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Abb. 1: Guidelines 2010 der ECS

Abb. 2: Details über Vernakalant

 
Kardiologie 2. März 2011

Neue Antiarrhythmika am Horizont?

Berndt Lüderitz, Bonn

Volkskrankheit Vorhofflimmern

Sowohl die Diagnostik als auch die Therapie von Herzrhythmusstörungen haben in den letzten Jahren eine grundsätzliche Wandlung erfahren. Die medikamentöse antiarrhythmische Therapie bleibt heute im wesentlichen Patienten mit symptomatischen, supraventrikulären Tachyarrhythmien oder in speziellen Fällen Kranken mit malignen Kammerrhythmusstörungen vorbehalten. Als häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung im Erwachsenenalter gilt das Vorhofflimmern mit einer Prävalenz von 2–5 % in der Bevölkerung > 60 Jahre, bis zu 10 % jenseits des 65. Lebensjahres und 12 % bei > 75-Jährigen. Allein in Europa leben annähernd 2,5 Mio. Patienten mit Vorhofflimmern. Von allen Arrhythmien verursacht diese Rhythmusstörung bei weitem die meisten Kranken- haustage im Jahr und ist insofern auch ein gesundheitspolitisch relevantes Problem.

Vorhofflimmern behandeln?!

„Lasst den Flimmerer flimmern“, lautet vielfach die Devise mit der Konsequenz eines therapeutischen Nihilismus im Lichte neuerer Mortalitätsstudien. Dabei bezeichnet dieser von nicht wenigen Kollegen propagierte und praktizierte Nihilismus im Wortsinn nichts anderes als einen Standpunkt, der nichts anerkennt und eine radikale Verneinung aller bestehenden Anschauungen bzw. Regeln zum Inhalt hat. Dem ist jedoch unter Berücksichtigung des aktuellen Kenntnisstandes nachdrücklich zu widersprechen! Die ESC-Guidelines 2010 sind in Abbildung 1 zu ersehen. Bei Vorhofflimmern ohne organisches Herzleiden gelten die 1C-Antiarrhythmika Flecainid und Propafenon als Mittel der Wahl. Bei vorbestehender koronarer Herzkrankheit wären Beta-Blocker als erstes anzuwenden. Für das mit großen Erwartungen neu eingeführte Dronedaron bei nicht permanentem Vorhofflimmern und kardiovaskulären Risikofaktoren erging am 19. Januar 2011 eine Warnung der US-Food and Drug Administration; dem folgte von deutscher Seite ein sogenannter „Rote Hand-Brief“ mit dem Hinweis auf schwere Leberschädigungen, die mit der Anwendung von Dronedaron in Verbindung gebracht werden. Daraus werden eine Reihe strenger Sicherheitskontrollen bezüglich der Leberfunktionsparameter abgeleitet. Bei schweren Leberfunktionsstörungen ist das Rhythmus- mittel ohnehin kontraindiziert.

Konversion in den Sinusrhythmus

In Hinblick auf die zielführende antiarrhythmische Therapie im Sinne der Konversion von Vorhofflimmern in Sinusrhythmus und Erhaltung desselben, wartet die Fachwelt seit Jahren auf ein Antiarrhythmikum, das effektiv und gleichzeitig gut verträglich ist, d. h. das die Möglichkeiten der bisher verwendeten konventionellen Antiarrhythmika übertrifft. Das neue Antiarrhythmikum Dronedaron scheint diesen Erwartungen wohl nicht gerecht zu werden.

Medikamentöse Konversion mittels Vernakalant

Eine neue wirksame Option dürfte durch das Antiarrhythmikum Vernakalant gegeben sein, das jüngst die Zulassung erhalten hat. Vernakalant wird intravenös zur Kardioversion bei Patienten mit akutem Vorhofflimmern eingesetzt. Es ist zur raschen Wiederherstellung eines Sinusrhythmus bei Erwachsenen, die innerhalb der letzten 7 Tage Vorhofflimmern entwickelt haben und zur Konversion bei Patienten mit postoperativem Vorhofflimmern nach einer Herzoperation indiziert. Details über Vernakalant siehe Abbil-dung 2.

Hybridbehandlungen

Von speziellem Interesse ist auch weiterhin die Kombination von pharmakologischen und elektrotherapeutischen Behandlungsstrategien, wie sie bei der sogenannten Hybridtherapie Verwendung finden.

Fazit

Moderne elektrische sowie medikamentöse in ständiger Weiterentwicklung befindliche Therapieoptionen dienen dem Ziel, Patienten mit Vorhofflimmern durch individuell angepasste therapeutische Maßnahmen die Rückkehr in das gewohnte soziale Umfeld zu ermöglichen, verbunden mit der gebotenen Alltagskompetenz bei hoher Lebensqualität.

Zur Person
Prof. em. Dr. med. Dr. h.c. Berndt Lüderitz
Medizinische Klinik und Poliklinik II
Universitätsklinikum Bonn
Sigmund-Freud-Straße 25
53105 Bonn
Deutschland
Fax: ++49/228/287 11905
E-Mail:

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