumpe kann die Leistung eines versagenden Herzens sowohl unterstützen als auch in vielen Fällen ersetzen“, sagt Prof. Dr. Georg Wieselthaler, Abteilung für Herz- Thorax- und Gefäßchirurgie an der Medizinischen Universität Wien, der an der Entwicklung dieser Minipumpe entscheidend mitgewirkt hat.

Vor allem Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz und solchen nach einem Herzinfarkt kann geholfen werden. Nach einer gründlichen Diagnose wird entschieden, bei welchem Patienten die Implantation der Minipumpe wohl zu einer länger andauernden Verbesserung führt. So hat etwa ein Opernsänger, der durch seine Herzbeschwerden kaum mehr gehen konnte, sogar wieder mit dem Singen begonnen.

Die Vorteile dieser Pumpe sind vor allem ihre geringe Größe – sie kann auch Frauen und Kindern implantiert werden – und ihre lange Haltbarkeit – etwa 15 bis 20 Jahre. „Man kann damit vielen Patienten überhaupt eine Herzimplantation ersparen“, betonte der Herzchirurg. Damit fällt auch die Gefahr der Abstoßungsreaktion und der Infektion weg.

Anpassung an veränderten Blutfluss

Die Minipumpe der amerikanischen Firma „Heartware“ ist aus Titan und schwebt berührungslos in einem passiven Magnetfeld. Der Rotor von immerhin 20.000 bis 50.000 Umdrehungen berührt daher nicht die Wand des Pumpgehäuses. Die Pumpe läuft konstant und passt sich den veränderten Blutflüssen, etwa bei Sport oder unter Stress, an. Es ist ein Selbstregulierungssystem, das die Parameter des Körpers nützt. Den Puls kann der Patient allerdings nicht fühlen und er verspürt auch kein Herzklopfen.

Der chirurgische Eingriff ist einfach, er dauert etwa eineinhalb Stunden. Die Pumpe wird am schlagenden Herz innerhalb des linken Herzbeutels angenäht und an die Hauptschlagader angeschlossen. Es wird damit die linke Herzhälfte gestärkt.

Probleme bestehen immer noch mit der Energieversorgung und dem Kontrollgerät in der Größe einer Zigarettenschachtel, die beide außerhalb des Körpers liegen. Die Lebensdauer der Batterie konnte zwar verlängert werden, aber sie ist immer noch exkorporal. „Die Forschungen gehen daher in die Richtung, über einen drahtlosen Hautkontakt die Batterie zu ersetzen. Aber so weit sind wir noch nicht. Die neue Generation der Pumpe könnte allerdings noch kleiner sein, etwa in der Größe des Endgliedes eines Fingers“, sagt Wieselthaler. Auch die Biokompatibilität und die Blutverträglichkeit sollen weiter verbessert werden.

 

Quelle: Wiener Vorlesungen „Aktuelle Herzforschung“, Gesellschaft der Ärzte, 9. Februar 2011, Wien.

Von Dr. Gerta Niebauer, Ärzte Woche 12 /2011

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