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Kardiologie 23. März 2011

Die Kehrseite der Medaille

Menschen, die exzessiv Ausdauer trainieren, leiden häufig unter paroxysmalem Vorhofflimmern.

Paroxysmales Vorhofflimmern tritt bei Menschen, die exzessiv Ausdauersport betreiben, häufiger auf als in der Normalbevölkerung. Trotz Hinweisen darauf, dass das Ausschleichen der extremen sportlichen Aktivität zu einer Reduktion des Vorhofflimmerns führt, sind nur wenige dieser Patienten von dieser Therapiestrategie zu überzeugen. Die Katheterablation ist für dieses Patientenkollektiv eine effektive Behandlungsmethode.

 

Vorhofflimmern (VHF) zählt zu den am häufigsten auftretenden Herzrhythmusstörungen und erhöht das Risiko für Herzinsuffizienz und Schlaganfall. Neben den charakteristischen Risikofaktoren für VHF wie Übergewicht, periphere Verschlusskrankheit, Diabetes, Schlafapnoe und Bewegungsmangel ist auch intensives Ausdauertraining mit erhöhtem VHF-Risiko assoziiert. Die Datenlage bezüglich der Auswirkungen exzessiver sportlicher Aktivitäten auf das kardiovaskuläre System ist jedoch uneinheitlich.

Während die ECHO-Studie aus dem Jahr 2000 gezeigt hat, dass exzessiver Ausdauersport eher zu einer exzentrischen und Kraftsport zu einer konzentrischen Linksherz-Hypertrophie führt1, fand eine rezente Studie an jungen Olympioniken keinerlei Auswirkungen von körperlichem Training auf die linksventrikuläre Funktion. „Generell gehen wir davon aus, dass moderate sportliche Aktivität zu keiner Erhöhung des Risikos für Vorhofflimmern führt, während das Risiko durch exzessiven Ausdauersport um das Zwei- bis Zehnfache erhöht wird“, sagte Doz. Dr. Franz Xaver Roithinger, Leiter der Abteilung Innere Medizin und Herzüberwachung im Landesklinikum Thermenregion Mödling, bei einer Fortbildungsveranstaltung.

Typischerweise handelte es sich laut Roithinger bei diesen Patienten um Männer, die seit Jahren exzessiven Ausdauersport betreiben und die paroxysmale, vagale Charakteristik des VHF zeigen. Die Episoden treten in der Regel nicht während der Sportausübung, sondern nach dem Essen oder in der Nacht auf. „Wird der Sport weiter betrieben, nehmen die Paroxysmen an Zahl zu und es besteht die Neigung, permanentes Vorhofflimmern zu entwickeln“, so Roithinger.

Extrasystolen als Trigger

Die Pathophysiologie des VHF beim Sportler unterscheidet sich nicht von der des allgemeinen VHF. Trigger sind Pulmonalvenen-Extrasystolen, wobei nicht eindeutig geklärt ist, warum diese beim Sportler häufiger auftreten. Zu den modulierenden Faktoren zählt die Vagotonie. Roithinger: „Exzessive Ausdauersportler sind die meiste Zeit vagoton und Vagotonien führen zu einer relevanten Bradykardie, die wiederum Extrasystolen fördern kann.“ Substrat dessen sind die Erhöhung des Drucks und des Volumens, atriale Hypertrophie und Dilatation sowie Inflammation und Fibrose.

Therapie des VHF

Die in den ESC-Guidelines zur Behandlung des VHF vorgesehenen Therapien zur Frequenz- und Rhythmuskontrolle sowie die Akutbehandlung mittels Betablockern und Kalziumantagonisten stoßen laut Roithammer bei Ausdauersportlern auf nur wenig Akzeptanz. Grundsätzlich sind für die antiarrhythmische Therapie in der First-Line Dronedaron, Flecainid, Propafenon und Sotalol geeignet, wobei Roithinger Flecainid aufgrund der fehlenden Bradykardisierung den Vorzug gibt. Das effektivste Antiarrhythmikum ist laut einer Studie Amiodaron.3

Darüber hinaus hat auch die Katheter-Ablation beim paroxysmalen VHF ihren Stellenwert. Metaanalysen haben diesbezüglich gezeigt, dass die Ablation jeglicher pharmakologischer antiarrhythmischer Therapie in der Erhaltung des Sinusrhythmus deutlich überlegen ist.4 „Die Katheter-Ablation kommt eigentlich als Second-Line-Therapie nach der medikamentösen Behandlung zum Einsatz. Beim strukturell herzgesunden Menschen mit paroxysmalem Vorhofflimmern kann die Katheterablation unter bestimmten Umständen auch vor der pharmakologischen Therapie durchgeführt werden“, so Roithinger.

Trotz Hinweisen darauf, dass das Absetzen, respektive Ausschleichen des Sports zu einer Reduktion der VHF-Episoden führt, sind laut Roithinger nur wenige der betroffenen Sportler von dieser Therapiestrategie zu überzeugen. Für diese Patienten scheint die Katheter-Ablation die Therapie der Wahl zu sein.

Referenzen:

1Mont et al.: Circulation 2000;101(3):336-44

2Pelliccia et al.: J Am Coll Cardiol 2010;55(15):1619-25

3Roy et al.: N Engl J Med. 2000;342(13):913-20

4Noheria et al.: Arch Intern Med 2008;168(6):581-6

 

Quelle: Fortbildungsveranstaltung „Kardiologie 2011“ der MedUni Innsbruck, 4. bis 5. März 2011, Congress Innsbruck

Von Mag. Harald Leitner, Ärzte Woche 12 /2011

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