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Kardiologie 2. März 2011

Das stolpernde Herz

Alkohol: Je mehr davon durch die Kehle rinnt, desto größer ist das Risiko für die Entwicklung von Vorhofflimmern.

Alkohol kann das Herz ins Stolpern oder zum Rasen bringen, wobei die Alkoholmenge das Risiko für Vorhofflimmern beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommen japanische Forscher um Dr. Hirohito Sone aus Ibarika nach einer Analyse von 14 Kohorten- oder Fall-Kontroll-Studien, publiziert im J Am Coll Cardiol 2011; 57: 427.

 

In den in Europa und Nordamerika durchgeführten Studien sind Daten von mehr als 130.000 Personen erfasst worden, darunter 7.558 mit Vorhofflimmern. Im Vergleich zu Personen mit dem niedrigsten Alkoholkonsum hatten Personen mit dem höchsten (Männer: zwei Drinks oder mehr pro Tag; Frauen: ein Drink oder mehr pro Tag) ein relativ um 51 Prozent höheres Risiko für Vorhofflimmern.

Diese Risikoerhöhung war „dosisabhängig“: Mit jeder Zunahme der aufgenommenen Alkoholmenge um 10 g nahm das Risiko für Vorhofflimmern jeweils relativ um 8  Prozent zu.

Auch der Arrhythmie-Typ war von Bedeutung: Besonders eng war die Assoziation zwischen Alkoholkonsum und paroxysmalem Vorhofflimmern, die relative Risikoerhöhung in der Spitzengruppe der Alkoholtrinker betrug hier 92 Prozent.

Welche pathophysiologischen Veränderungen dieser Assoziation zugrundeliegen, ist unklar. Alkohol könnte den adrenergen Tonus erhöhen, die vagale Aktivität reduzieren, zu direkten strukturellen Myokardschädigungen führen oder auch elektrophysiologische Veränderungen im Vorhofgewebe verursachen, spekulieren die Autoren. Dauerhafter exzessiver Alkoholkonsum trägt möglicherweise zur Entwicklung einer Hypertonie oder einer chronischen Herzinsuffizienz bei, die wiederum die strukturelle Basis für die Entstehung von Arrhythmien bildet.

Darüber, ob die Art der alkoholischen Getränke von Bedeutung für das Arrhythmie-Risiko sind, geben die Studien keinen Aufschluss.

Was das Herz betrifft, steht moderater Alkoholgenuss inzwischen in einem guten Ruf; in Maßen genossen, soll Alkohol – dafür sprechen vorliegende Studien – eine protektive Wirkung auf Herz und Gefäße haben.

Ein erhöhtes Vorhofflimmer-Risiko durch Alkohol, wie es die neue Metaanalyse nahelegt, passt da nicht so ganz ins Bild, ist aber auch keine Überraschung. Vom im angelsächsischen Sprachraum geprägten Begriff „Holiday Heart“-Syndrom hat schon fast jeder gehört oder das damit bezeichnete Phänomen gar am eigenen Leib erfahren: Am Wochenende sich mit Alkohol – salopp gesprochen – volllaufen lassen und am Montag mit beängstigendem Herzstolpern in der Notaufnahme einer Klinik landen.

 

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