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ESC 2010 8. September 2010

Herzgesundheit und Sport

Sport kann bei Untrainierten auch zum Risikofaktor für das Herz werden.

Aktuelles von der weltweit größten Tagung im Bereich der Kardiologie.

Bewegung und Sport können Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen, besonders im Kindes- und Jugendalter. Für untrainierte Personen kann intensive körperliche Anstrengung beim Wintersport in Kombination mit den Auswirkungen der Höhenlage und kalten Temperaturen jedoch zu einem Anstieg des Herzinfarktrisikos, besonders in den ersten beiden Urlaubstagen, führen, so dass Ergebnis einer am diesjährigen Kongress der European Society of Cardiology präsentierten Studie.

Kinder und Jugendliche mit höherem Sozialstatus und Bildungsniveau sind weniger übergewichtig und fitter als ihre sozial schwächeren Alterskollegen. Schülerinnen und Schüler mit sozial schwächerem Hintergrund profitieren allerdings gesundheitlich mehr von zusätzlichem Schulsport, z.B. von einem Anheben der Schulsport-Stunden von zwei auf fünf pro Woche.

Das sind zwei zentrale Ergebnisse einer Untersuchung der Universität Leipzig (Studienleiterin Dr. Katharina Machalica, Universität Leipzig, Herzzentrum) mit 163 teilnehmenden Schülern und einem Beobachtungszeitraum von einem Jahr.

Ein Teil der Schüler besuchte ein Gymnasium, dessen Absolventen typischerweise auf eine Universität überwechselten. Der andere Teil ging in eine Schule, deren Absolventen in der Regel nach dem Erhalt des Hauptschul-Zeugnisses das Bildungssystem verlassen. Untersuchungen zu Studienbeginn zeigten, dass Schüler mit niedrigerem Sozial- und Bildungsstatus generell einen höheren Body-Mass-Index (BMI), weniger fettfreies Gewebe, ein weniger gut entwickeltes Koordinationsvermögen und eine schlechtere Fitness aufwiesen als ihre Altersgenossen aus höheren sozialökonomischen Schichten.

Die Schüler der beiden Schulen wurden anschließend in je zwei Gruppen aufgeteilt: Während die Mitglieder der Kontrollgruppen weiterhin zwei Stunden pro Woche Sport betrieben, gab es in den „Interventionsgruppen“ stattdessen fünf Stunden Schulsport. Fazit nach einem Jahr: Mitglieder der Interventionsgruppen konnten ihren BMI stärker verringern als die Kontrollgruppe, wobei Schüler mit schwächerem sozialökonomischem Hintergrund eine höhere Zunahme fettfreien Gewebes, eine stärkere Verbesserung ihres Koordinationsvermögens und ihrer Fitness zeigten als ihre Kollegen aus höheren sozialökonomischen Milieus.

„Es gibt starke Hinweise darauf, dass der sozioökonomische Status und das Bildungsniveau in einem Zusammenhang mit dem Herz-Kreislauf-Risiko stehen. Familien mit niedrigem Sozialstatus und Bildungsniveau haben häufiger einen ungesunden Lebensstil, charakterisiert durch Rauchen, schlechte Ernährung und körperliche Inaktivität“, so Prim. Prof. Dr. Thomas Stefenelli vom Kaiserin Elisabeth Spital in Wien.

„Die Studie zeigt, dass Interventionen in der Schule Kindern einen signifikanten Gesundheits-Nutzen bringen können. Es wird ein Grundstein gelegt, um späteren Herz-Kreislauf-Krankheiten vorzubeugen. Kinder mit einem schwächeren sozialen Hintergrund profitieren offenbar von zusätzlichem Schulsport besonders.“

Risikofaktor Höhe und Kälte

„Mangelhafte Vorbereitung auf die intensive körperliche Anstrengung, in Kombination mit den Auswirkungen der Höhenlage und den kalten Temperaturen führt bei Wintersport-Touristen zu einem Anstieg von Herzinfarkten, besonders in den ersten beiden Urlaubstagen“, berichten Dr. Gert Klug und Prof. Dr. Bernhard Metzler von der Medizinischen Universität Innsbruck, Klinik für Kardiologie.

Die Innsbrucker Wissenschaftler untersuchten die Daten von mehr als 1.500 Patienten, die mit Herzproblemen ins Krankenhaus eingeliefert wurden. 170 dieser Patienten, vorwiegend Deutsche und Niederländer, hatten während ihres Urlaubes einen Herzinfarkt erlitten – sie bildeten die Kerngruppe der Studie. Es zeigte sich, dass 56 Prozent der Herzinfarkte in den ersten beiden Tage anstrengender körperlicher Aktivitäten eintraten. Nur 19 Prozent der Betroffenen hatten eine bekannte Herzerkrankung in der Vorgeschichte. Mehr als die Hälfte der Patienten waren vor ihrem Urlaub körperlich weniger aktiv, als die Mindestempfehlungen der Europäischen Kardiologengesellschaft (ESC) es vorsehen.

Ein wesentlicher Risikofaktor dürften die Höhenlagen sein: Im Durchschnitt fanden die Herzinfarkte auf einer Höhe von 1350 Meter statt. 70 Prozent der Infarktpatienten hatten zumindest zwei Risikofaktoren wie Rauchen, Diabetes oder überhöhtes Cholesterin.

„Die Tatsache, dass der Großteil der Herzinfarkte in einer frühen Phase des Urlaubs passierte, weist darauf hin, dass es einen ursächlichen Zusammenhang zwischen mangelnder Vorbereitung auf die große körperliche Anstrengung, die Berghöhe und die niedrigen Temperaturen gibt. Wir wissen aus früheren Studien, dass jeder dieser Faktoren einen Herzinfarkt auslösen kann“, so Klug, Hauptautor der Studie. Daher wird Wintersport-Urlaubern empfohlen, sich mit regelmäßiger körperlicher Aktivität vorzubereiten. Am Urlaubsort sollten die körperlichen Aktivitäten allmählich gesteigert werden, um das Infarkt-Risiko zu reduzieren.

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