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Foto: flickr / heatheronhertravels
Allein in Europa gibt es etwa 14 Millionen Herzinsuffizienzpatienten, bis zum Jahr 2020 wird sich diese Zahl voraussichtlich auf 30 Millionen erhöhen.
 
Kardiologie 8. Februar 2011

Neue Wege in der Kardiologie

Ein gentechnisch hergestelltes Enzym mit Bedeutung beim Kalziumtransport in der Herzmuskelzelle gibt Anlass zur Hoffnung für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz.

Heute noch Zukunftsmusik, doch morgen vielleicht schon im kardiologischen Behandlungsalltag einsetzbar ist die Therapie mit Stammzellen: Überraschend zeigte eine aktuelle Studie, dass auch ältere kranke Menschen als Spender in Frage kommen. Auch ein gentechnisch hergestelltes Enzym, das eine große Rolle beim Kalziumtransport in der Herzmuskelzelle spielt, gibt Anlass für Hoffnung für Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz.

 

Mit zunehmendem Alter nimmt das Reservoir an Stammzellen in den verschiedenen Geweben ab und sinkt das Regenerationspotenzial. Eine aktuelle Studie zeigte jetzt jedoch überraschend, dass kardiale Stammzellen selbst von älteren und kranken Patienten gewonnen werden können. In der Untersuchung wurde 21 Patienten Herzmuskelgewebe entfernt. Daraus isolierte und multiplizierte man kardiale Stammzellen. Die meisten der 21 Studienteilnehmer wiesen bereits eine ischämische Kardiomyopathie auf, elf von ihnen hatten einen manifesten Diabetes mellitus. Zudem betrug ihr durchschnittliches Alter 65 Jahre. „Unabhängig von Alter, Geschlecht und Diabetesstatus der Patienten konnten wir bei allen Teilnehmern funktionstüchtige kardiale Stammzellen gewinnen“, freut sich Dr. Domenico D´Amario, Studienautor vom Zentrum für Regenerative Medizin in Harvard, Boston.

Frauen als Stammzellenspender geeigneter als Männer

Auffällig war jedoch, dass mehr funktionstüchtige kardiale Stammzellen aus Frauenherzen als von Männerherzen gewonnen werden können. Dies erklären sich die Forscher mit der generell höheren Lebenserwartung von Frauen. Im Gegensatz dazu hatte das Alter oder der Diabetes-Status keinen Einfluss auf die Ausbeute der Stammzellen.

In der Studie wurde auch untersucht, ob und wie Stammzellen mit besonderem therapeutischem Wert identifiziert werden können. Hier zeigte sich, dass Zellen mit langen Telomeren stärkere Wachstumsreserven aufweisen. Zusätzlich fanden die Wissenschaftler heraus, dass mit Hilfe eines Rezeptors für den Wachstumsfaktor „Insulin Growth-Factor“ Stammzellen erkannt werden können, die ein besonders hohes Potenzial haben, neues kardiales Gewebe zu bilden.

Gentechnisch hergestelltes Enzym gibt Hoffnung

Neuigkeiten gibt es auch bei pharmakologischen Ansätzen. So spielt die sarkoendoplasmatische Ca2+-ATPase (SERCA) eine maßgebliche Rolle bei den intrazellulären Kalziumbewegungen. Dieses Enzym katalysiert unter ATP-Verbrauch die sarkoplasmatische Kalziumaufnahme, Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz weisen stark verminderte Konzentrationen des Enzyms auf.

Die Auswertung der Phase-II-Studie „Calcium Up-regulation by Percutaneous administration of gene therapy in cardiac Disease (CUPID)“, in der das gentechnisch hergestellte Enzym AAV1 SERCA2a bei 39 Patienten mit schwerer, jedoch stabiler Herzinsuffizienz mit Placebo verglichen wurde, zeigte: Nach zwölf Monaten sank die Wahrscheinlichkeit, zu versterben, eine weitere Verschlechterung der Herzinsuffizienz zu erleben oder wegen einer Herzinsuffizienz hospitalisiert zu werden. Ebenso nahm die Notwendigkeit einer Herztransplantation oder eines Kunstherzens bei Patienten, welche nur eine Infusion mit dem Enzym in höchster Dosis halten hatten, im Vergleich zur Plazebogruppe um relativ 88 Prozent ab. Darüber hinaus waren die Patienten auch belastbarer und auch die Symptome der Herzinsuffizienz besserten sich.

Hoffnung für Patienten mit therapierefraktärer Hypertonie

Durch eine minimal invasiv durchgeführte renale Denervation mittels Radiowellen konnten in einer Studie bei 39 Prozent der Teilnehmer, deren Blutdruck selbst mit fünf Medikamenten nicht kontrolliert werden konnte, eine Normotonie erreicht werden.

 

Quelle: Kongress der American Heart Association (AHA), 13. bis 17. November 2010, Chicago

 

Von Dr. Susanne Kammerer, Ärzte Woche 6 /2011

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