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Kardiologie 1. August 2010

ProCor: Ein extramurales Screening zur Herzfrequenzsenkung bei PatientInnen mit chronischer, stabiler Angina pectoris in Österreich

Angesichts des in epidemiologischen und klinischen Studien gezeigten unabhängigen prognostischen Stellenwerts der Herzfrequenz bei kardiovaskulären Erkrankungen kommt der Messung und Therapie einer erhöhten Herzfrequenz eine klinisch relevante Rolle zu. In der vorliegenden Beobachtungsstudie bei 74 niedergelassenen Fachärzten für Innere Medizin im Jahr 2009 in Österreich wurde erstmals die Herzfrequenz bei PatientInnen mit koronarer Herzkrankheit (KHK) und chronischer, stabiler Angina pectoris in Relation zu Vor- bzw. Begleiterkrankungen, dem Angina-Schweregrad (CCS), Angina-Symptomen und dem Therapiestatus erfasst. Für alle Variablen erfolgten deskriptiv-statistische Auswertungen gemäß dreier vorab definierter Herzfrequenz-Gruppen: HF-1 (<60 Schläge/Minute); HF-2 (60–70 Schläge/Minute) und HF-3 (>70 Schläge/Minute). Von 1280 KHK-PatientInnen hatten 21,8 % eine Herzfrequenz <60 Schläge/Minute, 39,6 % von 60–70 Schläge/Minute und 38,5 % von >70 Schläge/Minute. Es zeigte sich ein signifikanter Zusammenhang zwischen einer erhöhten Herzfrequenz und Begleiterkrankungen wie pAVK (p = 0,046), Psoriasis (p = 0,029), stabiler Angina pectoris (p < 0,001), Status post akutes Koronarsyndrom (p = 0,001), COPD (p < 0,001), Diabetes mellitus (p = 0,004) und Depression (p < 0,001). Mit zunehmendem CCS-Schweregrad wurden steigende Herzfrequenzen verzeichnet (CCS-0: 66,8 Schläge/Minute; CCS-IV: 77,5 Schläge/Minute). Angina-pectoris Symptomatik trat in der HF-3-Gruppe signifikant häufiger auf als in den Gruppen mit niedrigerer Herzfrequenz (HF-3: 1,2 AP-Ereignisse/Woche; HF-2: 1 AP-Ereignis/Woche; HF-1: 0,7 AP-Ereignisse/Woche; jeweils p < 0,001). Die PatientInnen erhielten in der Mehrzahl Betablocker (74 %), wobei die durchschnittliche Dosis nur etwa 50 % der möglichen Maximaldosis betrug. Trotz der häufig unzureichenden Herzfrequenzsenkung unter Betablockern kamen selektive und spezifisch frequenzsenkende Therapien wie Ivabradin nur bei 1,6 % der behandelten PatientInnen zum Einsatz. Insgesamt verdeutlichen diese Ergebnisse, dass die Herzfrequenz als wichtiger Risikofaktor und therapeutischer Ansatzpunkt bei KHK-PatientInnen mit chronischer, stabiler Angina pectoris in der gegenwärtigen täglichen Praxis noch zu wenig Beachtung findet.

Roza Badr Eslam, Peter Siostrzonek, Bernd Eber, Andrea Podczeck-Schweighofer, Irene Lang, Wiener klinische Wochenschrift 15/16/2010

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