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Kardiologie 8. Februar 2011

Weniger ist mehr

Senkung der Herzfrequenz bei Patienten mit Herzinsuffizienz verbessert die Prognose.

Die im September letzten Jahres publizierte SHIFT-Studie hat gezeigt, dass die Senkung der Herzfrequenz mit dem If-Kanal-Blocker Ivabradin bei Patienten mit Herzinsuffizienz, die trotz optimierter Therapie immer noch Beschwerden hatten, zu einer Verbesserung der Prognose führte. Dr. Deddo Mörtl von der 3. Medizinischen Abteilung des Landesklinikums St. Pölten referierte über die Bedeutung dieser Studie für den niedergelassenen Bereich.

Insgesamt wurden in die SHIFT-Studie (Swedberg et al.: Lancet 2010; 376(9744):875-85) über 655 Patienten mit Herzinsuffizienz NYHA-Stadien II-IV, die trotz optimierter Therapie unter Beschwerden litten, eine linksventrikuläre Auswurffraktion von ≤35 Prozent, eine Pulsfrequenz von zumindest 70 min-1 sowie einen Sinusrhythmus aufwiesen, in diese weltweit durchgeführte Studie inkludiert. „Betrachtet man die Ein- und Ausschlusskriterien genau, insbesondere die Forderung nach stabiler Erkrankung und unveränderter Therapie über vier Wochen, so zeigt sich, dass es sich um ein typisches Patientenkollektiv im niedergelassenen Bereich handelt“, betonte Mörtl.

Sicherheit von besonderer Bedeutung

Gemäß der Forderung, vor allem der Sicherheit einer Therapie besondere Aufmerksamkeit zu widmen, erörterte Mörtl zuerst die in der SHIFT-Studie beobachteten unerwünschten Ereignisse. Traten in der Ivabradingruppe bei 45 Prozent der Patienten schwere Nebenwirkungen jeglicher Art auf, waren es im Placeboarm 48 Prozent, was einen signifikanten Vorteil für die Verumgruppe bedeutete (p=0,025). Kein signifikanter Unterschied bestand bezüglich der Häufigkeit kardialer Ereignisse (28 respektive 30 Prozent, p=0,091). Entsprechend dem Wirkprinzip von Ivabradin wurden jedoch symptomatische und asymptomatische Bradykardien signifikant häufiger beobachtet (p=0,0001). „Treten Bradykardien auf, reicht es in den meisten Fällen, die Ivabradin-Dosis zu reduzieren, um in den Zielbereich zwischen 50 und 60 Schläge pro Minute zu gelangen“, so Mörtl.

Vorteile in allen Subgruppen

Zu Beginn der Studie lag die Herzfrequenz der Patienten im Mittel bei 80 min-1. Nach 28 Tagen betrug die Netto-Herzfrequenz durch Ivabradin im Vergleich zu Placebo 10,9 min-1, nach einem Jahr 9,1 min-1 und nach einer mittleren Studiendauer von knapp zwei Jahren immer noch 8,1 min-1. „Die engen Konfidenzintervalle bedeuten, dass sich das Ausmaß der Herzfrequenzsenkung gut vorhersagen lässt“, folgerte Mörtl.

Der primäre Endpunkt der SHIFT-Studie war zusammengesetzt aus kardiovaskulärem Tod und/oder Hospitalisierung aufgrund von Herzinsuffizenz. Die Datenauswertung ergab, dass durch Ivabradin im Vergleich zum Placebo das Risiko, diesen Endpunkt zu erreichen, signifikant um 18 Prozent reduziert werden konnte (p<0,0001). Dies war im Wesentlichen auf die Reduktion der Hospitalisierungsrate aufgrund von Herzinsuffizienz zurückzuführen, die 26 Prozent betrug. Bezüglich der kardioavaskulären Mortalität zeigte sich mit 9 Prozent Reduktion ein Trend zugunsten von Ivabradin, der statistisch jedoch nicht signifikant ist. Die Vorteile konnten in allen Subgruppen, unabhängig vom Alter oder Geschlecht der Patienten, der Ätiologie oder dem NYHA-Stadium, beobachtet werden.

„Die Schlussfolgerung aus SHIFT lautet daher: Bei Patienten mit Herzinsuffizienz mit systolischer Dysfunktion und erhöhter Herzfrequenz reduziert Ivabradin die kardiovaskuläre sterberate oder Hospitalisierungsrate um 18 Prozent und ist auch gut verträglich“, so Mörtl.

 

Quelle: 11. Consensus Meeting der AG für Herzinsuffizienz, 22. Jänner 2011, Wien

Von Mag. Harald Leitner, Ärzte Woche 6 /2011

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